Urteil

Baby getötet - Mutter bekommt Bewährungsstrafe

Im vergangenen August hatte eine 21-Jährige in Berlin-Nikolassee einen Jungen zur Welt gebracht. Doch das Baby lebte nur wenige Minuten, die Mutter brachte den Kleinen um. Das Berliner Landgericht verurteilte sie nun zu einer relativ milden Strafe. Dabei gingen die Richter von einer verminderte Schuldfähigkeit aus.

Der Junge hat nur wenige Minuten gelebt, dann brachte seine überforderte Mutter ihn um. Eine Obduktion ergab, dass der Schädel des Neugeborenen geborsten war. Die 21-jährige Mutter ist am Dienstag vom Berliner Landgericht wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Haft mit Bewährung verurteilt worden. Ihre Version eines Unfalls durch eine Sturzgeburt ist nach Überzeugung der Richter widerlegt.

Am 19. August 2009 frühmorgens hatte die angehende Bürokauffrau den Säugling in einer Wohnung im Stadtteil Nikolassee zur Welt gebracht, während ihr Vater, ihre Stiefmutter und die Geschwister schliefen. Sie reinigte das Bad und versteckte das tote Kind in ihrer Verzweiflung in ihrem Zimmer zwischen Bett und Wand. Nach Überzeugung des Gerichts war die zierliche Berlinerin mit der Situation derart überfordert, dass eine verminderte Schuldfähigkeit angenommen wurde.

Ihre Schwangerschaft hatte die Angeklagte gegenüber dem Vater des Kindes, Freunden und Verwandten vertuscht. Noch nach der Geburt hatte die 21-Jährige bei Ärzten beteuert, sie sei nie schwanger gewesen. Offenbar war der Frau ihre Ausbildung wichtiger als Schwangerschaft und Muttersein, argumentierte das Gericht. Die Lehre, die zwei Wochen nach der Geburt begann, habe die Angeklagte als letzte Chance nach mehrmonatiger Krise betrachtet.

Die milde Strafe begründete das Jugendgericht mit der „ganz, ganz außerordentlichen Situation“ der Frau. Personen in ihrem Umfeld und insbesondere der Vater des Kindes als langjähriger Freund tragen aus Sicht der Strafkammer eine Mitverantwortung. Es wäre verheerend, wenn die Angeklagte ihre Ausbildung und Therapie nicht fortsetzen könnte, hieß es. dpa-Notizblock ## Orte