Umzug

TV.Berlin startet Sendeoffensive

Der Berliner Fernsehsender TV.Berlin ist umgezogen. Nun wird aus der Axel-Springer-Passage an der Markgrafenstraße in Kreuzberg gesendet. Der alte Standort am Fernsehturm wurde dafür aufgegeben. Mit dem Umzug wird TV.Berlin künftig auch enger mit der Berliner Morgenpost kooperieren.

Foto: Reto Klar

Nicht das Programm, nicht die Kameraeinstellung, sondern der Schriftzug „TV.Berlin“ ist es, der Hans Kuchenreuther (51) gerade bewegt. Soll er unten oder oben auf die Scheibe aufgeklebt werden? „Unten ist, glaube ich, besser“, sagt Kuchenreuther, und Mathias Adler (45) pflichtet bei: „Unten. Dann kann man besser bei uns hereinschauen.“ Die Leute, so das Credo der beiden Senderchefs, sollen beim Fernsehmachen zuschauen können. Was sie nicht wollen, ist eine Sende-Trutzburg.

Kuchenreuther und Adler, die beiden Geschäftsführer des Metropolensenders, sind im Stress. TV.Berlin zieht um. Handwerker und Techniker wuseln durch die Räume. Von Montag an wird aus der Axel-Springer-Passage an der Markgrafenstraße gesendet. Der alte Standort am Fernsehturm wurde dafür aufgegeben. Doch es geht für TV.Berlin nicht nur darum, neue Räumlichkeiten zu beziehen. Der Umzug läutet ein neues Kapitel in der Geschichte des kleinen Berliner Senders ein.

Mit der Berliner Morgenpost wird TV.Berlin künftig enger kooperieren. So sind Redakteure regelmäßig in Sendungen zu Gast und analysieren politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in der Hauptstadt – TV.Berlin profitiert so von der inhaltlichen Kompetenz der Zeitung. Zudem moderiert beispielsweise Stefan Frommann, Sportchef der Berliner Morgenpost, die Sendung „Querpass“, eine Talksendung zu Hertha BSC.

Die Zeitung wiederum wird von den bewegten Bildern des Fernsehsenders profitieren. So kann Morgenpost Online künftig in noch größerem Maße Videos präsentieren. Auch bei der Vermarktung wird es eine Zusammenarbeit geben. So sollen Anzeigenformate und -angebote geschaffen werden, die Print, Online und TV verbinden.

Doch der private Sender wird, das betonen Adler und Kuchenreuther, redaktionell unabhängig agieren. „In unsere Sendungen kommen auch Redakteure anderer in Berlin erscheinender Tageszeitungen“, sagt Adler. Ausdrücklich wünscht sich Adler Kooperationen mit anderen Medienhäusern, um den journalistischen Austausch kontinuierlich zu fördern. Zudem verfüge man über eine schlagkräftige Redaktion. Rund 20 Leute arbeiten dort, bis zu acht Teams sind mit Kameras in der Stadt unterwegs. „Wir wollen noch näher an die Berliner und ihre Befindlichkeiten heran“, sagt Adler.

Auf das private Metropolenfernsehen wurde in der Vergangenheit oft das Totenlied angestimmt. Doch seit ein paar Jahren stabilisieren sich die kleinen Lokalsender. Center.TV, das vor allem in Ballungsräumen in Nordrhein-Westfalen sendet, konnte sich behaupten. Der Sender Hamburg 1, an dem die Axel Springer AG ebenfalls beteiligt ist, schreibt mittlerweile schwarze Zahlen. „Wir wollen im Jahr 2010 die Gewinnschnelle erreichen“, sagt Kuchenreuther, der sich als Geschäftsführer um Vertrieb und Marketing kümmert bei TV.Berlin.

Die Chancen dazu stehen nicht schlecht. Durch die Insolvenz des lokalen Konkurrenten FAB ist es für TV.Berlin sicherlich leichter, am Berliner TV-Werbemarkt zu partizipieren. 163.000 Menschen sehen täglich das Programm des Senders, insgesamt 700.000 schalten wenigstens einmal in 14 Tagen ein. Die Reichweite ist nach Auskunft von Adler und Kuchenreuther um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Auch die Werbeerlöse hätten in den ersten drei Monaten dieses Jahres zugelegt.

„Regionales TV hat nun eine echte Chance in Berlin, und TV.Berlin wird eine relevante Größe werden“, sagt Kuchenreuther. Zudem wird es mit dem Umzug auch eine optische Auffrischung der Sendungen geben – und natürlich auch neue Sendungen. So wird der ehemalige FAB-Moderator Manuel Werner in seiner Sendung „Ars vivendi“ künftig auf TV.Berlin Restaurants und Landhotels vorstellen. Werners Sendung genießt Kultstatus.

TV.Berlin ist nach Worten von Mathias Adler eine Alternative zum RBB, dem öffentlich-rechtlichen Sender für Berlin und Brandenburg. „Allerdings“, betont Adler, „werden wir uns nicht am RBB orientieren.“

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