Anbaden bei 13 Grad

Mehr als 1000 Besucher im Strandbad Wannsee

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Sabine Flatau

Foto: Sergej Glanze

Im Strandbad Wansee haben Besucher den ersten langen Sonnentag mit frühsommerlichen Lufttemperaturen genossen. Bei 13 Grad Wassertemperatur war das Anbaden allerdings nur etwas für die Mutigsten. Die anderen machten es sich in Strandkörben und auf Decken gemütlich. Und der Bademeister bekam Applaus.

Kein Wölkchen am Himmel. Ein Windhauch in der milden Luft. Das Wasserthermometer im Strandbad Wannsee zeigt 13 Grad. Fast alle 130 Strandkörbe sind Richtung Sonne gerückt. Wer keinen erwischt hat, liegt auf einer Decke oder buddelt im Sand. Die Kassiererin am Eingang hat um 15 Uhr bereits 1025 Karten verkauft. Gegen 16.30 Uhr sind es 1156. Die meisten Gäste liegen und sitzen am Strand, doch kein lauter Schrei, kein Gelächter, kein Streit, keine Musik ertönen. Man hört die Wellen an den Strand schlagen, so ruhig ist es. Strandbad-Chef Axel Ott lässt den Blick von der Sonnenterrasse aus über das Bad schweifen. Ihn verwundert die Stille nicht. „Die Leute genießen den ersten langen Sonnentag bei milden Temperaturen“, sagt er. Im Hochsommer sei nach 15 Uhr erheblich mehr los. „Da ist von Ruhe keine Rede mehr.“

Mutiges Anbaden

Es ist etwa 15.30 Uhr, als Isabel Jung und Alexandra Peters die Treppen zum Strand herunter kommen. Für die jungen Frauen ist es die Premiere im Strandbad, obwohl beide schon einige Jahre in Berlin leben. Kurze Zeit später sind sie umgezogen und gehen ins Wasser. Sie gehören zu den wenigen, die bis zu den Bojen hinaus schwimmen. „Ich war schon in Husum anbaden“, erzählt Alexandra. „Da war es kälter.“ Den meisten Besuchern im Strandbad ist der Wannsee immer noch zu kalt. Knapp 30 Mutige wagen sich ins kühle Nass, die meisten nur bis zu den Knien. Ein Vater und seine Tochter werfen sich nahe am Ufer einen großen Ball zu. Ein Schlauchboot schaukelt auf den Wellen. Ein Junge reitet auf einem Plastikdelfin.

Das Strandbad Wannsee hat bis Ende April von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Doch an diesem Nachmittag, wegen des schönen Wetters und der sonnenhungrigen Gäste, entscheidet Strandbad-Chef Axel Ott, dass erst um 19 Uhr geschlossen wird. Als die Ansage durch den Lautsprecher kommt, brandet Beifall auf. „Wir versuchen, flexibel zu reagieren“, erklärt Ott. An langen Sommerabenden sei schon mal bis nach 21 Uhr geöffnet, „wenn wir die karibischen Sonnenuntergänge haben“. Zwar geht die Sonne hinter Schwanenwerder unter, aber die Illusion von Urlaub will er den Großstadt-Besuchern nicht nehmen.

Oliver und Maria Heine aus Steglitz-Zehlendorf wollen jedoch nicht bis zum Schluss bleiben. Der kleinen Sara wegen, der schon am späten Nachmittag die Augen zu fallen. Sie kuschelt sich zwischen die beiden Erwachsenen, die lesen, sich unterhalten und den Blick in die Weite genießen, zu den weißen Segeln auf dem See. „Wir waren gestern schon hier“, erzählt Maria Heine. „Es ist schön zum Ausruhen.“ Dass mehr als 1000 Besucher im Bad sein sollen, erstaunt sie. Doch es müssen mehr als gestern sein. Denn am Vortag hat die junge Familie ihr Auto noch auf dem Parkplatz vor dem Eingang abstellen können. Dort war jetzt schon alles voll.

Bis zu 35 Kubikmeter Müll in der Hochsaison

An heißen Sommersonntagen werden es mehr als 10.000 sein, die am Strand liegen. Axel Ott kennt die Gewohnheiten der Berliner, denn er betreut das Strandbad schon seit Jahrzehnten. „Der Rekord 2009 waren fast 15.000 Besucher“, erzählt er. Nach solchen Tagen hat das Team im Strandbad alle Hände voll zu tun, um den Strand bis zum kommenden Morgen wieder sauber zu kriegen. Bis zu 35 Kubikmeter Müll sammeln die Mitarbeiter ein. „Wir haben einen eigenen Presscontainer“, erzählt Axel Ott. Auch die Sandreinigungsmaschine kommt zum Einsatz.

Doch Tausende Zigarettenkippen müssen noch mit Hand eingesammelt werden. Dann sind die Strandkörbe wieder in Reih und Glied aufzustellen. Auch wenn sie von den Badegästen gleich wieder Richtung Sonne gerückt werden, sobald das Bad öffnet. Doch zu den ersten Besuchern gehören auch einige, die mit Wasser gar nichts im Sinn haben. „Um zehn Uhr kommen die ersten Schachspieler, um sich ein Feld mit den Großfiguren zu sichern.“