Randale in Bus und Bahn

Weniger Angriffe auf BVG-Mitarbeiter

Die Zahl der Übergriffe auf das Personal der Verkehrsbetriebe ist im Jahr 2008 deutlich zurückgegangen. Insgesamt verzeichnete die BVG 326 Attacken auf Beschäftigte. 2007 waren es noch 554. Im Vergleich zu 2005 (709 Übergriffe) hat sich die Zahl der Taten sogar mehr als halbiert. Eine Tendenz, die sich in diesem Jahr fortsetzt.

In der Nacht zu Sonntag zersplittert die Seitenscheibe eines BVG-Busses, weil unbekannte Täter eine Flasche auf den Wagen der Linie M 77 geworfen haben. Zwei Tage zuvor randalieren sieben Jugendliche in einem Bus der Linie 200 in Mitte, schlagen eine Scheibe ein, treten gegen Sitze und Deckenverkleidung, klauen einen Nothammer. Nur zwei Fälle aus der Vorwoche über Gewalt gegen Fahrzeuge und Stationen der Berliner Verkehrsbetriebe. Fast täglich machen solche Nachrichten Schlagzeilen.

Doch der Eindruck, dass nicht nur das Material, sondern vor allem die Mitarbeiter der BVG immer öfter Opfer von Gewalt werden, täuscht, wie aus einem Bericht von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) an das Abgeordnetenhaus hervorgeht. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Übergriffe auf das Personal der Verkehrsbetriebe 2008 deutlich zurückgegangen. Insgesamt verzeichnete die BVG 326 Attacken auf Beschäftigte. 2007 waren es noch 554. Im Vergleich zu 2005 (709 Übergriffe) hat sich die Zahl der Taten sogar mehr als halbiert. Eine Tendenz, die sich in diesem Jahr fortsetzt. Im ersten Quartal 2009 zählte die BVG 36 schwere und 39 leichte Übergriffe auf Mitarbeiter.

Gezählt werden alle Fälle, in denen der betroffene Mitarbeiter nach dem Angriff mindestens einen Tag arbeitsunfähig ist. Als schwere Fälle - 2008 wurden 135 registriert - gelten Attacken, nach denen das Opfer mehr als drei Tage ausfällt. Andere Attacken - Pöbeleien, Bedrohungen, Beleidigungen bis hin zum Anspucken, die viele Mitarbeiter als alltäglich schildern - werden bei den Senatszahlen nicht erfasst. Die BVG zählte von März 2008 bis März dieses Jahres 128 solcher Fälle. Ob körperliche Gewalt oder Beleidigung, jeder Fall sei ein "unerhörter Vorgang", betont BVG-Sprecherin Petra Reetz. Entscheidend sei, dass die betroffenen Mitarbeiter unter den Übergriffen leiden. "Für die Betroffenen ist jeder Angriff eine Katastrophe", so Reetz. Grund zur Entwarnung gebe es daher auch angesichts der sinkenden Fallzahlen nicht. Im März startete das landeseigene Unternehmen daher eine Kampagne für mehr Zivilcourage unter dem Motto "hinsehen statt zuschauen". Erste Erfolge seien bereits bemerkbar, so Reetz. Die Fälle, in denen Fahrgäste sich für "ihren Busfahrer" einsetzen, hätten zugenommen. Auch Zeugen fänden sich leichter.

Insgesamt verweist die BVG darauf, dass die absoluten Zahlen im Vergleich zur täglichen Beförderungsleistung relativ gering seien. Ein Schluss, zu dem auch der Senatsbericht "Sicherheit im öffentlichen Personannahverkehr" kommt, der dieser Zeitung vorliegt. Das "Risiko, im Berliner Nahverkehr Opfer einer Straftat zu werden" sei "gering", heißt es dort.

Am häufigsten werden laut dem Bericht die Kontrolleure und Sicherheitsmitarbeiter der von der BVG beauftragten Firma Securitas Opfer von Gewalt. Auf Platz zwei folgen die Busfahrer der BVG und ihrer Tochterfirma Berlin Transport (BT). Besonders häufig wurden BVG-Mitarbeiter in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf angegriffen.

Bei der S-Bahn kommen vergleichbare Fälle nach Unternehmensangaben nur äußerst selten vor. Eine Zunahme der Angriffe auf das Personal der Bahntochter sei nicht festzustellen.