Seit Pfingsten wird der Südabschnitt der Hochbahn in Prenzlauer Berg saniert. Zehntausende Fahrgäste täglich sind nun auf Ersatzverkehr-Busse angewiesen. Doch die kommen nicht voran. Nun soll es Extra-Spuren geben.

„Warum muss ich mir das eigentlich antun?“, fragt eine alte Dame. Die anderen Fahrgäste im randvollen Ersatzbus nicken brummelnd. Die Luft ist zum Schneiden. Handys dudeln, ein Baby plärrt. Im Schneckentempo geht es im Feierabendverkehr über die Schönhauser Allee. Für die zwei Stationen vom Senefelderplatz zum Bahnhof Schönhauser Allee braucht die U-Bahn nur wenige Minuten. Im Bus wird die Fahrt an schlechten Tagen zum 15-minütigen Durchhaltetraining.

Seit Pfingsten ist die U-Bahn-Linie U2 in Prenzlauer Berg gesperrt. Auch die Straßenbahn fährt nicht. Die gelben Busse pendeln zwischen Pankow Kirche und Senefelderplatz. Vor allem im Berufsverkehr sind Geduld und – buchstäblich – Stehvermögen gefragt. Ursprünglich war geplant, dass mit Baubeginn vor den großen Ampelkreuzungen, etwa an Danziger und Bornholmer Straße, Busspuren eingerichtet werden, damit die gelben Gelenkbusse wenigstens einigermaßen staufrei durch den Verkehr kommen. Doch zunächst verhinderten Arbeiten der Gasag die geplante Verkehrsführung. Zuletzt wartete die BVG auf die Genehmigung der Verkehrslenkungsbehörde. Zum Wochenstart soll nun alles besser werden, verspricht eine Sprecherin der Verkehrsbetriebe. Die Schilder für die Busspuren werden nach BVG-Angaben seit gestern aufgestellt, 72 Stunden später – also voraussichtlich im Laufe des kommenden Montags – kann die Regelung in Kraft treten.

Was die Fahrgäste der BVG freut, wird viele Autofahrer ärgern. Denn für den Individualverkehr wird es noch enger als ohnehin auf der Schönhauser Allee. Wenn die Busspuren stehen, gilt auf dem rechten Fahrstreifen ein Parkverbot. Wenig später beginnt auf dem linken Fahrstreifen der Aufbau der Baugerüste für die eigentliche Viaduktsanierung. Von ursprünglich drei Spuren pro Richtung bleibt für den Autoverkehr damit abschnittsweise nur noch eine Spur übrig – Parkplätze werden zur Mangelware an der Einkaufsstraße.

Auch ohne Gerüste wird an den maroden Hochbahn-Viadukten bereits gearbeitet. Sicherungskabel, mechanische Bauteile und Stromschienen werden seit Pfingsten abmontiert. Danach müssen Schienen und Schotter entfernt werden. Erst dann – voraussichtlich Ende Juni oder im Juli – beginnen die Sandstrahlarbeiten an den Viadukten und die Erneuerung der Bleche des Gleisbettes. Dann muss auch Berlins vielleicht berühmteste Currywurst-Bude umziehen. Während der lauten und dreckigen Arbeiten zieht der Imbiss Konnopke vom Mittelstreifen in ein Provisorium auf das sogenannte Skladanowsky-Dreieck an der Ecke Schönhauser/Kastanienallee. Ende 2010 soll Konnopke dann eine neue Bude am alten Standort beziehen.

Fast genauso lange müssen die Fahrgäste von U-Bahn und Tram in Prenzlauer Berg und Pankow auf die Rückkehr zur Normalität warten. Bis zum 4.November bleibt der Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Pankow und Senefelderplatz gesperrt. Die fast 100 Jahre alten Anlagen der Hochbahn werden erstmals rundum saniert. Begonnen haben die Arbeiten bereits im vergangenen Jahr.

2010 investiert die BVG 40 Millionen Euro in erneuerte Viadukte, neue Gleise und Aufzüge, sanierte Bahnhöfe, ein elektronisches Stellwerk und den Umbau von Tram-Gleisen. Betroffen sind täglich 43000 Fahrgäste der U-Bahn und 19000 Nutzer der Straßenbahn. Zu den Bauarbeiten und Verkehrsregelungen in Prenzlauer Berg und Pankow hat die BVG eine „Sonderhotline Pankow“ geschaltet (Tel:2563823).

Gebaut wird auch am anderen Ende der U2. Zwischen Ruhleben und Olympiastadion werden voraussichtlich bis Dezember Gleise und der Bahndamm saniert.