Aktion

Linke Gruppen wollen Tempelhof besetzen

Politisch linksgerichtete Gruppen rufen im Internet zur Besetzung des Geländes des Flughafens Tempelhof auf. 10.000 Teilnehmer würden erwartet, so die Organisatoren von "Squat Tempelhof". Die Berliner Polizei will das verhindern - kann aber den Umfang der Aktion noch gar nicht einschätzen.

Die Berliner Polizei bereitet ein Konzept vor, um die geplante Besetzung des Flughafens Tempelhof durch linke Gruppen zu verhindern. Anlass ist die Ankündigung der Initiative " Squat Tempelhof " für eine Massenbesetzung des Flughafengeländes am 20. Juni.

"Wir haben die Hinweise der Gruppe im Internet verfolgt und sind dabei, die angekündigte Aktion und den Grad der Mobilisierung einzuschätzen", sagt Polizeisprecher Klaus Schubert. Auch beim Verfassungsschutz würden Erkundigungen eingezogen. Vermutlich sei die Initiative dem linken Spektrum zuzuordnen. "Wir wissen noch nicht, wie wir am 20. Juni reagieren und mit welcher Stärke wir präsent sein werden."

Squat Tempelhof rechnet mit mehr als 10.000 Teilnehmern, sagt Rosa Paul von der Initiative. Zu der Aktion sei europaweit im Internet aufgerufen worden. Einer Konfrontation mit der Polizei wolle man aus dem Wege gehen. Ziel von Squat Tempelhof sei vielmehr, dass der Zaun um den Flughafen entfernt wird, das Areal für alle Berliner offen steht und nicht kommerziell genutzt wird. Anwohnerinitiativen, Jugendklubs, Kitas und Schulen sollen auf der riesigen Fläche aktiv werden. Nachbarschaftsgärten, Gemüsebeete für Kitas und Schulen sowie Abenteuerspielplätze könnten entstehen. Dies soll mit der Aktion am 20. Juni beginnen.

Die Verwalterin des Flughafen-Geländes, die Berliner Immobilienmanagement GmbH, stellt sich auf das Vorhaben ein. "Bisher gab es keine Versuche, den Zaun zu überwinden", sagt BIM-Sprecherin Katja Potzies. Das Flughafengelände sei durch einen Zaun geschützt und werde rund um die Uhr durch einen Sicherheitsdienst überwacht. Am 20. Juni werde die Polizei die Sicherung des Areals übernehmen. "Man muss abwarten, ob es tatsächlich 10.000 Teilnehmer werden." Auch für Dienstag Nachmittag hatte Squat Tempelhof eine Aktion am Zaun angekündigt, die aber nur sehr wenige Teilnehmer hatte.

Sieger des Ideenwettbewerbs

Derweil sind die Planungen in Tempelhof für die ersten großen Veranstaltungen bereits abgeschlossen. Anfang Juli startet die Modemesse Bread&Butter. Sie hat einen zehnjährigen Mietvertrag für den Flughafen Tempelhof abgeschlossen. Die Messe nutzt alle sieben Hangars, das Vorfeld, den Flugsteig, die Haupthalle und das Restaurant (zusammen etwa 61 000 Quadratmeter) zwei Mal pro Jahr für jeweils einen Monat. Dafür zahlt die Messe offenbar fast zwei Millionen Euro pro Jahr. Für die Messe werden noch Umbauten in Höhe von rund fünf Millionen Euro getätigt.

Morgen wird Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) außerdem das Ergebnis des Ideenwettbewerbs zum Flugfeld vorstellen. Unter dem Titel "Prozessuale Stadtentwicklung Tempelhofer Feld - Columbiaquartier" geht es dabei vor allem um die nördlichen Flächen und die Verflechtungsbereiche zwischen Kreuzberg und Neukölln. Die Siegerentwürfe wird die Senatorin am Donnerstag vorstellen.

Neben der Modemesse werden weitere Mieter für die Flughafengebäude gemeldet. Die Laufmesse wird vor dem Marathon im September dort Platz finden. Geplant sind noch ein Reitturnier, ein Festival der Feuerwerker und ein Festival mit Elektro- und Indie-Musik. Auch die Zentral- und Landesbibliothek könnte nach Tempelhof kommen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte sich dafür stark gemacht, einen Neubau auf dem Areal zu errichten. Das Projekt soll in die laufenden Haushaltsberatungen einfließen. Die Kosten wurden zuletzt auf 270 Millionen Euro geschätzt.

Bis zum Beginn der Sommerpause sollen auch die Gespräche zwischen Berlin und dem Bund über einen endgültigen Verkauf zum Abschluss gekommen sein. Über die genauen Details herrscht momentan Stillschweigen.