Urteil

Gericht spricht Ex-Minister Steffen Reiche frei

| Lesedauer: 3 Minuten

Eine belgische Stewardess hatte Brandenburgs Ex-Bildungsminister Steffen Reiche vor Gericht gebracht: Der SPD-Politiker soll der Frau ein Bein gestellt haben. Das aber konnte Reiche nicht nachgewiesen werden - darum wurde er freigesprochen.

Der Vorfall soll sich im Januar 2007 auf dem Rückflug von Brüssel nach Berlin zugetragen haben und hatte ein nachspiel vor dem Amtsgericht Tiergarten. Dort musste sich der ehemalige brandenburgische Bildungsminister wegen versuchter Körperverletzung verantworten, weil er im Januar 2007 die Stewardess auf einem Flug von Brüssel nach Berlin laut Anklage zu Fall bringen wollte.

Nun aber wurde der Cottbusser SPD-Bundestagsabgeordnete Reiche von dem Vorwurf freigesprochen, der Stewardess ein Bein gestellt zu haben. Nach Auffassung des Berliner Amtsgerichts seien die Vorwürfe der versuchten Körperverletzung nicht erwiesen, sagte Gerichtssprecher Tobias Kähne. Auch die Staatsanwaltschaft beantragte Freispruch.

Es sei nicht nachzuweisen, ob es ein Straucheln oder Stolpern der Frau überhaupt gegeben habe, hieß es im Urteil. Die Richterin äußerte sich außerdem überzeugt, dass der SPD-Politiker „nicht die Absicht hatte, die Frau zu Fall zu bringen“. Die Stewardess hat nach Einschätzung der Richterin „übertrieben“. Der 48-Jährige hatte im Prozess den Vorwurf zurückgewiesen und von einer Verleumdung gesprochen.

Die Flugbegleiterin hatte vor Gericht behauptet: „Der Herr hat einige Male seinen Fuß Richtung Gang ausgestreckt und dann bin ich fast darüber gestürzt.“ Beim Einsammeln der Getränkebecher auf Flug SN 2589 am 12. Januar 2007 soll Reiche der heute 37-Jährigen ein Bein gestellt haben. „Als ich von der Küche kam, hat er plötzlich sein Bein angehoben, so dass ich fast darüber gestolpert bin. Ich denke, dass er mich zu Fall bringen wollte“, hatte Natascha O. gesagt.

Reiches Behauptung, er habe die Beine die ganze Zeit unter dem Sitz gehabt, waren für die Richterin „nicht nachvollziehbar“. Noch mehr Probleme hatte sie allerdings mit der Aussage der Stewardess. Die Frau habe sehr unterschiedliche Angaben gemacht, hieß es. Natascha O. hatte angegeben, dass „der Passagier schon beim Einsteigen verärgert war, weil es keine deutschen Zeitungen gab“. Ein weiteres Mal sei Reiche „böse“ geworden, weil sie ihm nicht gestattet habe, in der Business-Class auf Toilette zu gehen, hatte die Frau gesagt. Doch lediglich ein Kollege der Frau hatte im Prozess bestätigt, dass sie gestolpert und Reiches Verhalten während des Fluges aggressiv gewesen sei. Mehrere Bundestagsabgeordnete, die als Zeugen gehört wurden, konnten sich an Derartiges aber nicht erinnern.

Reiche und weitere Mitglieder des Bundestages, darunter auch der frühere Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), waren am 12. Januar 2007 auf dem Rückflug von einer Tagung in Brüssel. Während Schily in der Business-Class Platz nahm, musste Reiche in die Economy-Class ausweichen, weil sein Platz belegt war.

Das Urteil entspricht sowohl dem Antrag der Verteidigung als auch dem des Staatsanwalts. Dieser hatte ebenfalls Freispruch beantragt, da er Reiche keine Absicht nachweisen konnte, die Stewardess zu Fall zu bringen. Reiche hatte in seinem Schlusswort noch einmal seine Unschuld beteuert. Er verwies darauf, dass ihm „durch die falsche Aussage der Stewardess persönlich, zeitlich und finanziell schwerer Schaden“ entstanden sei. Reiche fügte hinzu: „Ich habe mich zu Unrecht verfolgt gefühlt.“

( ddp/dino )