Open-air-Konzerte

Neuer Waldbühnen-Betreiber verdoppelt Miete

Auf der Waldbühne läuft es nicht so recht: Bis zu 18 Konzerte könnte man dort pro Jahr veranstalten, geplant sind bislang nur sieben, inklusive Berliner Philharmoniker. Die Philharmoniker bringt Peter Schwenkow auf die Bühne, Ex-Waldbühnen-Betreiber - der einen Mietzuschlag von 100 Prozent zahlen soll.

Foto: ped hpl / DPA

Der Waldbühne steht eine ausgesprochen ruhige Saison bevor. Nur sieben Konzerte hat der neue Betreiber – die CTS Eventim AG (Bremen/München) – für die Traditions-Arena neben dem Olympiastadion organisiert. In der 21.000 Zuschauer fassenden Freiluftarena spielen die Kölner Studentenband Wise Guys, Die Toten Hosen, Söhne Mannheims, Xavier Naidoo und Dieter Thomas Kuhn & Band. Die zwei restlichen Konzerte veranstaltet Peter Schwenkow, der früher die Waldbühne betrieb, bei einer Neuausschreibung dann aber unterlag.

Bislang aber sind die Schwenkow-Veranstaltungen noch Verhandlungssache. Schwenkow, der sich derzeit mit Eventim um die Konditionen streitet, findet, dass die Waldbühne zu teuer ist. Für das am 21. Juni geplante Konzert mit den Berliner Philharmonikern in der Waldbühne verlangt Eventim laut Schwenkow eine Miete, die "doppelt so hoch wie sonst" ist - das sind demnach 100 Prozent mehr, als Schwenkow in seiner Zeit als Waldbühnen-Betreiber verlangte. Damit werde das Konzert zu einem Zuschußgeschäft, sagt Schwenkow: "Trotz ausverkauftem Haus muss ich dann noch Geld mitbringen."Auch für das Taschenlampenkonzert am 12. September verlange Eventim im Vergleich zu den früheren Schwenkow-Preisen einen 50-prozentigem Aufschlag.

Schwenkow, Chef der Deutschen Entertainment AG (Deag), hatte die Waldbühne bis September 2008 selbst betrieben - dann gab es eine Ausschreibung. Schwenkows Konkurrenten hatten seinerzeit kritisiert, der Konzertveranstalter vermiete die Freiluft-Arena stets mit einem „Vermieteraufschlag“. Schließlich hatte die Senatsverwaltung Eventim den Zuschlag für vier Jahre erteilt. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatte sich mit der Vergabe mehr Auslastung erhofft. Eine jährliche Mindestpacht von 750.000 Euro wurde vereinbart. Die wird nach Auskunft der neuen Betreiber zwar gezahlt, aber nicht erwirtschaftet. In den Jahren zuvor gab es lediglich eine Umsatzbeteiligung, die sich nach der Zuschauerzahl richtete.

Peter Schwenkow behauptet, die geringe Auslastung der walbühne sei kein Zufall. Vielmehr handele es sich „definitiv um eine Strategie“. „Möglicherweise soll die Waldbühne ausgetrocknet oder unter Kontrolle des Kartensystems von CTS Eventim gebracht werden“, mutmaßt Schwenkow. Zuvor sei die Waldbühne für alle Kartensysteme offen gewesen, nicht zuletzt auch, um das Angebot weit zu streuen.

Dieter Semmelmann sieht das anders - Semmelmann bespielt mit der Eventim-Tochter „Semmel-Concerts Veranstaltungsservice“ die Waldbühne. Seine Theorie: Es ist die „Erblast“ Schwenkows. Etliche Bands seien zur Wuhlheide abgewandert. Semmelmann räumt allerdings ein, dass die Saison 2009 in Sachen Auslastung an der Waldbühne nicht optimal und auch kein gutes Geschäft werden wird. „Wir werden versuchen, vor allem Bands für das jüngere Publikum aus der Wuhlheide wieder in die Waldbühne zurückzubekommen“, kündigt er an.

In der Waldbühne sind aktuell sieben Konzerte für 2009 geplant. Im Vergleich zur Schwenkow-Zeit sind das zwei Veranstaltungen mehr als 2007 und drei weniger als 2008. Ob es auch Kino in der Waldbühne geben wird, mochte Semmelmann noch nicht sagen: „Wir überlegen noch. Wegen der zurückhaltenden Sponsoren sehen wir im Moment aber noch keine Finanzierbarkeit.“

Für das nächste Jahr sehe es indes schon besser aus. Aus Lärmschutzgründen ist die Zahl der Konzerte auf maximal 18 begrenzt. Das Mininmum seien zwölf Veranstaltungen, sagte Semmelmann, vier seien bereits in der Planung. In Berlin sei in den vergangenen Jahren viel Konkurrenz im Markt für Großveranstaltungen entstanden. Eine neue Hürde sei auch die O2 World, die im Sommer Konzerte veranstalte.