Luft- und Raumfahrtausstellung

Berlin und Brandenburg halten ILA in Region

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Gudrun Mallwitz und Katrin Schoelkopf

Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung 2012 findet in Selchow statt. So hat der Bundesverband der Luft- und Raumfahrtindustrie entschieden. Dabei war die Bewerbung aus Leipzig de facto besser.

Aufatmen in Berlin: Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) bleibt in der Region. Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) als Ausrichter hat sich für die Bewerbung der Länder Berlin-Brandenburg entschieden. Und das äußerst knapp. Denn Mitbewerber Leipzig-Halle hatte de facto die bessere Bewerbung abgegeben. Der BDLI hat aber offenbar von Anfang an den Standort Selchow favorisiert und die Entscheidung zweimal verschoben. Zuletzt überraschend am vergangenen Montag, nachdem bekannt geworden war, dass der Großflughafen vermutlich später als geplant fertig wird. Der Bundesverband forderte schriftliche Präzisierungen von beiden Bewerbern zu bestimmten Fragen, hieß die offizielle Begründung. Letztlich galt diese Aufforderung aber nur Berlin-Brandenburg. Für die größte deutsche Luft- und Raumfahrtausstellung ab 2012 im brandenburgischen Selchow südwestlich des neuen Hauptstadtflughafens BBI wird nun ein neues Messegelände gebaut.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) begrüßten die Entscheidung. „Berlin und Brandenburg verfügen mit dem neuen Willy-Brandt-Flughafen über einen idealen Standort für die Ausstellung – und die Hauptstadt gewährleistet die räumliche Nähe zu den politischen Entscheidungsträgern“, sagte Wowereit. „Berlin freut sich, dass die ILA in der Region bleibt.“ Ministerpräsident Platzeck betonte, dass die ILA „ein wichtiges Schaufenster für unserer Hochtechnologieregion bleibt“. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (beide Linke) unterstrichen die Bedeutung Berlins als ideales und internationales Schaufenster für die Luftfahrtbranche.

„Das ist eine sehr gute Nachricht“, sagte auch der Chef der Messe Berlin, Raimund Hosch, und verwies auf den Kaufkraftzufluss von 190 Millionen Euro für die Region sowie neue Wachstumsperspektiven für den Messestandort.

„Es ist gut, dass wir diese wichtige Plattform der Luft- und Raumfahrtindustrie nicht aus der Hand gegeben haben“, sagte Andreas Kaden von der Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz mit 100 Mitgliedsbetrieben. „Hier schaut die Welt auf die neuesten Entwicklungen unserer Branche. Und die Welt wird dabei nach Berlin-Brandenburg schauen.“

Mit großer Erleichterung hat auch die Berliner Wirtschaft auf den Verbleib der Messe reagiert. „Diese Entscheidung stärkt den Flughafenstandort Berlin-Brandenburg“, sagte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter.

In Sachsen war die Enttäuschung hingegen groß. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hob aber die positiven Aspekte der Bewerbung hervor. „Wir Sachsen können stolz darauf sein, dass wir es in dem Auswahlverfahren auf Platz 2 geschafft haben.“ Von Seiten der mitteldeutschen Flughafen AG hieß es: „Unser Standort steht weiterhin zur Verfügung, sollte Selchow die Bedingungen in Zukunft nicht erfüllen können.“

Nach Informationen von Morgenpost Online haben Wowereit und Platzeck dem Verband schriftlich zusagen müssen, dass die ILA trotz einer möglichen Verzögerung beim Bau des BBI wie geplant in zwei Jahren am neuen Standort abgehalten werden kann.

Zwischen den beiden Ländern und dem Verband herrscht seit Monaten schlechte Stimmung. Zunächst waren es die beiden Länder, die eine Lösung für die ILA ab 2012 verschleppten, obwohl seit Jahren bekannt ist, dass die ILA nicht mehr am bisherigen Standort in Schönefeld stattfinden kann. Denn die Flächen dort werden für den künftigen Flugbetrieb des BBI benötigt. Als der BDLI spätestens zum 25. März ein Konzept verlangte, bekam er von beiden Ländern nur einen Brief mit einer Absichtserklärung. Daraufhin hielt der BDLI die Länder mit der Entscheidung hin – bis Freitag.