Nach dem Affenbiss

Berliner Zoodirektor droht Totalverlust des Fingers

Berlins Zoodirektor Bernhard Blaskiewitz droht der endgültige Verlust des Fingers, den ihm am Montag im Zoo ein Schimpanse abgebissen hatte. Eine Infektion scheint in dem wieder angenähten Zeigefinger zu stecken. Tierrechtler fordern indes den Rücktritt des Direktors.

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Nach dem Biss eines Affen droht dem Berliner Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz trotz einer zunächst erfolgreichen Operation der Totalverlust seines Fingers. Der Chefarzt der Abteilung Hand- und Mikrochirurgie am Unfallkrankenhaus Marzahn, Andreas Eisenschenk, sagte am Dienstag, es gebe Zeichen einer Infektion. „Die technische Seite haben wir am Montagabend gemeistert, jetzt aber ist eine leichte Rötung an der Nahtstelle aufgetreten.“ Noch am Dienstag solle mit dem Patienten gemeinsam über eine endgültige Entfernung des Fingers entschieden werden.

Zur Begründung führte Eisenschenk eine bevorstehende Reise des Zoologen an. Während dieser Zeit könne die „unbedingt notwendige Beobachtung“ der Infektion nicht stattfinden. Eine derartige Infektion könne sich allerdings „schlagartig“ auf Hand und Arm ausbreiten. „Es besteht dann die Gefahr, dass man mehr Teile verliert, als ursprünglich betroffen waren.“ Die Infektion rührt nach Angaben des Chirurgen von der Mundflora des Affen her.

Dem Patienten gehe es derzeit den Umständen entsprechend gut, fügte der Operateur hinzu. Er sei „sehr gefasst“. Die fast achtstündige Handoperation ist den Angaben zufolge am Montagabend um 22 Uhr beendet worden.

Der Schimpanse Pedro hatte dem Zoodirektor am Montag einen Finger abgebissen. Der Unfall habe sich bei einer Privatführung ereignet, sagte eine Zoo-Sprecherin. Den Angaben zufolge wollte Blaszkiewitz dem Affenmännchen Futter durch die Gitterstäbe reichen. Der Schimpanse zog dann den rechten Arm des Zoodirektors durch das Gitter und biss einen Teil des Zeigefingers ab.

Unterdessen hat die Tierrechtsorganisation Peta den Rücktritt von Blaszkiewitz gefordert, weil er ohne Vorsichtsmaßnahmen einen Affen per Hand füttern wollte. Der Unfall lasse „an der Kompetenz des Zoo-Direktors zweifeln“, hießt es in der Mitteilung von Peta am Dienstag. Ein Zoo-Chef, der sich fahrlässig verhalte, sei nicht nur für sich selbst sondern auch für Besucher und Tiere eine erhebliche Gefahr. Die Organisation hatte bereits im Vorjahr nach Vorwürfen gegen Blaszkiewitz wegen angeblicher Missstände im Tierhandel der beiden Berliner Zoos dessen Rücktritt gefordert.

Inzwischen verschoben die "Freunde Hauptstadtzoos“ die für Mittwoch geplante Auftaktveranstaltung zum Jubiläum "165 Jahre Zoo Berlin“. Der Vorsitzende Thomas Ziolko sagte: "Blaszkiewitz hat sicherlich am gestrigen Tag unvorsichtig gehandelt, dennoch ist er sich den Gefahren und der Verantwortung im Umgang mit Tieren bewusst." Die Rücktrittsforderung wies Ziolko zurück. "Was wir nicht brauchen, ist ein Direktor, der vom Schreibtisch aus den ältesten Zoo Deutschlands und den größten Landschaftstierpark in Europa leitet und fernab von den Tieren entscheidet."