Nebenkosten

So teuer ist Berlin im Bundesvergleich

Die Nebenkosten machen das Leben in ganz Deutschland immer teurer. Dabei gibt es unter den deutschen Großstädten kräftige Preisunterschiede - bei einzelnen Kosten bis zu 200 Prozent. In Berlin lebt es sich vergleichsweise günstig - in einem Bereich allerdings ist es in der Hauptstadt so teuer wie sonst nirgends.

Trotz deutlich gestiegener Preise für Gas, Fernwärme und Müllentsorgung, lebt es sich in Berlin im bundesweiten Vergleich relativ günstig. Das geht aus der aktuellen Preisdatenbank des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hervor, die Vorstand Ludwig Burkardt in Potsdam vorstellte. Für die Datenbank wurden die Ver- und Endsorgungspreise in den 59 größten brandenburgischen Städten sowie in Berlin und 18 weiteren deutschen Großstädten verglichen.

Wo muss für Energie, Wasser, und Müll am meisten ausgegeben werden? So lautet die Frage, die der BBU nach 2007 und 2008 nun bereits zum dritten Mal beantwortet. Die guten Nachrichten für die Berliner lauten: Bei Strom, Gas, Fernwärme und Müllentsorgung zahlen sie oft erheblich weniger als ihre Nachbarn in Brandenburg oder die Bewohner anderer Großstädte. Entgegen dem Bundestrend blieb der Strompreis 2008 sogar stabil.

Die schlechten Nachrichten: Auch in der deutschen Hauptstadt sind die Preise für Gas (plus 16,2 Prozent), Fernwärme (plus 1,8 Prozent), Müllentsorgung (plus 5,5 Prozent) vom 1. Januar 2008 bis zum 1. Januar 2009 gestiegen. Eine aus Sicht des BBU „negative Spitzenposition“ nimmt Berlin zudem weiterhin bei den Wasserpreisen ein. Für Trink-, Abwasser und Niederschlagswasser zahlen nur die Menschen in Potsdam (5,82 Euro pro Kubikmeter) und Halle/Saale (5,72 Euro) noch mehr als die Berliner. Mit durchschnittlich 5,12 Euro pro verbrauchtem Kubikmeter ist das Berliner Wasser um fast 60 Prozent teurer als etwa in Köln. „Die Wasserpreise in Berlin sind anhaltend zu hoch“, so Burkardt. Er fordert deshalb eine Offenlegung der Teilprivatisierungsverträge der Berliner Wasserbetriebe.

Preisprüfstelle gefordert

Trotzdem lautet das Fazit des BBU: „Billiges Stadtleben – teures Landleben“. So kostet Fernwärme im brandenburgischen Durchschnitt 60 Prozent mehr als in Berlin, Strom ist mehr als 15 Prozent teurer. Am deutlichsten ist die Preisdifferenz beim Müll mit mehr als 115 Prozent.

Mehr staatliche Kontrolle, so lautet angesichts der allgemeinen Preisentwicklung auf dem Ver- und Entsorgungsmarkt eine der Hauptforderungen der Verbandes. Vielerorts seien die Kalkulationen der Versorgungsunternehmen „kaum nachvollziehbar“. Eine unabhängige „Preisprüfstelle“ müsse daher geschaffen werden, damit Verbraucher nicht länger „hilflos dem Preisdiktat der Konzerne“ ausgesetzt seien, so Burkardt. Betroffen seien in diesem Fall Vermieter, Mieter und Eigenheimbesitzer gleichermaßen. Die Zeiten, in denen steigende Energie-, Wasser- und Müllpreise eins zu eins auf die Nebenkosten umgelegt wurden, seien vorbei. So seien die Betriebskosten für die Mieter der BBU-Mitgliedsunternehmen für das Abrechnungsjahr 2007 nur um durchschnittlich 2,6 Prozent gestiegen, für 2008 erwarte man eine Steigerung um etwa fünf Prozent. Von den durchschnittlichen Preissteigerungen in der Region für Gas (15 Prozent), Fernwärme (16 Prozent) und Strom (4,2 Prozent) komme also „beim Mieter vergleichsweise wenig an“, so der BBU-Chef. Möglich sei das nur durch hohe Investitionen zur Energieeinsparung.

Unverständlich bleiben für den BBU die großen Preisunterschiede, obwohl hinter den örtlichen Versorgern oft die gleichen Lieferanten stehen. So müsse ein durchschnittlicher Haushalt in Angermünde jährlich 95 Euro mehr für Gas bezahlen als in Beelitz. Und das ist kein Einzelfall. „Fernwärme ist in Falkensee fast doppelt so teuer wie in Spremberg, Müllentsorgung kostet in Hennigsdorf, Oranienburg und Zehdenick mehr als dreimal so viel wie in Bernau oder Eberswalde“, so Burkardt. „Wieso ist das so?“

Ähnlich groß sind die Differenzen bei den Preisanstiegen. So stieg binnen eines Jahres der Preis für Fernwärme in Guben um 36,9 Prozent und im teuren Falkensee noch einmal um 33,7 Prozent, während er in Werder (minus 1,7 Prozent) und Lübbenau (minus 3,9 Prozent) sogar sank. Angesichts solch „exorbitanter Zahlen“ solle die BBU-Datenbank „mehr Transparenz herstellen“, so Burkardt, „und den Verbrauchern die Chance zur Auseinandersetzung mit ihren Ver- und Entsorgern geben.

Der BBU vertritt 364 Mitgliedsunternehmen. Sie bewirtschaften 1,1 Millionen Wohnungen in der Region.