Luftbrücken-Gedenken

Senat wehrt sich gegen Eindruck von "Bettelbrief"

Der 60. Jahrestag des Endes der Berliner Luftbrücke soll im Mai in Berlin groß gefeiert werden. In einem Brief an Berliner Unternehmen bat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) deshalb um "Mitwirkung und Hilfe". Nun stellt der Senat klar: Vom Wohlwollen der Wirtschaft sei Berlin in diesem Fall nicht abhängig.

Der Senat ist dem Eindruck entgegengetreten, für eine würdige Feier zum 60. Jahrestag des Endes der Berliner Luftbrücke am 12. Mai vom Wohlwollen von Sponsoren aus der Wirtschaft abhängig zu sein. Der von der CDU als „Bettelbrief“ kritisierte Versuch der Senatskanzlei und ihrer Agentur, Geld für die Veranstaltung einzuwerben, solle nur dazu dienen, den Besuchern ein „noch anspruchsvolleres Unterhaltungsprogramm“ bieten zu können, sagte am Dienstag der amtierende Senatssprecher Günter Kolodziej.

Das Sponsorengeld sei allein für den Tag der offenen Tür auf dem seit sechs Monaten geschlossenen Flughafen Tempelhof gedacht. Den Berlinern und ihren Gästen solle dort auf „unterhaltsame und informative Weise das Thema Luftbrücke nahegebracht werden.

Völlig unberührt vom Tag der offenen Tür werde es neben der jedes Jahr stattfindenden Kranzniederlegung am Luftbrückenmahnmal vor dem Gebäude eine zentrale Festveranstaltung für 2000 geladene Gäste in der Haupthalle geben. Wer genau bei dieser Feierstunde spricht, sei aber noch unklar, sagte Kolodziej. Eingeladen würden neben Vertretern aus der Berliner Politik und Gesellschaft sowohl Veteranen der Luftbrücke, als auch Zeitzeugen und die Botschafter der alliierten Staaten. Nicht mit dabei würden die Russen sein. Von den Veteranenverbänden, die sich in der Debatte um die Zukunft des Flughafens vehement für die Offenhaltung Tempelhofs stark gemacht hatten, hätten einige ihre Teilnahme zugesagt, sagte der Senatssprecher. Für viele der betagten Herren sei es sicherlich eine der letzten Gelegenheiten, den Haupt-Schauplatz der Luftbrücke zu besuchen.

Zwischen 23. Juni 1948 und dem 12. Mai 1949 hatten Flieger der West-Allierten die West-Sektoren Berlins auf dem Luftweg versorgt, als die Sowjetunion die Landwege in die Halbstadt blockiert hatten.

Enger Zeitplan bis zum 12. Mai

Trotz der historischen Bedeutung für den Kalten Krieg und die spätere Westbindung der Bundesrepublik sei das Gedenken an den 60. Jahrestag des Nachgebens des sowjetischen Diktators Josef Stalin nie als „internationale Veranstaltung“ geplant gewesen, so der Senatssprecher. Auch die Bundesregierung nehme nicht aktiv an der Planung teil.

Seit es im vergangenen Jahr eine Diskussion um den geeigneten Zeitpunkt des Gedenkens an die Luftbrücke gab, hat der Senat sich festgelegt, nicht den Beginn, sondern das glückliche Ende der Blockade zu feiern. Den engen Zeitplan bis zum 12. Mai erklärt die Senatskanzlei mit der späten Bewilligung von 400.000 Euro durch die Lotto-Stiftung, die den Grundstock des Budgets für den Tag der offenen Tür bilden. Erst nachdem das Geld freigegeben war, habe der Senat eine Agentur mit der Organisation beauftragen können.

Vorgesehen sind nun neben Führungen durch das Gebäude des ehemaligen Airports Tempelhof sowie Musik- und Sportdarbietungen auch eine Ausstellung zur Geschichte der Luftbrücke, die „Herz und Verstand“ ansprechen solle, hieß es aus dem Roten Rathaus. Details sollen aber erst in einigen Tagen vorgestellt werden.

Dass die kurze Vorlaufzeit die Berliner vom Besuch des Flughafens abhalten könnte, glaubt der Senatssprecher nicht: „Beim Thema Tempelhof müssen wir uns um den Zulauf keine Sorgen machen.“ Ein Tag der offenen Tür auf dem früheren Zentralflughafen werde an den Bürgern nicht unbemerkt vorübergehen.