Bildung

Lehrermangel gefährdet Umsetzung der Schulreform

Berliner Pädagogen und Eltern bezweifeln, dass 20 neue Stellen ausreichen, um den Lehrermangel in der Stadt zu beheben. Im Rahmen der ab 2010 in Kraft tretenden Schulreform hatte Bildungssenator Jürgen Zöllner angekündigt, diese Lehrkräfte gezielt an Brennpunkt-Schulen einzusetzen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW und die Elternvertretung haben drohenden Lehrermangel im Schuljahr 2009/10 und in der geplanten neuen Sekundarschule scharf kritisiert. Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, André Schindler, sagte, die von Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) in Gang gesetzte Strukturreform „verkommt zum Sparmodell“.

Deutlichen Widerspruch erntete Zöllner auch von der Vorsitzenden der Bildungsgewerkschaft GEW, Rose-Marie Seggelke. Im Vergleich zum jetzigen Schuljahr habe sich an der weiteren Planung kaum etwas geändert, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten GEW-Erklärung.

In der „Berliner Zeitung“ hatte der Schulsenator erklärt, es würden für die Schulreform nur 20 zusätzliche Lehrerstellen benötigt. Die Pädagogen sollen gezielt an Schulen in sozialen Brennpunkten eingesetzt werden. Weitere zusätzliche Lehrkräfte wird es nicht geben: „Die Personalausstattung der künftigen Sekundarschulen ist grundsätzlich mit der Lehrkräfteausstattung der bisherigen Haupt-, Real- und Gesamtschulen realisierbar“, heißt es in einer Senatsvorlage.

Die Kosten der Schulreform werden auf 23 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich beziffert. Damit werden neben den 20 neuen Lehrerstellen vor allem Erzieher- und Sozialarbeiter-Stellen für den Ganztagsbetrieb finanziert. In einem 7,5 Millionen teuren Qualifizierungsprogramm sollen die Berliner Lehrer fortgebildet werden.

Die GEW-Vorsitzende Seggelke wies darauf hin, dass im nächsten Schuljahr die große Schulstrukturreform auf den Weg gebracht werden solle. „Nichts davon hat Eingang in die Zumessungsrichtlinien gefunden“, kritisierte sie Bildungssenator Zöllner.

Die Schulreform soll laut Senatsvorlage zügiger umgesetzt werden als bisher bekannt. Von 2010/11 an werden die Haupt- und Realschulen aufgelöst und in einer neuen Sekundarschule zusammengeführt.

Seggelke vermisst vor allem auch jeden Hinweis auf die personelle Vorbereitung der neuen Sekundarschulen von 2010/11 an. Die Berliner Lehrkräfte sollten offensichtlich alle zusätzlichen Anforderungen wie die Vorbereitungen auf die Integration von Haupt- und Realschulen mit den jetzt schon zu knapp bemessenen Ressourcen bewältigen, meinte Seggelke.

Der Landeselternausschuss befürchtet unter den jetzt bekannt gewordenen Bedingungen sogar eine Verschlechterung der ohnehin schwierigen Lage der Hauptschüler. Die Zahl der Lehrer dürfe sich in der Relation zur Schülerzahl nicht verringern. Die Folge wären noch schlechtere Chancen besonders für Hauptschüler.

Es sei mehr als fraglich, ob mit dieser Politik eine Reduzierung der Zahl an Schulabgängern ohne Abschluss erreichbar sei. Für das Elterngremium sagte Schindler, wenn die nötigen Finanzmittel für eine umfassende und sinnvolle Strukturreform nicht bereit stehen, sollte „rechtzeitig die Notbremse gezogen werden“. dpa/ddp/mim