Razzia

Anschlags-Tipps - Linke Szeneläden durchsucht

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Hans H. Nibbrig

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Läden und Kneipen der linken Szene durchsuchen lassen. Grund: Eine Broschüre, in der detailliert Tipps für Anschläge beschrieben sind - von "Autos plätten" bis elektronischen Zündern.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die Initiatoren einer Broschüre mit ausführlichen Anleitungen zu Anschlägen und Sabotageakten eingeleitet. Zugleich ermittelt die Behörde gegen die Betreiber mehrerer linker Szeneläden und Kneipen, in denen die 80-seitige Broschüre ausgelegt war. Wie Justizsprecher Martin Steltner a mitteilte, wurden in den vergangenen Wochen bereits mehrere dieser Läden, insbesondere in Kreuzberg und Friedrichshain durchsucht und dort vorgefundene Exemplare beschlagnahmt.

Obwohl Tipps und Anregungen zur Herstellung von Sprengsätzen und der Durchführung von Anschlägen im Internet und in einschlägigen Publikationen der linkenextremistischen und autonomen Szene nicht neu sind, sind Verfassungsschutz und Polizei wegen des aktuellen Machwerks besorgt. Eine solch detaillierte und professionelle Anleitung zur Begehung von schweren Straftaten habe er bislang noch nicht gesehen, sagte ein Verfassungsschützer dazu. Nach bisherigen Erkenntnissen kursiert die Broschüre vor allem in Berlin, Hamburg und Niedersachsen.

Unter dem Begriff „Aktionsformen“ beschreiben die anonymen Autoren des „Ratgebers“ detailliert die Möglichkeiten gewalttätiger Anschläge. Sie reichen von einfacher Sachbeschädigung durch Plakatieren und Farbschmierereien über „Autos plätten“ und die Blockade von Straßen und Bahnstrecken bis zur Anleitung zum Bau von Brandsätzen mit elektronischen Zündern. Ausführlich wird dabei der fachkundige Gebrauch von manipulierten Feuerlöschern, Unkrautvernichtungsmitteln und sonstigen geeigneten Chemikalien, Hakenkrallen, Krähenfüssen und Nagelbrettern erläutert. Informationen, wie Oberleitungen der Bahn zerstört und Strommasten abgesägt werden können fehlen ebenfalls nicht.

Komplettiert wird die Broschüre mit zahlreichen Tipps zum Vermeiden und Verwischen von Spuren, dazu gibt es Hinweise, wie man die eigene Anonymität wahrt und sich der Bobachtung und Verfolgung durch die Polizei entzieht. Diesen Punkten widmet die Broschüre ein ganzes Kapitel unter der Überschrift „Unsere eigene Sicherheit“.

Verfassungsschützer und Staatsschützer der Polizei befürchten, dass die Broschüre die derzeit ohnehin hohe Gewaltbereitschaft in der autonomen Szene weiter anheizen könnte. „Immerhin wird hier auf 80 Seiten ständig der Eindruck erweckt, als wäre es ein Leichtes, einen Anschlag durchzuführen und anschließend unerkannt zu entkommen“, sagte ein Ermittler.

Wie Steltner gestern mitteilte, ist der Staatsanwaltschaft die Existenz der Broschüren bereits seit Ende April bekannt. Unbekannt sind bislang aber die Autoren und Vertreiber. In der Broschüre ist unter der Rubrik „Verantwortlich“ nur ein Fantasiename genannt. Auch die Anschrift enthält einen Ort und eine Postleitzahl, die es in Deutschland nicht gibt.