Stadtentwicklung

Die Berliner Innenstadt wird zur Großbaustelle

Der erste Bagger hat symbolisch mit der Arbeit für die Verlängerung der Kanzlerbahn begonnen. Jener U-Bahn-Linie also, die ab 2017 den Alexanderplatz mit dem Pariser Platz verbinden soll. Damit ist schon klar, was den Berlinern bevorsteht. Mindestens sieben Jahre Großbaustelle mitten in der City. Denn ein weiteres Projekt steht vor dem Beginn.

Berlins historische Innenstadt wird für die kommenden sieben Jahre zur Großbaustelle. Während oberirdisch ab Anfang 2011 auf dem Schloßplatz das Humboldt-Forum errichtet werden soll, wird gleichzeitig unterirdisch ein neues Stück Untergrundbahn gebaut.

Das erste dieser beiden Projekte, der Weiterbau der „Kanzler-U-Bahn“, ist am Dienstag von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit einem Baggerrammstoß vor dem Roten Rathaus symbolisch gestartet worden. Die 2,2 Kilometer lange Erweiterung der Linie U 5 soll ab Mitte 2017 die Lücke im U-Bahn-Netz zwischen Alexanderplatz und Pariser Platz schließen.

Mit kalkulierten Kosten von 433 Millionen Euro ist das Vorhaben das zweitgrößte Verkehrsinfrastrukturprojekt in der Region nach dem Bau des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International. Wegen des schwierigen Baugrunds, der notwendigen Unterquerung von Spree und Spreekanal sowie der Nähe zu vielen bedeutenden Berliner Sehenswürdigkeiten gilt der U-5-Weiterbau zugleich als gewaltige technologische und logistische Herausforderung. Allein 235.000 Kubikmeter Abraum müssen für die zwei Tunnelröhren und drei neuen Stationen abtransportiert werden.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die im Auftrag des Senats das Millionenprojekt realisieren, versprechen dennoch, sowohl den Kostenrahmen als auch den Zeitplan einzuhalten. Auch werde alles getan, um Zwischenfälle wie in Köln zu verhindern, sagte BVG-Chef Andreas Sturmowski. In Köln war am 3. März 2009 offenbar infolge von Schlampereien beim U-Bahn-Bau das Stadtarchiv eingestürzt. Dabei hatte es zwei Tote gegeben, wertvolle historische Kulturgüter gingen verloren. Bauexperten verwiesen nach dem Einsturz darauf, dass der Baugrund in Berlin ähnlich schwierig sei wie der Kölner: Der hohe Grundwasserstand und schwammige Sandböden könnten Probleme bereiten.

Gleich drei große Baugruben werden in der östlichen Berliner City durch den U-5-Weiterbau entstehen: So wird ab April 2011 direkt vor dem Roten Rathaus der Bahnhof Berliner Rathaus gebaut, ab Juni 2011 entsteht zwischen Schloßplatz und dem Deutschen Historischen Museum die neue Station Museumsinsel.

Für die größten Beeinträchtigungen des Innenstadtverkehrs dürfte aber der gleichfalls ab Juni 2011 geplante Bau der neuen U-Bahn-Station Unter den Linden sorgen. Für den Bahnhof, in dem einmal zwischen den Linien U 5 und U 6 umgestiegen werden kann, wird direkt unter der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße eine riesige, bis zu 25 Meter tiefe Grube ausgehoben. Für die Bauarbeiten muss voraussichtlich ab April 2012 für ein Jahr die U-Bahn-Linie U 6 zwischen Friedrichstraße und Stadtmitte unterbrochen werden. Die Friedrichstraße wird ebenfalls für ein Jahr komplett für Autos gesperrt. Auf dem Boulevard Unter den Linden können Pkw dann nur über die nördliche Seite fahren. Während der Bauzeit sollen aber zwei Spuren pro Richtung zur Verfügung stehen.

Spätestens aber Anfang 2011 soll auch das zweite große Innenstadtbauprojekt beginnen. Nach den Plänen des italienischen Architekten Franco Stella soll auf dem Schloßplatz für 522 Millionen Euro das Humboldt-Forum entstehen. Es wird den Grundriss des gesprengten Berliner Stadtschlosses erhalten. Ob die geplanten barocken Fassaden gleich oder erst nach Eingang ausreichend hoher Spenden gebaut werden, darüber ist ein Streit zwischen Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) und Berlins Regierendem Bürgermeister Wowereit (SPD) entbrannt.