Trauerfeier

Regisseur Jürgen Gosch in Berlin beigesetzt

| Lesedauer: 3 Minuten

Zahlreiche Freunde und Kollegen nahmen an der Beerdigung von Theaterregisseur Jürgen Gosch teil. Er wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt. Der Künstler war im Alter 65 Jahren einem Krebsleiden erlegen.

Nach einer bewegenden Trauerfeier mit zahlreichen prominenten Weggefährten aus der Theaterwelt ist der Regisseur Jürgen Gosch in Berlin beigesetzt worden. Gosch war am 11. Juni im Alter von 65 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Zu den Trauergästen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof gehörten neben den Familienangehörigen Intendanten und Regiekollegen wie Claus Peymann, Jürgen Flimm, Ulrich Khuon, Thomas Langhoff, Oliver Reese und Bernd Wilms sowie Schauspieler wie Ulrich Matthes, Jörg Gudzuhn und Christian Grashof vom Deutschen Theater in Berlin, dem Ort der letzten großen Bühnenerfolge Goschs.

Der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) hatte einen Kranz niederlegen lassen. Die Trauerreden hielten der Dramatiker Roland Schimmelpfennig und Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz. Schimmelpfennig sagte in seiner kurzen, aber sehr emotionalen Rede, der Schmerz sei unbeschreiblich. „Wir verlieren einen großartigen Künstler und wunderbaren Menschen.“ Bis zum Schluss habe Gosch „wirklich gekämpft“ und „immer weiter gemacht“. Er dankte dem verstorbenen Regisseur für dessen Kompromisslosigkeit, Unvoreingenommenheit, Humor, Offenheit und Neugier. Gosch hatte zuletzt am Deutschen Theater Berlin Schimmelpfennigs „Idomeneus“ inszeniert; der Verstorbene galt als Spezialist für die Werke des in Berlin lebenden Dramatikers.

Kulturstaatssekretär Schmitz sagte, Schauspieler hätten an Gosch die Freiheit, die er ihnen beim Arbeiten gab, gelobt. Auch die Zuschauer hätten den Regisseur geliebt, selbst wenn er dem Publikum viel zugemutet und sich nie angebiedert habe. „Wir verneigen uns vor einem ganz Großen des deutschen und europäischen Theaters“, betonte Schmitz. Gosch habe die Liebesverhältnisse, die ihn als Einziges interessierten, in seiner Arbeit verwirklicht. Und der Regisseur habe die Gewissheit gehabt, „dass das Spiel auf der Bühne kein anderes Ziel haben kann, als das ewige Rätsel Mensch zu erkunden“.

Der Schauspieler Ernst Stötzner, der bereits in Goschs skandalträchtiger und später zum Theatertreffen eingeladener Düsseldorfer „Macbeth“-Inszenierung mitspielte, trug am Sarg Schimmelpfennigs „Lied von der roten Eule“ vor („Wer geht mit mir auf die Jagd, wer wird nicht müde?“).

Gosch wurde 1943 in Cottbus geboren und studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Als 1978 seine Inszenierung von „Leonce und Lena“ an der Volksbühne Berlin aus politischen Gründen abgesetzt wurde, siedelte er in den Westen über.

Auf dem kleinen, 1762 angelegten Dorotheenstädtischen Friedhof neben der Brecht-Weigel-Gedenkstätte haben viele Prominente ihre letzte Ruhestätte. In der Nähe von Gosch sind die Gräber des Philosophen Herbert Marcuse, des Schauspielers Erwin Geschonneck, des Regisseurs Wolfgang Langhoff, des Schriftstellers Stephan Hermlin und des Publizisten Günter Gaus. Auf dem Friedhof in der Chausseestraße liegen auch die Schriftsteller Heinrich Mann und Anna Seghers, der Dramatikers Heiner Müller sowie die Schauspieler Bernhard Minetti und Willi Schwabe. Außerdem fanden auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel sowie die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Johann Gottlieb Fichte. Mit Altbundespräsident Johannes Rau wurde dort 2006 erstmals auch ein hochrangiger Staatsmann der Bundesrepublik beigesetzt.

( BMO )