Birthler-Behörde

Polizeipräsident lehnt Stasi-Untersuchung ab

Nach dem Fall Kurras werden nun auch Stimmen laut, die eine Stasi-Überprüfung aller aktiven und ehemaligen West-Berliner Polizisten fordern. Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch lehnt eine solche generelle Untersuchung des gesamten Polizeiapparats unterdessen ab: Das sei für die Arbeit heute ohne Bedeutung.

Foto: AP

Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch will den Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit auf die damalige West-Berliner Polizei nicht untersuchen lassen. In der „Berliner Zeitung“ lehnte Glietsch nach Bekanntwerden der Stasi-Mitarbeit des Ex-Polizisten Karl-Heinz Kurras eine wissenschaftliche Untersuchung zur Stasi-Unterwanderung der damaligen Polizeibehörde ab. „Die möglichen Stasiverstrickungen einzelner, vermutlich aus Altersgründen ehemaliger Polizeibeamter ist meines Erachtens für die Berliner Polizei und ihre Arbeit heute ohne Bedeutung". Er werde deshalb einen entsprechenden Untersuchungsauftrag nicht erteilen.

Der West-Berliner Polizist Kurras hatte den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 am Rande einer Demonstration gegen den persischen Schah erschossen. Vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung war er in mehreren Prozessen freigesprochen worden. Vor wenigen Tagen hatte ein Zufallsfund in der Stasi-Unterlagenbehörde ergeben, dass Kurras seit 1955 mit dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit zusammengearbeitet hatte und seine Auftraggeber über Jahre hinweg mit Interna aus der West-Berliner Polizei versorgt haben soll.