Polizei

Die hoffnungslose Suche nach Georgine Krüger

Die Hoffnung zerplatzte genauso schnell, wie sie entstanden war. Die Berliner Polizei hat am Freitag erneut nach der 2006 verschwundenen Georgine Krüger gesucht. Mit Hunden durchkämmte sie einen Wald in Brandenburg nach der damals 14-Jährigen. Doch dann wurde die Suche erneut abgebrochen. Alles, was die Ermittler fanden, waren Kleidungsstücke.

Foto: Polizei

Vor zweieinhalb Jahren ist Georgine Krüger aus Moabit spurlos verschwunden. Nach der damals 14-Jährigen wurde mit großem Aufwand gesucht. Hunderte Polizisten hatten den Stadtteil im September 2006 vergeblich nach dem Teenager abgesucht. Jetzt überprüft die Polizei eine neue Spur, die in ein Waldgelände in Brandenburg nördlich von Berlin führt. Mit zwei Spezialsuchhunden durchkämmten am Freitag zwei Beamte der Mordkommission und die Hundeführer ein unwegsames Gebiet in der Nähe des Mühlenbecker Sees.

Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte die neuerliche Suche nach dem Mädchen. "Gefunden wurde nichts, jetzt soll die Erkenntnisse der Suche bewertet werden", sagte Sprecher Michael Grunwald. Was die Ermittler konkret in das sumpfige Waldgebiet an der Grenze der Landkreise Barnim und Oberhavel geführt hat, sagte Grunwald nicht. In der Umgebung befindet sich nahe Schönwalde (Kreis Barnim) auch das Schloss Dammsmühle, ein ehemaliges Stasi-Objekt, wo nahezu jedes Wochenende Partys stattfinden.

Es wäre also möglich, dass auch Georgine Krüger hier gefeiert hat oder feiern wollte. Aus Ermittlerkreisen war zu erfahren, dass Georgine sich vor ihrem Verschwinden in dem Gebiet aufgehalten haben soll. Offenbar lag jedoch kein konkreter Zeugenhinweis vor. Stattdessen erfolgt die aktuelle Suche wohl im Zusammenhang mit dem Ergebnis eines rekonstruierten Bewegungsbildes der Vermissten.

Nach Informationen von Morgenpost Online setzt die Kripo in dem morastigen, mit dichtem Unterholz bewachsenen Waldgelände bereits seit drei Tagen speziell ausgebildete Fährtenhunde ein. Einer von ihnen ist ein Leichenspürhund. Der zweite, ein braun-weiß-gescheckter Jagdhund namens "Quinty", soll auch in der Disziplin "Man-Trailing" geschult und eigens für die Suche aus Düsseldorf eingeflogen worden sein. Mit "Man-Trailing" wird das Suchen und Verfolgen mikroskopisch kleiner Haut- und Haarpartikel einer gesuchten Person bezeichnet. Solche Partikel haben aerodynamische Eigenschaften und landen dort, wohin der Wind – auch der Fahrtwind der Autos – sie treiben und sie sich verfangen können. Das bedeutet, dass solche Spuren räumlich nicht identisch mit dem Fundort eines Fußabdrucks übereinstimmen müssen. Doch trotz der besonderen Fähigkeiten der Hunde wurde die Suche nach Georgine im Bereich des Schlossparks am Nachmittag im Laufe des Nachmittags wieder abgebrochen. Aus Polizeikreisen hieß es, es wurden Kleidungsstücke entdeckt. Ob ein Zusammenhang zu Georgine besteht, sei jedoch unklar.

Bis zuletzt lagen den Ermittlern der zuständigen 6. Mordkommission keine konkreten Anhaltspunkte für ein Gewaltverbrechen vor. Dennoch geht man inzwischen nicht mehr davon aus, das Mädchen lebend zu finden. Vielmehr wird vermutet, dass Georgine Opfer eines Verbrechens geworden ist. Seit dem 25. September 2006 fehlt jedes Lebenszeichen von dem Mädchen. Seither quält Georgines Mutter Vesna die Ungewissheit und das ungeklärte Schicksal ihrer Tochter. Seit fast 32 Monaten macht sich bei ihr bei jedem Telefonklingeln eine spürbare Beklommenheit breit, auch bei Georgines jüngerer Schwester Michelle und ihrer Großmutter, die ebenfalls in der Dreizimmer-Wohnung lebt.

Am Tag ihres Verschwindens, einem Montag, war die damals 14-Jährige gegen 13.50 Uhr an der Bushaltestelle an der Ecke Perleberger und Rathenower Straße zuletzt gesehen worden. Georgine war nach der Schule aus dem Bus der Linie M 27 ausgestiegen. Die Haltestelle liegt kaum drei Gehminuten von ihrem Zuhause an der Stendaler Straße entfernt. Kurze Zeit später, dies ergaben die Ermittlungen der Kripo, war ihr Handy ausgeschaltet worden.

Berliner nahmen großen Anteil an der Suche

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung lief eine bislang beispiellose Suchaktion der Berliner Polizei an: Hunderte Beamte durchkämmten in den folgenden Tagen die Umgebung. Die Polizisten suchten in mehr als 100 Wohnungen, Kellern und Dachböden nach dem schlanken Mädchen. Die Beamten drehten, begleitet von Suchhunden, jeden Stein in den benachbarten Gärten, Innenhöfen, einem Park und einem nahen Bahngelände um. An der Bushaltestelle an der Perleberger Straße verteilte die Polizei Handzettel, befragte Passanten und Busnutzer. Vor allem in den ersten Wochen gingen zahlreiche Hinweise der Berliner zu dem mysteriösen Verschwinden bei der Polizei ein. Schließlich waren es mehr als 160 Hinweise, ohne dass sich für die Ermittler eine nennenswerte Spur zum Verbleib des Mädchens ergeben hätte.

Gleichzeitig nahm die Kripo Mitschüler, Freunde und Internet-Kontakte des Mädchens genauestens unter die Lupe, ebenso wie Georgines Verbindungen zu Verwandten in Kroatien. Die Ermittlungen führten auch in die niedersächsische Stadt Peine, aus der die Familie Krüger vor Jahren nach Berlin umgezogen war. Die Ermittler überprüften zudem in der Umgebung begangene Straftaten nach Ansätzen auf eine mögliche Verbindung. Alles ohne Erfolg.

Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war Georgine Krüger mit einer modischen Jeans mit Bleichflecken auf der Vorderseite und einer weißen Jeansjacke bekleidet. Sie ist schlank, etwa 1,65 Meter groß und hat glatte, lange, braune Haare. Entgegen früheren Meldungen hatte der Teenager keinen Rucksack dabei, sondern eine pinkfarbene Umhängetasche der Marke "Eastpack". Der Polizeipräsident hat zur Aufklärung des Falls eine Belohnung von bis zu 5000 Euro ausgesetzt.

Hinweise zum Verschwinden der 14-Jährigen oder ihrem momentanen Aufenthaltsort erbittet die Polizei an die Telefon 46 64-91 16 01 oder an jede andere Polizeidienststelle. Georgines Stiefbruder Tomislav Baron hat unter www.georginekrueger.de eine Seite im Internet eingerichtet und hofft auf neue Hinweise.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.