Verkehrsbetriebe

Nußbaum lobt neue Top-Managerin für BVG

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Thomas Fülling

Für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) beginnt im Herbst ein neues Zeitalter. Erstmals in der mehr als 80-jährigen Geschichte wird mit Sigrid Evelyn Nikutta eine Frau an der Spitze des kommunalen Verkehrsunternehmens stehen. Und die 41-Jährige bekommt mehr Macht, als mancher dachte.

Die 41 Jahre alte Bahn-Managerin Sigrid Evelyn Nikutta soll im Herbst BVG-Vorstandschef Andreas Sturmowski ablösen, dessen Ende Oktober auslaufender Arbeitsvertrag nicht verlängert wurde. Am Donnerstag bestätigte Finanzsenator und BVG-Aufsichtsratschef Ulrich Nußbaum (parteilos) die Personalie, die von Morgenpost Online bereits exklusiv gemeldet worden war. „Ich freue mich, mit Frau Nikutta eine Top-Managerin gefunden zu haben, die neben ihrer Erfahrung in der Personalführung auch große Kenntnis in Technik-Fragen hat“, sagte er. Das letzte Wort hat der von Nußbaum geleitete Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe, der am 28.Mai zu einer Sondersitzung zusammenkommen wird. Einen zweiten Kandidaten gibt es nicht. Der Personalausschuss des Gremiums hat Nußbaums Favoritin am 6. Mai bereits einstimmig bestätigt.

Nußbaum trat zugleich allen Spekulationen entgegen, nach denen mit Sigrid Nikutta eine Quotenfrau ins Amt kommen soll. Hatten doch zuvor sowohl Vertreterinnen der Regierungsparteien SPD und Linke als auch der Grünen vehement gefordert, dass bei der Besetzung von Führungspositionen im Senat und in landeseigenen Unternehmen stärker als bisher Frauen zu berücksichtigen sind. Mit Nikutta hat Nußbaum nach eigenen Worten „eine Idealbesetzung“ für den BVG-Spitzenjob gefunden. Sie werde von Sturmowski auch den Job des Betriebsvorstands übernehmen, heißt es. Zuvor war darüber spekuliert worden, ob es zu einer Trennung von Vorstandsvorsitz und Betriebsvorstand kommt. Auch eine Erweiterung des Gremiums auf vier Vorstände war im Gespräch. Nach diesem Szenario hätte die neue Vorstandsvorsitzende etwa den wichtigen Bereich Vertrieb übernommen, der Betrieb könnte dann von einem erfahrenen BVGer gemanagt werden.

Doch Nikutta soll ab November auch für das operative Management des Verkehrsunternehmens verantwortlich sein, dessen Busse und Bahnen im Vorjahr mehr als 925 Millionen Fahrgäste transportierten. Sie wird damit zugleich direkte Vorgesetzte der Direktoren der Einzelbetriebe U-Bahn, Bus und Straßenbahn. Zumindest einem der drei Direktoren wird nachgesagt, sich selbst für den Posten des deutschlandweit ausgeschriebenen Postens des Vorstandsvorsitzenden beworben zu haben. „Für jemanden ohne Insider-Kenntnisse wird es schwer, ein solches Unternehmen operativ zu führen“, so ein BVG-Insider.

Doch es ist offenbar genau Nußbaums Absicht, mit einer nicht aus der BVG und nicht aus dem Berliner Politikbetrieb stammenden Managerin ein Gegengewicht zu der mächtigen zweiten Führungsebene zu schaffen. Nur so, heißt es aus seinem Umfeld, lassen sich notwendige Strukturveränderungen in dem nach dem Klinikkonzern Vivantes zweitgrößten landeseigenen Unternehmen auf den Weg bringen.

Die Herausforderungen sind dabei vielfältig: So lasten auf dem Unternehmen Schulden in Höhe von knapp 750 Millionen Euro, Tendenz: stark steigend. Bereits in wenigen Jahren könnten die Verbindlichkeiten die Höhe von einer Milliarde Euro überschreiten. Eine wesentliche Ursache dafür sind „Altlasten“ wie der sogenannte Sicherungsbetrag, den bei der BVG die etwa 10.000 vor 2005 eingestellten Mitarbeiter zusätzlich zum normalen Tariflohn erhalten. Allein im Vorjahr belastete dies die BVG mit Ausgaben von 98 Millionen Euro.

Nußbaum hat jüngst die Notwendigkeit betont, die BVG finanziell besser auszustatten, aber auch eine Diskussion darüber zu führen, ob alle Leistungen auf dem bisherigen Niveau erbracht werden können. Zugleich müssten die Nutzer einen höheren Beitrag für das in Europa einmalige Nahverkehrsangebot leisten. Und so könnte eine der ersten Amtshandlungen von Nikutta sein, für 2011 eine kräftige Erhöhung der Ticketpreise zu fordern.