Turbo-Prozess

Mai-Krawalle – 57-jähriger Familienvater verurteilt

Nach den schweren Ausschreitungen am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg ist der erste Randalierer verurteilt worden. Wegen eines Flaschenwurfs auf einen Polizisten ist ein Vater von sieben Kindern nun vorbestraft.

Ein 57-jähriger Mann aus Friedrichshain, der am 1. Mai dieses Jahres zwei Flaschen auf Polizisten geworfen hatte, ist vom Amtsgerichts Tiergarten zu einem Jahr und zwei Monaten Haft verurteilt worden. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Selahatdin K. war nach der Tat verhaftet worden. Bei dem Haftprüfungstermin am Freitag, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, räumte er die Attacke gegen die Polizisten ein. Das Verfahren ging dann sofort in einen ordentlichen Strafprozess über. Nach den Feststellungen des Gerichts hatte sich Selahatdin K. in der Walpurgisnacht im Bezirk Friedrichshain in einer Gruppe gewalttätiger Randalierer aufgehalten, die versucht hatten, Räumungs- und Löschmaßnahmen der Polizei zu verhindern. Er selbst hatte am 1. Mai gegen 0.55 Uhr aus etwa 20 Metern Entfernung zwei leere Flaschen in Richtung der Beamten geworfen.

Zu seiner Motivation äußerte sich der Vater von sieben Kindern nicht. Bei der Strafzumessung berücksichtigte das Gericht zugunsten des Angeklagten, dass er noch nicht vorbestraft war.

Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft rund 20 Anklagen gegen Randalierer erhoben. Knapp 350 Randalierer waren in der Walpurgisnacht und am 1. Mai festgenommen worden, laut Polizei die höchste Zahl seit 2004. Gegen 289 Personen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Vorwürfe seien in den meisten Fällen schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, sagte Staatsanwaltssprecher Michael Grunwald. Bei den abendlichen Ausschreitungen waren 479 Polizisten verletzt worden.

Erstmals waren danach auch vier Haftbefehle wegen Mordversuchs gegen Randalierer erlassen worden. Die Anklagen gegen die Verdächtigen im Alter zwischen 16 und 21 Jahren sind laut Staatsanwaltschaft noch nicht fertig, es werde weiter ermittelt. Die vier Beschuldigten sollen Brandsätze gegen Polizisten geschleudert haben. Die Einsatzkräfte waren von der starken Aggressivität und der Masse der Randalierer überrascht worden.

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