Verwahrlosung

Betten des Kindernotdienstes sind überbelegt

Im vergangenen Jahr musste der Kindernotdienst 815 Mädchen und Jungen aus ihren Familien holen - die meisten davon in Neukölln. Normalerweise sollen die Kinder maximal drei Tage beim Notdienst bleiben. Doch die Plätze in anderen Einrichtungen sind knapp. So bleiben Jugendliche bis zu drei Wochen.

Der Kindernotdienst musste im vergangenen Jahr in 815 Fällen Kinder aus ihren Familien herausholen und in Obhut nehmen. Das geht aus dem Jahresbericht des Notdienstes Kinderschutz hervor, der gestern vorgestellt wurde. Wenn das Kindeswohl gefährdet ist, greifen die Sozialpädagogen ein und nehmen die Kinder mit.

Die häufigsten Gründe sind Überforderung der Eltern, Verwahrlosung sowie körperliche Gewalt. Auslöser sind häufig psychische Probleme der Eltern oder Alkohol- und Drogenabhängigkeit. „Wir stellen fest, dass immer mehr junge alleinerziehende Mütter tablettenabhängig sind, weil sie mit ihrer Situation überfordert sind“, sagt Monika Herrmann (Grüne), Jugendstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg. Der Bezirk ist für den Notdienst zuständig.

Die meisten Kinder mussten aus dem Bezirk Neukölln im Kindernotdienst aufgenommen werden. Hier wurden 130 Fälle registriert. Es folgen die Bezirke Mitte mit 95 und Marzahn-Hellersdorf mit 92 Fällen. Am wenigsten Kinder (21) wurden aus Steglitz-Zehlendorf aufgenommen. In 46 Prozent der Fälle hat die Polizei den Kindernotdienst eingeschaltet. 24 Fälle wurden von der Kinderschutzhotline an den Notdienst weitergegeben. Die Nummer Tel: 610066 ist rund um die Uhr erreichbar und direkt mit dem Notdienst vernetzt.

Bei den Jugendlichen gibt es einen leichten Rückgang der Beratungszahlen. Im vergangenen Jahr haben sich 2621 Jugendliche oder deren Eltern gemeldet. Das sind 30 weniger als im Vorjahr. Insgesamt 1675 Jugendliche mussten im Notdienst untergebracht werden. Zeitweise war die Kriseneinrichtung überbelegt, so Monika Herrmann.

Normalerweise sollen die Kinder nach maximal drei Tagen in andere Einrichtungen vermittelt sein. Doch das werde immer schwieriger, weil in vielen solcher Einrichtungen die Bettenzahl verringert worden sei, sagt Monika Herrmann. So mussten Jugendliche bis zu drei Wochen im Notdienst bleiben. Die Stadträtin fordert das Abgeordnetenhaus auf, den Schutz der Kinder zu sichern und weitere Einsparungen in diesem Bereich zu verhindern.