Stillgelegter Flughafen

Adlershof-Manager sollen Tempelhof planen

Der City-Airport Tempelhof ist seit mehr als einem halben Jahr geschlossen. Doch was mit dem 389 Hektar großen Areal geschehen soll, ist bislang unklar. Bisher erschöpfte sich die Vermarktung in einem Sammelsurium von Eventveranstaltungen. Nun will der Senat zwei erfahrene Manager dafür engagieren.

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Die Nachnutzung des Flughafens Tempelhof ist bislang ungeklärt und hat dem Senat viel Kritik eingebracht. Nicht zuletzt die Besetzungsaktionen zeigen, dass der Senat sich bei der Entwicklung des 389 Hektar großen Areals mit seinem gigantischen Gebäude nicht mit Ruhm bekleckert hat. Das soll anders werden, und der Plan wird in Fachkreisen bereits gelobt. Das stillgelegte Flughafengelände soll nach Informationen von Morgenpost Online künftig von den Managern des Wissenschafts- und Technologieparks Adlershof, Hardy R. Schmitz und Gerhard W. Steindorf, entwickelt werden.

Bekanntlich gilt das Entwicklungsgebiet Adlershof mittlerweile mit seinen gut 14.000 Arbeitsplätzen als integrierte Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien, als Wirtschaftsmotor und Modellprojekt für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins. Ein Modell, das nun offenbar auch für den Flughafen Tempelhof Anwendung finden und über die Gründung einer Tochtergesellschaft der Adlershof Projekt GmbH umgesetzt werden soll.

Die Adlershof Projekt GmbH mit Gerald W. Steindorf an der Spitze ist in Adlershof für den Ausbau der Infrastruktur des Technologieparks zuständig und eine Tochter der städtischen Entwicklungs- und Betreibergesellschaft Wista-Management GmbH. Der steht der erfahrene Unternehmer und Projekt-Manager Hardy R. Schmitz vor. Für die hochprofessionelle Entwicklungsträger-Gesellschaft für Tempelhof sollen künftig die Berliner Immobilienmanagement GmbH (Bim) und die Grün Berlin GmbH dann nur noch als Dienstleister tätig sein.

Manuela Damianakis, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, bestätigte Morgenpost Online, dass mit einem Projektträger verhandelt werde. Sie dementiert nicht, dass es sich um die Adlershof-Manager handelt.

Engagement wäre ein Erfolg für Junge-Reyer

Bereits vor mehr als einem Jahr hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), wie im Übrigen auch der Bund, auf eine professionelle Projektentwicklung aus einer Hand gedrungen. Doch war die Senatorin von ihrem damaligen Senatskollegen und Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) immer wieder ausgebremst worden. Sarrazin nämlich hatte es nicht eilig mit einer qualitativ hochwertigen und entsprechend teuren Entwicklung und favorisierte für die Verwaltung des Flughafengebäudes die landeseigene Bim.

Dass nun die Adlershof-Manager die Entwicklung in die Hand nehmen werden, kann als Erfolg für die viel gescholtene und vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im Zusammenhang mit Tempelhof mehrfach desavouierte Senatorin gewertet werden. In Regierungskreisen heißt es bereits, dass die bisher von Wowereit und Sarrazin betriebene Vermarktungsstrategie, deren Ergebnis sich in einem Sammelsurium von Eventveranstaltungen erschöpft, sich nicht als der Weisheit letzter Schluss durchsetzen konnte.

Noch aber ist die gigantische Aufgabe nicht in einen vertraglichen Rahmen gefasst, ist keine eigenständige Gesellschaft gegründet, muss geklärt werden, nach welchem Leitbild die Riesenfläche mit ihrem Gebäude entwickelt werden soll. Auch ist noch offen, wie viel Geld das Land Berlin locker macht. Dem Vernehmen nach hat Berlins neuer Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) das Gelände noch gar nicht kennengelernt. Die heutige Senatsklausur, in der im Zuge der Haushaltsberatung Tempelhof eine Rolle spielt, dürfte daher spannend werden. Unklar ist auch, ob die geplante Tochter der Adlershof Projekt GmbH die Flächen im künftigen Alleinbesitz des Landes Berlin treuhänderisch übernehmen wird.

Wirtschaftlichkeit wird entscheidende Rolle spielen

Klar aber ist, dass es eine Entwicklung nach rein städtebaulichen Kriterien nicht geben kann, sondern die Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle spielen wird. Ob es, so wie von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher vorgeschlagen, daher tatsächlich zu einer Internationalen Bauausstellung 2010 bis 2020 kommt, ist ebenso fraglich wie die Realisierung der Grundidee für Areal und Gebäude. Danach sind fünf Projekte auf dem Gelände geplant: ein 220 Hektar großer Park, ein internationales Zentrum für Kultur-, Medien- und Kreativwirtschaft im Gebäude sowie drei Stadtquartiere an den Rändern des Flughafenfeldes mit insgesamt 5000 Wohnungen und 10.000 Arbeitsplätzen. Die Idee einer Internationalen Gartenbauausstellung (Iga) im Jahr 2017 aber soll weiterhin umgesetzt werden, da man an der städtebaulichen Grundidee eines Parks festhalten will.

Ende Juni wird eine Delegation unter Führung der Stadtentwicklungssenatorin der zuständigen Bundesgartenschaugesellschaft in Bonn das Iga-Konzept Berlins vorstellen. Eine Entscheidung, ob Berlin den Zuschlag bekommt, fällt die Bundesgartenschaugesellschaft am 11. Oktober.