Veteranen-Empfang

"Die Luftbrücke war ein Meisterwerk!"

Unzähligen Menschen haben sie das Überleben gesichert - die Piloten der Berliner Luftbrücke. Bereits im Juni 2008 kamen die Veteranen in die Stadt zurück, die sie einst im Drei-Minuten-Takt angeflogen hatten. Im Roten Rathaus würdigte Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit die Leistung der mutigen Männer.

Bill Morrissey sticht aus der Menge der Luftbrücken-Veteranen heraus: Die meisten schreiten in dunklen Anzügen die Treppe des Roten Rathauses empor, Bill Morrissey trägt einen weinroten Overall. Gleich wird sich der 79-Jährige aus Indianapolis (Indiana), der die „Berlin Airlift Historical Foundation“ mitgegründet hat, im Wappensaal in das Gästebuch der Stadt eintragen. Dafür hat er sich den Overall angezogen, der ihn als ehemaliges Crew-Mitglied auszeichnet. Der kleine Mann mit dem vollen weißen Haar saß für kurze Zeit im Kontroll-Tower auf dem Flughafen Tempelhof.

Zu Ehren des 60. Jahrestages des Beginns der Luftbrücke hatte Berlins Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gestern Nachmittag etwa 25 Luftbrücken-Veteranen aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich in das Rote Rathaus eingeladen. Mit dabei waren auch die ehemaligen „Rosinenbomberpiloten“ Gail Halvorsen (USA), Roger Degen (Frankreich) und G.C. Lamb (Großbritannien).

In seiner Rede dankte Wowereit noch einmal allen, die „Berlin treu zur Seite gestanden haben und ihr Leben für die Freiheit eingesetzt haben“. Es sei eine logistische Meisterleistung und ein Meisterwerk der Solidarität gewesen. Die „Rosinenbomber“ hätten den Berlinern das Überleben gesichert. Das Gedenken an die Luftbrücke sei ein guter Anlass, um jüngeren Generationen näher zu bringen, was es heißt, vom Krieg und vom Hunger bedroht zu sein, sagte Wowereit. Nach seiner Rede bat er die Veteranen nach vorn, um sich ins Gästebuch der Stadt Berlin einzutragen.

In der Schlange, die die betagten Herren vor dem Gästebuch bildeten, stand dann auch Bill Morrissey. Geduldig wartete er, bis im Klaus Wowereit die Hand schüttelte und ihm die in Gold gerahmte Radierung vom Platz der Luftbrücke gab. Fraglich bleibt, ob er ihm gesagt hat, was er über die Schließung von Tempelhof denkt.

Die Frage danach hatte ihm noch kurz zuvor die gute Laune aus dem Gesicht vertrieben. „Furchtbar, eine Schande“, das waren seine Bemerkungen zur Schließung des historischen Flughafens. Und verbittert fügt er hinzu: „Das hätte nicht passieren dürfen.“ Doch seiner Sympathie für die Stadt tut das keinen Abbruch. „Ich mag die Stadt nicht nur, ich liebe sie“, sagt er überschwänglich. Es sind vor allen die Menschen und die Herzlichkeit, die ihn immer wieder faszinieren.

Bereits am Vormittag wurde bei einer vom Alliiertenmuseum organisierten Veranstaltung am Flughafen Tempelhof an die Bedeutung der Hilfe für die West-Berliner Bevölkerung während der Blockade der Stadt erinnert. Klaus Wowereit hatte an der Feier nicht teilgenommen. Für die während der Luftbrücke ums Leben gekommenen Menschen wurden am Luftbrückendenkmal Kränze niedergelegt. Museumsdirektor Helmut Trotnow nannte die Luftbrücke einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Deutschen und westlichen Alliierten.

Den Veteranen gab Trotnow das Versprechen, „die gewaltigen Leistungen, die ihr in der Luftbrücke erbracht habt, niemals zu vergessen“. US-General Roger A. Brady, der Befehlshaber der US Air Force in Europa, sprach von der größten humanitären Luftbrücke in der Geschichte. Brady erinnerte auch an die weniger bekannte Operation „Kinderlift“, durch die rund 12.000 Berliner Kinder die Sommerferien bei amerikanischen und deutschen Familien sowie in Jugendcamps in den Westzonen verbrachten.

Die Luftbrücke war am 26. Juni 1948 eingerichtet worden. Zwei Tage zuvor hatte die Sowjetunion eine vollständige Blockade über die von den Amerikanern, Briten und Franzosen besetzten Westsektoren Berlins verhängt. Am 12. Mai 1949 wurde die Blockade durch die sowjetischen Verantwortlichen wieder aufgehoben.