Prozess

Ins Koma getreten - Schläger müssen in Haft

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Nach einem Streit in einer Berliner U-Bahn hatten die zwei Täter einen Mann aus Burkina Faso geschlagen, verfolgt und brutal getreten. Der Afrikaner erlitt dabei schwere Schädelverletzungen, fiel ins Koma und ist für immer behindert. Fast zwei Jahre nach der Tat wurde nun das Urteil gesprochen: Die Schläger müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Nach einem Angriff auf einen Afrikaner im Juni 2008 auf dem Berliner U-Bahnhof Hermannplatz hat sich das Leben des heute 38-jährigen Opfers für immer verändert. Der Mann ist körperlich und geistig schwerbehindert.

Am Mittwoch hat das Berliner Landgericht zwei aus der Türkei stammende Männer zu Haftstrafen von dreieinhalb und fünf Jahren wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. Die Angeklagten im Alter von 37 und 39 Jahren müssen dem Opfer insgesamt 240.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz zahlen.

Beide hatten geschwiegen und in früheren Aussagen von einem tragischen Unglück gesprochen. Das Gericht war aber von ihrer Täterschaft überzeugt.

Demnach hatten sich die Männer in der U-Bahn gestritten. Der Afrikaner, der zusammen mit zwei Bekannten auf dem Weg in eine Diskothek war, sei aus dem Zug gezerrt und geschlagen worden. Auf seiner verzweifelten Flucht sei er von einem der Angeklagten so heftig in den Rücken getreten worden, dass er stürzte.

Der Afrikaner schlug mit dem Hinterkopf auf den Betonboden des Bahnsteigs und blieb regungslos liegen. Die Schädeldecke zerbarst, der Mann fiel ins Koma. Als der 38-jährige Mann zum Prozessauftakt im April mit einem Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben wurde, war eine lange Narbe deutlich sichtbar.

Wegen der schweren Hirnverletzungen waren mehrere Operationen erforderlich. Als Folge des Sturzes leidet der Vater einer sechsjährigen Tochter unter epileptischen Anfällen. Er wird in einem Heim betreut. Ein Bruder ist extra aus seinem Heimatland Burkina Faso nach Berlin gekommen, um sich um den Mann zu kümmern.

In früheren Vernehmungen hatte einer der Angeklagten behauptet, er sei angegriffen worden. Der Mann habe rückwärts laufend zugeschlagen. Dabei habe er das Gleichgewicht verloren und sei gestürzt. Der Mitbeschuldigte hatte erklärt, er habe nur schlichten wollen. Die beiden Täter hatten zuvor gemeinsam getrunken und waren auf dem Heimweg gewesen. Diese Angaben seien widerlegt worden, urteilte die Strafkammer.

Nach Veröffentlichungen von Bildern einer Überwachungskamera hatten sich die drei Männer kurz nach der Tat selbst gestellt.