Flughafen-Schließung

So veränderte Tempelhof das Leben der Berliner

Der Berliner Senat hat es so gewollt, mehr als 500.000 Stimmen im Volksentscheid konnten es nicht verhindern: Seit November letzten Jahres gibt es keinen Flugverkehr mehr in Tempelhof. Morgenpost-Leser schildern, wie der Airport ihr Leben veränderte.

Weihnachten auf dem Flughafen

Ich erhielt 1948 eine Einladungskarte durch eine Sportgruppe auf den damaligen TIB-Sportplatz am Columbiadamm, als 15-jähriger Junge, um an einer von amerikanischen Soldaten für Berliner Kinder ausgerichteten Weihnachtsfeier teilnehmen zu dürfen. Nach reichlich Kakao und Kuchenbrötchen und Singen einiger Weihnachtslieder erhielt jedes Kind auf der auf dem Flughafen stattfindenden Weihnachtsfeier ein kleines Päckchen als Weihnachtsgabe. In meinem Päckchen befanden sich ein Schreibheft, einige Bleistifte (was zu jener Zeit noch sehr rar war), einige Süßigkeiten und ein Paar Ringelsöckchen sowie ein Brief eines jungen amerikanischen Mädchens, fast im gleichen Alter. Ich wurde gebeten, mal zu schreiben. Hieraus sollte sich eine bis August 1956 dauernde Brieffreundschaft entwickeln, die dann aber plötzlich endete. Schade! Für mich ist und war das das schönste Erlebnis beziehungsweise die schönste Erinnerung an den Flughafen Tempelhof. Kurt Plugowski, Friedrichshain-Kreuzberg

Überraschung im Rosinenbomber

Es war Samstag, der 8. April 2006. Mein Freund Christian fuhr mit mir vormittags zum Flughafen Tempelhof und wollte mir die große Abflughalle zeigen. Wir gingen in ein Büro, und er verhandelte dort mit einer Angestellten. Mir fiel auf, dass vor der Tür ein Schild stand mit der Aufschrift: Rosinenbomber, Rundflüge über Berlin. Es dauerte gar nicht lange, und er sagte mir, wir fliegen gleich mit dem Rosinenbomber über Berlin. Ich habe mich sehr gefreut und immer noch nichts geahnt. Jetzt war es soweit. Wir stiegen in den Rosinenbomber, und es ging los. Plötzlich sagte der Kapitän, dass ein Passagier noch etwas mitzuteilen hätte. Ich drehte mich so in der Runde um und dachte, vielleicht hat jemand Geburtstag oder Silberhochzeit. Ich guckte erstaunt, als mein Freund Christian aufstand und das Mikrofon in die Hand nahm. Dann fragte er mich über Berlin und vor den anderen Passagieren, ob ich seine Frau werden möchte. Alle applaudierten. Ich war so gerührt, dass ich vor Glück weinen musste. Danach steckte er mir einen tollen Verlobungsring an den Finger. Es gab auch noch einen Blumenstrauß, und als wir gelandet waren, Sekt für alle. Ich war sehr glücklich über diesen tollen Heiratsantrag und sagte natürlich ja.

Wir beide haben dann im Jahr darauf am 14. Juni 2007 geheiratet. Ostersonntag, den 23. März 2008, erblickte dann unsere Tochter Elisa das Licht der Welt. Wir sind eine glückliche, kleine Familie und denken gern an diesen wunderschönen Tag im Flughafen Tempelhof zurück. Mandy Schröder, Steglitz-Zehlendorf

Begrüßung mit Musik

Vor 50 Jahren, Anfang Mai 1958, machte ich meinen allerersten Flug von Hannover nach Berlin-Tempelhof. In der Maschine saß hinter mir ein Mann, der aus einem Koffer ständig Geldscheine zählte. In Tempelhof angekommen, wurden wir noch auf dem Rollfeld von einer Jazzband empfangen, und ich dachte mir, nach einem gut überstandenen Erstflug mit Musik begrüßt zu werden, ist ja toll. Die Begrüßung galt aber nicht mir, sondern dem Orchester Benny Goodman, dessen Mitglieder in der Maschine saßen und sich, wie es damals bei den Amis üblich war, ihre Gage bar auszahlen ließen. Am 10. Mai 1958 war ich dann auch in der Deutschlandhalle, um den „King of Swing“ zu hören. Horst Stein, Tempelhof-Schöneberg

Motorenlärm rettete das Glück

Berlin: Luftbrücke 1948. Mit meinen Eltern und meiner lieben Schwester Betty bewohnten wir eine kleine, gut bewachte Zweizimmerwohnung. Diese lag im Schoelerpark in Höhe der Einflugschneise zum Flugplatz Tempelhof. Meine Schwester, zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt, hatte natürlich einen Freund. Nur, wie kommen sich die Königskinder bei den damaligen Möglichkeiten näher? Das ging so: Anflug Flugzeug: Außentür 4. OG auf, 1,5 bis 2 Minuten später Tür zu, Flugzeug: Zimmertür auf, Flugzeug: Zimmertür zu. Morgens alles zurück. Die Sorgfalt hatte sich gelohnt: Es wurde ein wunderschönes Mädchen. Die Ehe bestand, wie es so schön heißt, „bis dass der Tod euch scheidet“. Horst Arndt, Tempelhof-Schöneberg

"Mein erster Flug in die Freiheit"

Mit dem Beginn der Blockade durch die Sowjets war West-Berlin ohne jegliche Versorgung. Nur durch die schnelle Entschlossenheit des US-Generals Lucius D. Clay wurde die Berliner Luftbrücke organisiert. Mein schönstes Tempelhof-Erlebnis begann somit im Jahr 1948. Als zwölfjähriger Berliner Junge war ich natürlich neugierig, was sich so mit den dort ankommenden Flugzeugen abspielte. Ich radelte mit meinem Fahrrad von Reinickendorf zum Flughafen Tempelhof.

Von Weitem konnte ich schon das ständige An- und Abfliegen der Flugzeuge wahrnehmen. Nachdem ich einen schönen Standplatz am Flughafengelände gefunden hatte, war mir das ständige Brummen der Motoren ein Wohlklang in meinen Ohren. In kürzester Zeit wurde zur bestehenden Luftbrücke eine Kinderluftbrücke eingerichtet. Zudem hatte ich das große Glück, Pflegeeltern in Bayern zu finden, und schon war ich dabei, mit einem Rosinenbomber, einer zweimotorigen Dakota, meinen ersten Flug in die Freiheit, nach Westdeutschland, in Anspruch zu nehmen. Meine Aufregung war sehr groß! Der Tag des Abflugs war gekommen, und es musste alles sehr schnell gehen, sodass auch die Verabschiedung von den Eltern kaum noch Bedeutung hatte. Unsere kleine Kindergruppe wurde von der großen Halle zum überdachten Bereich des Vorfeldes geführt. Hier standen unzählige Rosinenbomber, welche gerade entladen wurden. Hier herrschte reges Leben, dazu die vielen Militär-Lkw, welche das Ladegut über? nahmen. Wir Kinder wurden zu einer zweimotorigen Dakota geführt. Ein amerikanischer Pilot begrüßte uns herzlichst, und wir konnten über eine sehr kleine Treppe in die Maschine steigen. Diese Militärmaschine war auf das Spärlichste ausgerüstet. Der Laderaum bestand aus metallischen Wänden, Notsitze wurden aus der Seitenwand herausgeklappt, und wir saßen dann auf einer robusten Zeltbahn. Der Start in die Freiheit begann mit dem schönen Klang des zweimotorigen Rosinenbombers. Schnell hob die Dakota von der Startbahn in Tempelhof ab. Ich konnte das erste Mal Berlin von oben sehen, und meine Gefühle waren hin- und hergerissen. Auf Wiedersehen, Berlin! Horst Garschig,? Steglitz-Zehlendorf

Geheimes Ferienerlebnis

Mein Name ist Margit Schreck, und ich wurde am 4. Juli 1944 als Margit Söhlemann geboren. Ich wuchs im damaligen Ost-Berlin in Oberschöneweide auf. Im Dezember 1953 wurde mein Vater aus politischen Gründen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Aus diesen Gründen und ohne SED-Parteibuch zählten wir zu den vielen nicht angesehenen Bürgern und hatten keine Möglichkeit, zu verreisen. So luden mich die westdeutschen Verwandten zu sich ein. Auf normalem Reiseweg wäre ich dort nie gelandet. Zu dieser Zeit rief die damalige Senatorin für Jugend und Sport – Ella Kay – mit den Amerikanern die Kinder-Luftbrücke ins Leben. So hatte ich die Möglichkeit, zweimal vom Flughafen Tempelhof abzufliegen. Heimlich fuhr meine Mutter mit mir über die Sektorengrenze, und mit kleinem Gepäck fand ich mich dann auf dem Flughafen ein. Hunderte Kinder mit Namensschildern um den Hals erlebten aufgeregt die Reise mit den Transportmaschinen. Nach dem Ende der Ferien besuchte ich dann wieder meine Schule und wie immer nach den großen Ferien wurde per Aufsatz nach den tollsten Ferienerlebnissen gefragt. Ich glaube, ich hatte in der Klasse das spannendste Erlebnis, doch ich durfte ja darüber nicht berichten. So fiel mein Aufsatz sicherlich nicht so toll aus. Kürzlich nahm ich mit meiner Familie noch an einer Führung über das Flughafengelände teil, und als alte Berlinerin bin ich sehr traurig, dass dieses Objekt nun geschlossen wird. Margit Schreck, per Mail

Unvergessen ist das amerikanische Eis

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie meine Eltern mit meiner Schwester und mir immer zum „Tag der offenen Tür“ zum Flughafen Tempelhof gegangen sind. Wir sind in Tempelhof groß geworden. Besonders lecker fanden wir immer das amerikanische Eis, das in einer Pappschachtel mit Holzlöffel verkauft wurde. Dann kann ich mich auch noch daran erinnern, dass kleine Fallschirme mit Süßigkeiten von Flugzeugen abgeworfen wurden. Meine Schwester und ich haben uns immer auf diese Veranstaltung gefreut. Ich bin nun 47 Jahre jung und erinnere mich noch immer gern daran zurück. Die riesigen Maschinen auch mal betreten zu dürfen, war für uns als Kinder ein großes Erlebnis. Da wir zu diesem Zeitpunkt noch nie geflogen sind, war es für uns sehr aufregend, zumindest mal in so ein Flugzeug einsteigen zu dürfen. Ja, ja … die Zeit vergeht, und nun geht wieder ein Stück Kindheit verloren und existiert dann leider nur noch in der Erinnerung … Manuela Skrebba, per Mail

Kaffeetafel mit Weihnachtsmann

Es war kurz nach Kriegsende, vielleicht 1948/49. Unsere Familie wohnte damals in der Oranienstraße, direkt am Heinrichplatz. Meine Schwester und ich (Jahrgang 1940 und 1942) hatten nicht viel Spielzeug, aber wie andere auch immer Hunger. Da hörten wir von anderen Kindern, dass die Amerikaner im Flughafen Tempelhof einen Anlaufpunkt hatten, wo Kinder aus der Umgebung unter Betreuung in Gruppen spielen konnten. Und, was für uns sehr wichtig war, es gab dort auch eine Kaffeetafel für die Kinder mit Kakao und Kuchen. Wir gingen natürlich dorthin. Zu Fuß von der Oranienstraße über den Mehringdamm zum Flughafen. Geld für die BVG hatten wir nicht. Ich glaube, die Kindergruppen kamen einmal wöchentlich zusammen. Wir waren natürlich happy. Das Allerschönste für mich aber war die Weihnachtsfeier, die die Soldaten für uns damals ausrichteten. Nach der Kaffeetafel kam der Weihnachtsmann und verteilte aus dem Sack kleine Geschenke. Ich bekam einen wunderschönen bunten Gummiball!!! Für mich war er das Schönste überhaupt! Diesen Ball habe ich sehr, sehr lange behalten – auch noch, nachdem ich nicht mehr mit ihm spielte. Ich weiß jetzt noch genau, wie er aussah! Für mich wird der Flughafen Tempelhof für immer mit diesem bunten Ball in Erinnerung bleiben! Jutta Kuhnert, per Mail

Ein Daddelautomat für den Kanzlersohn

Es muss wohl 1971 gewesen sein – auf jeden Fall war der Heiligabend ein Freitag. Willy Brandt war Bundeskanzler, und sein mittlerer Sohn Lars gehörte zu meinem Freundeskreis. Ich kam gerade mit einem Weihnachtsbäumchen an meiner Zehlendorfer Wohnung an und wurde beim Aufschließen der Tür mit dem schrillen Geläut des Telefons begrüßt. Lars meldete sich aus Bonn und sagte „Mattchen“, sein jüngerer Bruder, der inzwischen erfolgreiche Schauspieler Matthias Brandt, wünsche sich (als originelle Sparbüchse) einen ausrangierten Geldspielautomaten, so wie ich einen hätte. Sein Vater sei einverstanden, und ich möge das Ding irgendwo besorgen und nach Tempelhof zu einer Maschine bringen, die Köln-Bonn anfliegt. Dann gab er mir noch die Telefonnummer vom Bundeskanzleramt, um gegebenenfalls direkte Absprachen bezüglich der „Verfrachtung“ des schweren Gerätes zu treffen – was sich später als weise Voraussicht erwies.

Mir schwante, dass die Erfolgsaussicht, wenige Stunden vor der landesweiten Bescherung eine solche in Form eines Geldspielautomaten aufzutreiben und dann noch rechtzeitig von Berlin nach Bonn zu schaffen, eine logistische Höchstleistung erfordert! Einem Automatenaufsteller in Schöneberg erklärte ich daher in aller Deutlichkeit, was ich „dringend für den Bundeskanzler“ brauchte. Ich kann im Nachhinein nur vermuten, was er sich dachte: Ein Irrer – bloß nicht widersprechen! Er schaltete jedenfalls sofort und sagte: „Klar, kein Problem, Sie wollen einen Daddelautomaten für den Bundeskanzler – 50 Mark! – Bitte sehr! – Und ciao!“ Ich war überrascht, dass das so fix ging und guten Mutes für den weiteren Verlauf der Aktion. Erste Vollzugsmeldung also per Durchwahl zum Bundeskanzler: „Spielautomat im Kofferraum, Fahrtziel Tempelhof“. An „Gate 7“ würde ich erwartet, erfuhr ich, und wenige Minuten später war ich vor Ort. Der amerikanische Wachmann ist allerdings nicht informiert gewesen und zeigte zu alledem, im Gegensatz zu dem Automatenverkäufer, weniger Zurückhaltung bezüglich seiner inneren Stimme. Er gab mir zu verstehen, dass ein weiterer Schritt von mir unabsehbare Folgen für mich haben könne – ich solle mich nicht rühren, bis die Militärpolizei eingetroffen sei. Auch dieser erklärte ich, dass ich verabredungsgemäß mit dem Geldspielautomaten für den deutschen Bundeskanzler hier sei und dass sich das Gerät im Kofferraum befinde. Allein das Wort „Kofferraum“ schlug buchstäblich ein, wie eine Bombe! Uniformierte sammelten sich um mich herum wie Vogelschwärme um einen Schlafbaum, und es dauerte eine lange Zeit, bis sich ein deutscher Polizist mit dem Informationsgehalt meiner Angaben ernsthaft auseinandersetzte und über den Innensenator und dessen Rücksprache mit dem Kanzleramt eindeutige Verhältnisse ergründet hatte. Und dann lief alles ganz reibungslos ab: Ein „MP“-Jeep mit Blaulicht rangierte sich vor mein Auto und bat mich, zu folgen, auf dem direkten Weg an die Gangway einer abflugbereiten Maschine nach Köln-Bonn. Zwei kräftige US-Soldaten hievten den Apparat in den Flieger, und ich kehrte zu meinem immer noch ungeschmückten Weihnachtsbäumchen zurück. Die tiefe, markante Stimme, die mich später nach Anbruch der Heiligen Nacht im Ferngespräch vom Bonner Venusberg beehrte und mir mit einem „aufrichtigen Dankeschön“ für meine gute Tat „ein gesegnetes Weihnachtsfest“ wünschte, war keineswegs der Weihnachtsmann … Hans-Peter Goldbeck, Steglitz-Zehlendorf

Der erste Flug mit der Ju 52

Meine erste Bekanntschaft mit dem Flughafen Tempelhof war im Jahr 1939, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Ich, Jahrgang 1927, war damals knapp zwölf Jahre alt. Meine große Schwester, elf Jahre älter als ich, hatte wenige Monate zuvor einen jungen Piloten der Lufthansa geheiratet und wohnte nunmehr in Köln. Mein Schwager besuchte meine Eltern und mich in Teltow und lud mich zum Besuch nach Köln ein. Die Freude und Spannung waren riesengroß, da damals noch fast keine Freundinnen oder Bekannte geflogen waren. Am Flughafen angekommen, bat mich mein Schwager, auf ihn in der Halle zu warten, da er noch was zu erledigen habe. Da ich damals eine ziemlich kesse Berliner Göre war, dachte ich überhaupt nicht daran, auf ihn zu warten und machte mich selbstständig auf die Socken zum Flieger nach Köln. Das war die „alte Tante JU 52“, wo ich mir gleich einen Platz am Fenster aussuchte. Mein Schwager, der mich in der Halle suchte, war über meine Eigenständigkeit etwas erbost, und ich bekam einen Anpfiff. Der Flug war ein großes Erlebnis. Von oben gesehen war unser Berlin wie ein Wunder, alles so klein, die Häuser, Straßen und Flüsse. Zu Beginn des Fluges wurden damals Bonbons zum Lutschen angeboten. Ich musste später dann vor meiner Schulklasse alles berichten und wurde von den Mädchen beneidet. Ich bin in meinem Leben noch oft von Tempelhof aus geflogen, aber der erste Flug wird mir immer in Erinnerung bleiben. Hildegard Arendt, Tempelhof-Schöneberg

Von Tempelhof direkt nach Schönefeld

Für den 18. Juli 1992 hatte ich für meine Tochter und mich einen Direktflug von Tempelhof nach Rönne/Bornholm gebucht. Zu Beginn unseres vermeintlichen Direktfluges begrüßte uns der Pilot jedoch sehr freundlich zu unserem (und seinem!) kürzesten innerdeutschen Direktflug von Tempelhof nach Schönefeld!!! Der Grund war eine Pistensperrung in Tempelhof, das heißt, das Flugzeug konnte nur von der kürzeren Piste ohne Gepäck/Koffer starten. Das Gepäck wurde von Tempelhof per Bus nach Schönefeld befördert. Dort wurde das Gepäck dann zugeladen, und der Flug ging dann weiter nach Bornholm. Unsere Rückreise erfolgte dann jedoch am 25. Juli im Direktflug von Rönne via Tempelhof. Monika Häsler

Wochenend-Ausflug zur Landebahn

Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre, als noch der gesamte West-Berliner Passagierflugverkehr am Flughafen Tempelhof abgewickelt wurde, gehörte es zu den Höhepunkten eines Wochenendes, wenn meine Eltern statt des üblichen Sonntagsspaziergangs mit mir einen Ausflug zum „Landebahn-Gucken“ machten. Schon wenn wir den Columbiadamm hinunterfuhren, war ich immer ganz aufgeregt. Ich wollte so viel wie möglich von den großen „Silbervögeln“ sehen. An der Oderstraße am östlichen Ende des Tempelhofer Flugfeldes, wo der St.-Thomas-Kirchhof beginnt, konnte man nämlich direkt am Zaun die startenden und landenden Flugzeuge aus nächste Nähe beobachten. Während früher vorwiegend Propellerflugzeuge im Einsatz waren, setzten die Fluggesellschaften nun immer mehr Düsenjets ein. Die sahen zwar sehr elegant aus, machten aber einen Riesenkrach, vor allem wenn die Piloten nach dem Aufsetzen auf Umkehrschub schalteten. Mit den Fingern in den Ohren blickte ich den Maschinen fasziniert hinterher. Wir waren übrigens nicht die Einzigen, die sich dieses Sonntagsvergnügen leisteten. Michael R. Lampe, Tempelhof-Schöneberg

Mit Maria Schell auf Augenhöhe

1965 habe ich zusammen mit meiner Freundin (ich war 15 Jahre alt) deren Mutter am Flughafen Tempelhof abgeholt. In der Vorhalle des Flughafens wurde gerade ein Film gedreht. Dafür war ein Teil der Abfertigungshalle vor dem Eincheck-Schalter für die Dreharbeiten abgesperrt, und es wurden Abschiedsszenen gefilmt. Darsteller: Maria Schell (ganz in Gelb gekleidet mit gelbem Hut). Meine Freundin und ich schauten natürlich zu und hatten das Glück, direkt am Absperrgitter zu stehen. Als Maria Schell während einer Drehpause an mir vorbeikam, bat ich sie um ein Autogramm. Sie war sehr freundlich, vertröstete mich, streichelte meine Wange und meinte: „Schätzchen, jetzt ist es gerade ungünstig, aber später.“ Und wirklich, sie kam nochmals auf mich zu. Als die Mutter meiner Freundin dann angekommen war und wir die Abfertigungshalle verlassen wollten, kam mir auf der Treppe Paul Hubschmid entgegen. Der hatte es jedoch sehr eilig, sodass ich ihn nicht angesprochen habe beziehungsweise nicht ansprechen konnte. Ursula Gendreizig, Mariendorf

Die Stewardess half mit einem Schleier aus

Am 12. Oktober 1964 sollte meine Hochzeitsfeier in Berlin stattfinden. Alle Gäste waren bereits eingetroffen und warteten im Café Kranzler auf die Braut. Ich wollte für die kurze Strecke vom Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel keine Begleitung und am Flughafen Berlin-Tempelhof keinen Empfang, sondern mit dem Taxi direkt ins „Kranzler“ fahren. In Tempelhof stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich mein „Brautgepäck“ – einen Schleier, Blumen und Make-up – in Hamburg vergessen hatte, als ich mich für den Flug noch einmal frisch machen wollte. Ich lief völlig aufgelöst durch die Halle und einer Stewardess in die Arme, die mich festhielt und fragte, was passiert sei. Ich erzählte ihr mein Missgeschick (die Aufregung, die Hochzeitsfeier!), und sie führte mich in einen Waschraum. „Das haben wir gleich“, sagte sie, öffnete ihr Bordcase und machte mir ein schönes neues Profi-Make-up. Dann holte sie ein in Seidenpapier gewickeltes Päckchen hervor, das mit einer goldenen Kordel gebunden war. Zum Vorschein kam ein wunderschöner kurzer Brautschleier mit allem, was dazugehört. „Ich habe immer gehofft, dass mein Kollege (ein Pilot) mir einen romantischen Antrag über den Wolken macht“, sagte sie wehmütig, „und jetzt hoffe ich, dass Sie mehr Glück haben als ich!“ Wir haben unser Glück und unser Leid geteilt. Ich war nach sieben Jahren geschieden und meine neue Freundin nach sieben Jahren noch immer glücklich (mit ihrem Piloten) verheiratet. Ilona Hengst, Tempelhof