Ex-Verdi-Zentrale

Hausbesetzung in Mitte endet mit 17 Festnahmen

Mehr als 100 Angehörige der Hausbesetzerszene haben Freitagabend vor der früheren Verdi-Zentrale in Mitte demonstriert. Neun von ihnen besetzten das Gebäude. Nach einer friedlichen Kundgebung kam es zu Tumulten und Festnahmen.

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Fr, 12.06.2009, 20.04 Uhr

Polizei räumt besetztes Haus in Mitte

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Nach Angaben der Polizei befanden sich beim Eintreffen der Polizei vor der Verdi-Zentrale kurz nach 18 Uhr etwa 140 Menschen, die der politisch linksextremen Szene zuzurechen sind, vor dem Gebäude und einige in dem Haus, die Transparente aus den Fenstern hängten. Gegen 18.50 Uhr hielten die Versammelten nach Absprache mit der Polizei vor dem Haus eine Kundgebung ab. Einige Aktivisten wollten dann nach Angaben der Polizei weitere Gegenstände in das Gebäude tragen, was Polizisten aber unterbanden, die daraufhin massiv angegriffen worden seien. Die Polizei setzte auch Pfefferspray ein, um die Angreifer abzuwehren.

Eine inoffizielle Sprecherin der Besetzer erklärte, die Aktion richte sich "gegen unsoziale Wohnungspolitik." Das Haus sei mit Bedacht ausgewählt worden, weil es nach der Besetzung im vergangenen Jahr Zusagen gegeben haben, die Immobilie solle nach einer Renovierung einer Nutzung zu Wohnzwecken zugeführt werden. "Das Versprechen hat sich als Sprechblase entpuppt, deshalb sind wir jetzt wieder hier", sagte die Sprecherin.

Gegen 19.45 Uhr beendete die Protestierenden die Kundgebung, doch sie entfernten sich nicht von dem Haus, wie es die Polizei forderte. Die Beamten drängten die Aktivisten daraufhin ab, doch einige leisteten Widerstand und warfen Flaschen. Nachdem die Polizisten gegen mehrere Personen Platzverweise ausgesprochen hatten, beruhigte sich die Lage schließlich. Gegen 20 Uhr öffneten Polizisten dann gewaltsam die Eingangstür zum Gebäude und nahmen im Haus neun Personen fest.

Insgesamt wurden bei dem Einsatz 17 Personen vorläufig festgenommen und Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung eingeleitet, wie die Polizei mitteilte. Zwei Polizisten wurden während des Einsatzes leicht verletzt.

Nach Informationen von Morgenpost Online war der Hausbesetzung ein Täuschungsmanöver vorausgegangen. Eine Personengruppe hatte zum Schein die Besetzung eines Hauses an der Cuvrystraße in Kreuzberg vorgegeben. Dies sei ausschließlich geschehen, um die Polizei von der geplanten Besetzung des Hauses am Engelbecken in Mitte abzulenken.

Seit Pfingsten hatte es in Berlin zahlreiche Sachbeschädigungen an Häusern sowie Brandstiftungen gegen Fahrzeuge mit politischem Hintergrund gegeben, nachdem die Szene in Internetforen "Aktionswochen" angekündigt hatte. So war in der Nacht zu Freitag in Köpenick ein Haus attackiert worden. Unbekannte hatten am Müggelheimer Damm die Fassade mit Farbflaschen beworfen und dabei ein Fensterrollo des dort ansässigen Anwaltbüros beschädigt. Die Täter hinterließen ein Flugblatt am Tatort. In der Nacht zu Mittwoch hatten Unbekannte die Fassaden von drei Jobcentern und des Software-Entwicklers SAP in Mitte mit Steinwürfen und Farbeiern beschädigt.

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