Luftbrücke-Jubiläum

Heute regnet es wieder Süßes aus "Rosinenbombern"

Vor 60 Jahre endete die Blockade Berlins durch die sowjetische Besatzungsmacht. Elf Monate lang hatten die Alliierten West-Berlin mit "Rosinenbombern" aus der Luft versorgt. Den 60. Jahrestag des Endes der Luftbrücke feiert Berlin heute auf dem Flughafen Tempelhof.

Mit einer Kranzniederlegung am früheren Berliner Flughafen Tempelhof haben am Vormittag die Feierlichkeiten zum Ende der Luftbrücke vor 60 Jahren begonnen. Die Berliner empfänden heute noch tiefe Dankbarkeit für die Menschen, die sich an dem Akt der Solidarität für die eingeschlossene Stadt beteiligten, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). „Die Luftbrücke war eine menschliche und logistische Meisterleistung.“ Damit hätten die Alliierten die Herzen der Berliner gewonnen.

Am Nachmittag gibt es auf dem stillgelegten Flughafengelände ein Volksfest mit Musik und Bühnenshows. Der berühmte Luftbrücken-Pilot Gail Halvorsen ist wieder dabei und mit ihm 76 weitere Veteranen: Die Feier zum 60. Jahrestag des Endes der Luftbrücke soll ein besonderes, ein großes Ereignis werden. Bis zu 150.000 Berlinerinnen und Berliner werden bei einem Tag der offenen Tür erwartet. Halvorsen selbst sitzt zwar nicht mehr am Steuerknüppel des Rosinenbombers, aber er ist mit in der Maschine, die am 12. Mai um 16 Uhr rund 1000 „Candy Drops“ über dem Flugfeld des Flughafens Tempelhof abwerfen wird.

Wie vor 60 Jahren werden Schüler die Süßigkeiten, die an kleinen Taschentuch-Fallschirmen hängen, aufzufangen versuchen. Landen freilich darf das historische Fluggerät in Tempelhof nicht mehr. Seit Oktober 2008 ist der Flughafen geschlossen, eine Ausnahmegenehmigung bekamen nur die Maschinen, die nicht rechtzeitig vor der Schließung den Airport verlassen konnten.

Sogar Senatssprecher Richard Meng war Anfang Mai etwas feierlich zumute, als er das Ereignis samt Gedenkveranstaltung ankündigte: „Das Wort Stolz geht mir nicht gerne im Zusammenhang mit Politik über die Lippen. Aber was Berlin und die Alliierten 1948/49 geleistet haben, erfüllt einen schon ein wenig mit Stolz.“ In Tempelhof landeten zwischen 1948 und 1949 die legendären „Rosinenbomber“ und versorgten die Stadt mit Lebensmitteln, Kohle und Benzin. Sie brachen damit die Blockade der sowjetischen Besatzungskräfte.

„Das Ende der Luftbrücke hat sich ins Gedächtnis der Stadt eingeprägt“, sagte Meng. „Solidarität, Hilfsbereitschaft, Zupacken und Durchhalten haben die Berliner damals überleben lassen.“ Der Festtag ist dreigeteilt. Zunächst findet wie üblich am 12. Mai ein Gedenken mit Gebet, Ansprachen und Nationalhymnen am Luftbrückendenkmal geplant. Dort werden 350 Gäste erwartet. Eine Stunde später, um 12 Uhr, beginnt in der Abfertigungshalle des Traditions-Flughafens eine Festveranstaltung statt mit 1000 geladenen Gästen.

Veteranen berichten über Hilfe

Um 14 Uhr öffnen sich dann die drei Pforten des Flughafens wie der Halle zu einem Tag der offenen Tür für die Berlinerinnen und Berliner. Veteranen erzählen von der Luftbrücke, auf zwei Bühnen spielen unter anderen die Rias Big Band, die britische Band of the Royal Force College und die Rockband der United States Air Forces in Europa. Vor dem Gebäude, auf dem Rollfeld soll es ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm geben für Jung und Alt.

In der Halle spielt ab 14 Uhr die Rias Big Band Berlin Hits zwischen Swing und Jazz. Um 14.45 Uhr präsentiert der „Wee Care Choir“ der Quentin Blake Europe School Songs seiner „Flying with the Chocolate Pilot“ Benefiz-CD.

Um 15 Uhr können Interessierte mit Veteranen und Zeitzeugen sprechen, ebenso um 17.45 sowie um 19.15 Uhr.

Um 15.30 Uhr tritt Andrej Hermlin mit seinem Swing Dance Orchestra auf.

Um 16.30 Uhr zeigt die Berliner Musikgruppe „Les Belles du Swing“ ihre Show.

Um 17.30 und um 19 Uhr werden Dokumentarfilme gezeigt.

Das Barbershop-Quartett „Latest Edition“ präsentiert ab 18 Uhr Songs der letzten Jahrzehnte.

Um 18.45 Uhr zeigt Nadine Sieben ihre Performance „I believe I can fly“.

Um 19.30 Uhr tritt der Square-Dance-Club „Running Bears” auf. Ab 20.15 Uhr das Abschlussprogramm eingespielt.

Auf der Bühne auf dem Flugvorfeld präsentiert ab 14 Uhr präsentiert das Luftwaffenmusikkorps 4 Berlin der Bundeswehr seine Heimatstadt Berlin musikalisch.

Um 14.45, um 17.15 und 19.30 Uhr berichten hier Veteranen und Zeitzeugen von ihren Erlebnissen.

Um 15 Uhr singt der Chor der Berlin British School deutsche und englische Kinderlieder. Ab 15.30 Uhr führen Schüler der Ernst-Reuter-Oberschule Streetdance, Hip-Hop und orientalische Tänze vor; Umut Degirmencioglu spielt auf der Baglama.

Um 16 Uhr fliegt ein Rosinenbomber über das Areal und wirft Süßigkeiten ab.

Im Anschluss folgt eine Musikdarbietung der anderen. Um 16.15 und 16.45 Uhr präsentieren die Big Band und der Chor der Gustav-Heinemann-Oberschule die „Operation Vittles“ und spielen Swing.

Um 17.45 Uhr spielt die U.S. Air Forces in Europe Band „Direct Hit“; um 18.30 Uhr folgt The Band of the Royal Air Force College mit „Marching Display“.

Ab 19 Uhr spielt das Jazz-Ensemble der John F. Kennedy School Jazz- und Pop-Highlights. Um 20 Uhr kommt wieder The Band of the Royal Air Force College auf die Bühne und gibt „Beating the Retreat“ zum Besten.

Um 20.20 Uhr beginnt das ‚Flag Lowering’: Die Fahnen werden eingezogen. Ab 20.25 Uhr werden 10.000 Luftballons auf Himmelsreise geschickt – ein Symbol dafür, Grenzen zu überwinden.

Von 14 bis 19 Uhr finden Führungen im Flughafengebäude statt, so zur Basketballhalle, zur Kantine der Alliierten, zu einem Filmbunker und zum Sicherheitsbunker. Touren durch die Ausstellung des Alliierten-Museums beginnen um 15, 16 und 17 Uhr.

Von 14 bis 19 Uhr fahren Busse zu Rollfeld, Flugfeld, Landebahnen, Radarturm, Heizkraftwerk, Schießstand, Softballfeld, Tennisplatz, Werkstätten, Fallschirm-Sprunganlage, Flugsicherung, Munitionsbunker, Crashtor.

CDU-Parteichef: „Stiefmütterlich“

Organisiert hat das Programm des Bürgerfestes die Agentur Flaskamp. Sie hatte auch vor kurzem in einem Spendenbrief an die Berliner Wirtschaft um finanzielle Unterstützung gebeten. Dabei konnten nach Aussagen des Senatssprechers 200.000 Euro geworben werden. Zusammen mit den 400.000 Euro aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie stehen für die Veranstaltung also insgesamt 600.000 Euro zur Verfügung. Eigene Haushaltsmittel gab es nicht.

Das Land Berlin zahlt nur für die jährliche Gedenkveranstaltung am Luftbrückendenkmal. Das hatte der CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel im Vorfeld kritisiert. Er warf Wowereit vor, „stiefmütterlich“ mit der Geschichte der Stadt umzugehen. „Der wertvollste Beitrag zur Erinnerung an das Ende der Luftbrücke vor 60 Jahren wäre die Offenhaltung des Flughafens gewesen“, schimpfte Henkel.

Nicht teilnehmen an den Zeremonien werden übrigens die Schöneberger Sängerknaben, die jahrzehntelang dabei waren. Warum nicht, konnte die Protokollabteilung nicht sagen. Beim 50. Jahrestag sang Cornelia Froboess mit den Schöneberger Sängerknaben, begleitet vom Berliner Polizeiorchester.