Baustopp für Schloss

Verlängerung der U5 droht Verzögerung

Die Entscheidung der Bundesregierung, den Wiederaufbau des Berliner Schlosses zu verschieben, könnte fatale Folgen für ein weiteres Großprojekt in der Stadt haben. Denn unter dem Schloßplatz sollte ein neuer Bahnhof für die U5 entstehen.

Nicht nur der Wiederaufbau des Berliner Schlosses und damit der Errichtung des Humboldt-Forums verzögert sich, auch der geplante Lückenschluss der U-Bahn-Linie 5 in der östlichen Innenstadt könnte sich zeitlich erheblich verzögern. Davor warnt jedenfalls die Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Bundestages, Petra Merkel (SPD). Die Bundestagsabgeordnete aus Berlin verweist darauf, dass die Pläne für den Schlosswiederaufbau vorsehen, dass vor Errichtung eines U-Bahnhofs unter dem Schloßplatz erst einmal der Baugrund verdichtet wird. „Verschiebt sich jetzt der Bau des Humboldt-Forums um drei Jahre, fallen auch diese für 2011 vorgesehen Arbeiten erst einmal aus“, so Merkel.

Die Bundestagsabgeordnete bezieht sich dabei auf Aussagen aus der Stiftung Berliner Schloss – Humboldt-Forum, die im Auftrag der Bundesregierung und des Berliner Senats die Aufbauarbeiten für das Schloss leitet. Dagegen rechnen der Berliner Senat und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) derzeit mit keinen Korrekturen im Zeitplan für den U-Bahn-Bau. „Das Projekt ist durchgeplant, es sind derzeit weder technische noch finanzielle Gründe zu erkennen, die das Bauvorhaben gefährden können“, sagt Mathias Gille, Sprecher von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD).

Die BVG, die Bauherrin für das gerade erst im April mit einem symbolischen ersten Spatenstich begonnene Verkehrsprojekt, sieht sogar Vorteile. „Wir haben jetzt sogar weniger Zeitdruck als vorher“, sagt Klaus Wazlak, Sprecher der Verkehrsbetriebe. Die Pläne der BVG sehen bislang vor, dass im Juni 2011 mit dem Bau der unterhalb des Schloßplatzes geplanten Station Museumsinsel begonnen wird. Die beiden Tunnelröhren, die – vom Roten Rathaus aus kommend – den Schloßplatz und damit auch das Fundament des künftigen Humboldt-Forums unterqueren müssen, sollen ab April 2013 im sogenannten Schildvortrieb bergmännisch gebohrt werden. Ein späterer Baubeginn für das Humboldt-Forum würde diese Arbeiten in keinem Fall gefährden, heißt es von der BVG. Da entgegen früheren Planungen keiner der Zugänge zum U-Bahnhof in das Gebäudeensemble integriert wird, gebe es auch in dieser Frage keine gegenseitigen Abhängigkeiten.

Allerdings: Zwei der vier Zugänge zum künftigen U-Bahnhof Museumsinsel liegen auf dem Schloßplatz. Diese Aufgänge würden bei der Eröffnung der Station im Juni 2017 nach jetzigen Stand mitten auf eine Großbaustelle führen. „Ob diese Eingänge dann geschlossen bleiben oder wir sie doch öffnen, muss dann entschieden werden“, so BVG-Sprecher Wazlak.

Finanziert wird die derzeit mit 433 Millionen Euro kalkulierte U-Bahn-Strecke vom Alexanderplatz bis hin zum Pariser Platz, die zugleich die Lücke zur 2009 fertiggestellten Stummellinie U55 schließen soll, überwiegend vom Bund. Dieses Geld ist allerdings nicht konkret für den U-Bahn-Bau, sondern gehört überwiegend zu den Regionalisierungsmitteln, die der Bund an die Länder zur Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur überweist. Die 147 Millionen Euro, die der Bund einst zweckgebunden für die „Kanzler-U-Bahn“ bereitgestellt hatte, sind laut Senatsverkehrverwaltung „längst beim Bau der U55 verbuddelt“.

Dennoch gibt es auch bei der Finanzierung ein Fragezeichen: Denn die Regionalisierungsmittel sind bisher nur bis 2013 garantiert, dann will der Bund deren Höhe auf den Prüfstand stellen. Gut möglich, sagen Finanzexperten, dass der Bund angesichts seiner großen Finanzprobleme auch für diesen Posten den Rotstift herausholt. Das dürfte nicht ohne Auswirkungen auf die U-5-Verlängerung bleiben.

Schon der Bau der U-Bahn-Trasse, die von 1995 bis 2009 vom Hauptbahnhof bis zum Brandenburger Tor errichtet wurde, ging nicht ohne Unterbrechungen vonstatten. Angesichts der klammen Haushaltslage ließ Anfang 2002 der damals neu gewählte rot-rote Berliner Senat den Weiterbau kurzerhand stoppen. Erst zwei Jahre später, als der Bund offen drohte, bei weiterem Verzug die bereits eingesetzten Millionenbeträge von Berlin zurückfordern zu wollen, sorgte das für ein Umdenken. Eröffnet wurde die U55 schließlich 2009.