Stadtentwicklung

Der Tempelhofer Hafen wird zum Shopping-Center

Am 29. April öffnen am Tempelhofer Damm Dutzende neue Läden, mehrere Restaurants und ein Ärztezentrum. Eine Mall verbindet den futuristischen Neubau des Einkaufszentrums mit dem restaurierten alten Speicher am Hafen. Kleine Geschäfte in der Umgebung fürchten die drohende Konkurrenz.

Rund 400 Handwerker befinden sich auf der Baustelle am Tempelhofer Hafen im Endspurt. Bis zum 29. April muss dort alles fertig sein. Dann öffnet um 8 Uhr das neue Einkaufszentrum seine Pforten. Die Läden – 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche – sind alle vermietet. Ankermieter sind Edeka (Mietfläche 5000 Quadratmeter), Media Markt (4000), C&A (1800) und H&M (2000). Daneben haben sich beispielsweise noch Douglas, dm, Jack & Jones, Roland Schuhe, Deichmann, Esprit, Street One, Cecil, New Yorker, Triumph, WMF und Intersport eingemietet. 70 Geschäfte, verteilt auf zwei Ebenen, erwarten die Kunden.

Beim Tempelhofer Hafen wurde ein historisches Gebäude – der alte Speicher aus dem Jahre 1908 – grunderneuert und integriert. Eine Mall verbindet den Neubau, der sich mit dem Parkhaus (600 Plätze) entlang der Ordensmeisterstraße erstreckt, mit dem Altbau. Als Zierde ist auf dem Boden mitten in der Mall ein altes Schienenbett verlegt worden. Zusammen mit der sorgfältig restaurierten Original-Tuffsteinfassade des alten Speichers, in dem ein Ärztezentrum und eine Ballettschule im Herbst eröffnen wollen, erinnern noch andere Relikte an die Vergangenheit.

Erhalten sind auch vier große alte Kräne an der Wasserseite des Speichers; sie müssen noch überholt werden. An dem ebenfalls noch erhaltenen alten Wiegehäuschen ist sogar noch der Zettel befestigt, auf dem die Berliner Schrotthandel GmbH darüber informierte, dass am Freitag, 20. Oktober 2006, die letzte Warenannahme ist und die Kassenabrechnung bis 15.30 Uhr zu erfolgen hat.

Pavillons auf den Molen

Der Clou des Areals ist der Neubau an der Stubenrauchbrücke mit der Kupferfassade, in die fliegende Möwen gestanzt sind. Das futuristisch anmutende geschwungene Gebäude des Wiener Architekten Marc Wieneke, das einen Kontrapunkt zum historischen Speicher setzt, dient als Entree und bietet einen direkten Zugang zum U-Bahnhof Ullsteinstraße. Hier wird Gastronom Steffen Wolf sein Eiscafé und das Restaurant „Porto“ eröffnen – er hofft, den Ausbau zu Pfingsten zu schaffen. Im voll verglasten Restaurant kann der Gast den Blick schweifen lassen – aufs Wasser, aufs Ullsteinhaus und den historischen Speicher.

Es ist der Lieblingsort von Christian Diesen, dem Geschäftsführer der HLG Projektmanagement, der die mehr als 100 Millionen Euro teure Investition managte. Für Diesen, der bereits etliche Großprojekte realisierte, steht fest: „Dieses Objekt ist das anspruchsvollste und auch das schönste.“

Neben Pizza und Pasta werden im Restaurant „Porto“ auch mediterrane Gerichte aus Spanien, Frankreich und Portugal serviert. Ein Maximilian-Imbiss wird am Ort sein, ebenso wie ein nach Feng-Shui-Regeln eingerichtetes Restaurant. Auf den Molen sollen ebenfalls noch Pavillons für die Gastronomie entstehen. Das Immobilienunternehmen hat die Wasserfläche zu einem Drittel gekauft, über den Rest besteht ein 30-jähriger Nutzungsvertrag mit dem Wasserstraßenschifffahrtsamt. Hier sollen die Gäste im Sommer per Boot die Molen im Hafen am Teltowkanal anfahren können.

Geschäftsleute in der Nähe warten bereits auf die Eröffnung. „Ich glaube, es kommt mehr Kundschaft“, sagt Hakky Acar, der im Mercato Grande eine Änderungsschneiderei betreibt. Auch Mohammed Al-Hakim, Filialleiter im Geschäft Pro Data, sieht die Konkurrenz positiv: „Wenn nur ein Prozent der Kundschaft auch zu uns kommt, haben wir unsere Miete schon drin.“ Begeistert ist auch Geschäftsfrau Judith Nätebus, die das „Chili Inn“ am Tempelhofer Damm 207 betreibt: „Es wird deutlich mehr Laufkundschaft und Kaufkraft geben. So wird der Tempelhofer Damm wieder interessanter für nettere Geschäfte.“ Auch Fleischermeister Otmar Ullrich hat keine Sorge um seinen Familienbetrieb: „Wir haben treue Stammkundschaft.“

"Center ist überdimensioniert“

Manfred Fillinger, Karstadt-Filialgeschäftsführer in Tempelhof, sieht den Hafen als Mitbewerber, der den Standort attraktiver macht. Eine Million Euro habe Karstadt in den vergangenen drei Jahren investiert, um sich für die Herausforderung fit zu machen. Sein Haus, das 150 Mitarbeiter beschäftigt und eine Verkaufsfläche von 11.500 Quadratmetern bietet, feiert gerade 40-jähriges Bestehen in Tempelhof. Die Erlöse aus den Geburtstagsaktivitäten werden dem Verein Kinderschutzengel gespendet.

Kritisch sieht jedoch Jürgen Winkelmann, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Tempelhofer Damm, die neue Konkurrenz: „Das Center ist überdimensioniert. Viele Geschäftsleute vor allem in Alt-Tempelhof fürchten eine Sogwirkung zum Hafen und ein Anwachsen der Verkehrsbelastung. Außerdem ist der Riegel an der Ordensmeisterstraße architektonisch eine Katastrophe.“ Bereits jetzt sei der Lärm unerträglich. Der Schwerlastverkehr habe drastisch zugenommen.

Das neue Shoppingcenter am Tempelhofer Hafen hat folgende Öffnungszeiten: montags bis donnerstags und sonnabends 10 bis 20 Uhr, freitags bis 22 Uhr. Edeka öffnet bereits ab 8 Uhr.

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