Nach Stasi-Erkenntnissen

Berliner CDU fordert Aufklärung von Ohnesorgs Tod

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Am 2. Juni 1967 erschoss der Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg. Der mittlerweile 81-Jährige wurde in zwei Verfahren freigesprochen. Nach den jüngsten Erkenntnissen über seine Stasi-Vergangenheit wurde nun erneut Strafanzeige gestellt. Die CDU kann sich sogar einen Stasi-Auftragsmord vorstellen.

Gegen den pensionierten West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der den Studenten Benno Ohnesorg 1967 unter bisher ungeklärten Umständen erschoss, ist erneut Strafanzeige erstattet worden. Grund sind Berichte, wonach Kurras seit Mitte der 1950er Jahre Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit gewesen sein soll.

Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni und stellvertretende Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Carl-Wolfgang Holzapfel, hat nach eigenen Angaben in einem Polizeirevier in Berlin-Charlottenburg Strafanzeige gegen den 81-Jährigen erstattet.

„Mord verjährt nicht,“ erklärte Holzapfel am Freitag in einer Pressemitteilung. Die Ermittlungen gegen Kurras müssten so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. Der Polizist war in zwei Verfahren in den Jahren 1967 und 1970 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden.

CDU kann sich Stasi-Auftragsmord vorstellen

Die Berliner CDU verlangte unterdessen eine Stellungnahme zu den neuen Erkenntnissen. Die Aktenfunde der Birthler-Behörde über den 1967 gefallenen tödlichen Schuss auf den Studenten Ohnesorg aus der Waffe des Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras müssten eine intensive Aufklärung nach sich ziehen, erklärte der CDU- Sicherheitspolitiker Andreas Gram.

Der Senat müsse die Personalakte des pensionierten Polizisten schnellstmöglich auf Verstrickungen in das Netzwerk der SED und Stasi überprüfen und einen Bericht vorlegen. Die Frage sei, ob und wenn ja zu welchem Zeitpunkt West-Berliner Stellen im Jahre 1967 ein Kontakt zwischen Kurras und der SED/Stasi bekannt war.

Sollten Aktenfunde belegen, dass Kurras der DDR-Staatssicherheit intensive Mitarbeit leistete, wäre auch ein Auftragsmord an Ohnesorg seitens der Stasi nicht völlig ausgeschlossen, meinte Gram. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wollte sich zunächst nicht zu dem Thema äußern.

Kurras soll auch SED-Mitglied gewesen sein

Die angesehene Fachzeitschrift "Deutschlandarchiv" hat unter Berufung auf Stasi-Akten berichtet, dass Kurras ein Spitzel der Staatssicherheit gewesen sein soll. Der 1927 geborene Polizist soll sich am 26. April 1955 zur inoffiziellen Mitarbeit beim DDR-Geheimdienst verpflichtet haben, obwohl er eigentlich lieber in die DDR habe übersiedeln und dort als Volkspolizist tätig werden wollen. Er soll zudem Mitglied der SED gewesen sein.

Seine tödlichen Schüsse auf Ohnesorg während der Demonstrationen gegen den Schah-Besuch vor der Deutschen Oper am 2. Juni 1967 in Berlin gelten als Zäsur in der bis dahin meist friedlichen Protestbewegung in der Bundesrepublik. In der zeitgeschichtlichen Forschung gibt es wenig Zweifel, dass Ohnesorgs Tod zur Radikalisierung der damaligen Außerparlamentarischen Opposition (APO) und zur Entstehung des Terrorismus in der Bundesrepublik mit beigetragen hat.

( dpa/apä )