Nahverkehr

S-Bahn kommt mit der Wartung nicht mehr nach

Fahrgäste der Berliner S-Bahn müssen wieder öfter mit Platzmangel oder Zugausfällen rechnen. Grund dafür sind verstärkte Kontrollen an Fahrzeugen der Baureihe 481, die in dieser Woche beginnen sollen. Und die Betriebswerkstätten in Grünau und Wannsee sollen bereits jetzt am Ende ihre Kapazität sein.

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Nachdem am 1. Mai in Kaulsdorf ein Zug dieser Baureihe wegen eines Radbruchs entgleist war, hatte S-Bahn-Geschäftsführer Tobias Heinemann in einer Selbstverpflichtung gegenüber dem Eisenbahn-Bundesamt zusätzliche Sicherheitschecks für die S-Bahn-Baureihe 481 angekündigt. Konkret heißt das, dass die Züge nicht erst nach zwei Wochen, sondern bereits nach sieben Tagen in die Werkstatt fahren müssen. Dort werden ihre Radscheiben auf Risse oder Materialermüdung untersucht. Während ein S-Bahn-Sprecher sagte, dass die Verkürzung des Kontrollintervalls keine negativen Folgen auf die Einhaltung des Fahrplans haben werde, wird intern mit erheblichen Problemen gerechnet.

"Schon seit Monaten sind die Betriebswerkstätten in Grünau und Wannsee, die für die laufende Instandhaltung zuständig sind, am Ende ihre Kapazität", sagte ein S-Bahn-Mitarbeiter Morgenpost Online. Die Folge davon sei schon jetzt ein erheblicher Wartungs- und Reparaturstau. Demnach könnten derzeit täglich rund 100 Störungen an S-Bahn-Zügen nicht zeitnah abgearbeitet werden. Bei gravierenden Schäden müssen die Fahrzeuge aus dem Betrieb genommen werden.

Fahrgäste bekommen diese Probleme vor allem dadurch zu spüren, dass die S-Bahn-Züge mit weniger Waggons als üblich fahren oder ganz ausfallen. Bereits seit Tagen hagelt es in den verschiedenen Internetforen Beschwerden über den Zugverkehr etwa auf den Linien S 3 (Ostbahnhof-Erkner) und S 85 (Grünau-Waidmannslust). Aber auch über den Betrieb der Hauptlinien wie der S 9 (Flughafen Schönefeld-Spandau) gibt es vermehrt Beschwerden.

"Die versprochene Qualitätsoffensive der S-Bahn greift noch nicht", konstatiert auch Jens Wiesecke vom Berliner Fahrgastverband Igeb. Grund dafür sei, dass die Bahn-Tochter ihr Hauptproblem - den Fahrzeugmangel - nicht gelöst habe. Die S-Bahn verfügt nach eigenen Angaben über 630 sogenannte Viertelzüge. Allein 500 dieser aus zwei Wagen bestehenden Zugeinheiten gehören zur modernsten Baureihe, der BR 481.

Weil die Radachsen dieser Züge aus einem ähnlichen Stahl wie die der ICE-3-Züge bestehen, hat die S-Bahn schon vor Monaten das Intervall für die Ultraschalluntersuchungen der Achsen um die Hälfte verkürzt. Infolge eines Auffahrunfalls im November 2006 werden bei Zügen dieser Baureihe auch die Bremsanlagen schrittweise umgebaut. Kämen jetzt noch die zusätzlich angeordneten Raduntersuchungen dazu, müsse für den Betriebsablauf mit ernsten Problemen gerechnet werden, so ein altgedienter S-Bahner.

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