Verkehrsprognose 2025

Berlin wird zur Fahrradstadt

Innerhalb der nächsten 15 Jahren werden immer mehr Berliner laut Verkehrsprognose des Senats vom eigenen Auto auf das Fahrrad umsteigen - entgegen dem Bundestrend. Der Traum von einer lärm- und schadstofffreien Zukunft in der Haupstadt wird allerdings dadurch allein nicht in Erfüllung gehen.

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Weniger Stau und mehr Radfahrer in Berlin

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In Berlin sind täglich bis zu einer halben Million Radfahrer unterwegs. In 15 Jahren werden es deutlich mehr sein. Denn entgegen dem Bundestrend, so Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), wird das Transportmittel Fahrrad in Berlin erheblich an Bedeutung gewinnen. Im Jahr 2025 werden die Berliner rund 700.000 Fahrten täglich mit dem Fahrrad erledigen. Das ist eines der Ergebnisse der ersten gemeinsamen „Verkehrsprognose Berlin-Brandenburg 2025“, die Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und der Minister für Infrastruktur des Landes Brandenburg, Reinhold Dellmann (SPD), am Mittwoch vorgelegt haben. „Die Fahrradfahrer werden zu einem Markenzeichen der Hauptstadt“, so die Senatorin.

Verstärkt wird der Radel-Effekt noch durch die Tatsache, dass die zurückgelegten Strecken länger werden: Von heute 3,8 Kilometern auf immerhin 4,4 gestrampelte Kilometer bringen es die Radfahrer im Jahr 2025. Die Wiederentdeckung des Fahrrades hat mehrere Gründe. So wächst das derzeit etwa 700 Kilometer lange Radwegenetz in Berlin jedes Jahr durchschnittlich um 15 Kilometer. Das Fahren wird aber auch angenehmer, weil der Verkehr laut Prognose in den kommenden 15 Jahren insgesamt um vier Prozent schrumpfen wird. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass der Autoverkehr abnimmt. Zwar haben die Berliner im Jahr 2025 geringfügig mehr Autos als heute (2006: 314 Pkw je 1000 Einwohner; 2025: 325 Pkw je 1000 Einwohner). Sie lassen es jedoch öfter stehen. Während der Pkw-Anteil am Gesamtverkehr im Vergleichsjahr 2006, das der Studie als aktuelle Datenbasis zugrunde liegt, noch 36 Prozent beträgt, wird er 2025 nur noch 31 Prozent ausmachen.

Die Verkehrswissenschaftler führen den Rückgang darauf zurück, dass im Berlin des Jahres 2025 wesentlich mehr Rentner leben werden – die Fahrten zur Arbeit entfallen damit, die Zahl der Beschäftigten wird insgesamt sinken. Die Anzahl der Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird jedoch nahezu konstant bleiben. Denn während mehr Rentner das Auto stehen lassen und Bus oder Bahn fahren, gibt es zugleich weniger Kinder, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fahren. Die Gesamtbevölkerungszahl bleibt mit einem Plus von 70.000 Einwohnern nahezu konstant.

Schwerverkehr trübt die Aussichten

Der Traum von einer lärm- und schadstofffreien Zukunft in der Metropole wird jedoch erheblich getrübt von der Prognose, die die Verkehrsexperten für den Schwerlastverkehr errechnet haben: denn der wird erheblich zunehmen. Während die Schwerlaster heute täglich rund zwei Millionen Kilometer auf Berliner Straßen und Autobahnen zurücklegen, werden es 2025 gut 25 Prozent mehr sein (2,5 Millionen Kilometer). In Brandenburg wird sich der Schwerlastverkehr von sieben auf 7,5 Millionen gefahrene Kilometer erhöhen. Für die Anwohner der viel befahrenen Hauptstraßen und nahe der Stadtautobahn wird der Gewinn an Lebensqualität damit deutlich geschmälert.

Mit der Förderung weiterer Radwege, der sich sowohl Berlin als auch Brandenburg verschrieben haben, wird man diesem Problem indes nicht beikommen. „Berlin und Brandenburg sind Transitländer – sowohl in Ost-West-, als auch in Nord-Süd-Richtung“, so Minister Dellmann über die Gründe für die gestiegene Zunahme. Der Güterfernverkehr wird von 106 Millionen (2006) auf 134 Millionen Tonnen (2025) anwachsen. Nur 27,5 Millionen Tonnen werden dabei auf der Schiene, fünf Millionen auf dem Wasser, aber 113 Millionen Tonnen auf der Straße transportiert. Eine gestaffelte Lkw-Maut, seit Langem auf der Wunschliste der Länder Berlin und Brandenburg, sei das geeignete Instrument, um die Brummis zur Umfahrung der Ballungsräume zu zwingen, so Dellmann. Dazu werde man gemeinsam eine Initiative auf Bundesebene starten. „Derzeit werden diejenigen finanziell belohnt, die auf der Stadtautobahn den kürzesten Weg quer durch die Stadt nehmen“ – statt Berlin auf dem Berliner Ring zu umfahren.

Dass der umstrittene Weiterbau der A100 nach Treptow, für den derzeit das Planfeststellungsverfahren läuft, diesen Negativeffekt noch verstärken wird, weist die Verkehrssenatorin zurück: „Der Weiterbau der A100 ist in dieser Prognose bereits enthalten – genauso wie der Umstand, dass damit 60000 Menschen im Umfeld vom Verkehr entlastet werden.“

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