Urteil

Tempelhof-Randalierer bekommt Bewährung

dpa/ap

Vor einem Jahr versuchten rund 2000 Demonstranten, den Ex-Flughafen Tempelhof zu besetzen. Es kam zu schweren Ausschreitungen mit der Polizei. Rund hundert Randalierer wurden festgenommen, rund 20 Polizisten verletzt. Nun verurteilte das Berliner Amtsgericht einen besonders hartnäckigen Störer.

Nach Ausschreitungen bei der versuchten Besetzung des stillgelegten Flughafens Berlin-Tempelhof ist ein Randalierer wegen Landfriedensbruchs und Beleidigung verurteilt worden. Der Praktikant erhielt am Mittwoch im Prozess vor dem Berliner Amtsgericht Tiergarten sechs Monate Haft auf Bewährung. Außerdem muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Während der sogenannten action weeks hatten Randalierer am 20. Juni 2009 Einsatzkräfte angegriffen. Beamte, die das Flughafengelände absichern sollten, wurden geschubst, geschlagen und mit Gegenständen beworfen. Der Verurteilte war gegen eine Polizeikette gerannt und hatte versucht, Polizisten anzuspucken. Nach seiner Festnahme beschimpfte er Beamte in der Gefangenensammelstelle als „Staatsnazis“.

Der Angeklagte legte über seinen Anwalt ein Geständnis ab. Nach Angaben des Verteidigers hatte er an einer Demonstration teilgenommen und geriet zufällig in die Tumulte. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht, dass der 24-Jährige, der sich gegen die Festnahme wehrte, erheblich verletzt wurde. Ein Polizist versetzte ihm einen Faustschlag ins Gesicht. Anschließend wurde er gefesselt über den Boden gezerrt. Er erlitt Prellungen und Schürfwunden.

An dem Einsatz waren mehrere hundert Polizisten beteiligt. Er soll nach damaligen Schätzungen zwei Millionen Euro gekostet haben. Etwa 20 Beamte wurden leicht verletzt. Mehrere tausend Demonstranten hatten sich am Zaun des Flughafens versammelt. Sie forderten, das Gelände für alle zu öffnen. 102 Teilnehmer wurden festgenommen. Die meisten kamen einige Stunden später wieder frei. Seit vergangenen Sonnabend ist der stillgelegte Flughafen als Park geöffnet.