Kriminalität

Falsche Polizisten stehlen in Berlin wieder Auto

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Michael Behrendt

Innerhalb von nur 24 Stunden haben in Berlin bislang Unbekannte, die sich als Polizisten ausgaben, zwei Autos gestohlen. Sie hielten in Tiergarten und Wilmersdorf die Fahrer unter einem Vorwand an, ließen sie aussteigen und flüchteten dann mit den Fahrzeugen.

Die Polizei fahndet stadtweit nach „falschen Kollegen“: Bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen haben sich Unbekannte als Zivilbeamte ausgegeben und die Autos ihrer Opfer gestohlen. Die Beamten prüfen einen möglichen Zusammenhang der Fälle, Raubkommissariate des Landeskriminalamtes ermitteln. Von einem der Gesuchten liegt jetzt eine vage Beschreibung vor.

Der erste Fall hatte sich am Sonntag gegen 23.45 Uhr auf der Gabriele-Tergit-Promenade in Tiergarten ereignet. Zwei angebliche Ordnungshüter saßen in einem silberfarbenen Peugeot und stoppten mit der „Polizeikelle“ einen 40 Jahre alten Berlin-Touristen in seinem Leihwagen der Marke Audi A5. Der Beifahrer im Peugeot forderte das spätere Opfer auf, sich zu dem Polizeiwagen zu begeben, um sich überprüfen zu lassen. Als der 40-Jährige ausstieg, sprang der Beifahrer in dessen Audi und raste dem ebenfalls flüchtenden Peugeot hinterher.

Seit Montagabend muss das Landeskriminalamt einen weiteren Fall bearbeiten: Unter dem Vorwand einer Verkehrskontrolle stoppten zwei Unbekannte einen 36-jährigen Autofahrer in der Nähe seiner Wohnung an der Düsseldorfer Straße in Wilmersdorf. Auch hier fragte der Beifahrer nach Personalausweis und Fahrzeugpapieren des Mannes. Er stieg aus seinem Mercedes 320 CDi und während der „Kontrolle“ fuhr der Unbekannte mit dem Wagen plötzlich davon. Einer der Täter wird wie folgt beschrieben: Er ist etwa 25 Jahre alt und hat eine sportliche Figur. Laut Zeugenaussage trug er eine graue Wollmütze mit Krempe sowie einen grauen oder blauen Parka mit entsprechender Hose. Seine Haut soll einen hellen Teint haben. Hinweise zu ihm nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

In diesem Zusammenhang weist die Polizei darauf hin, dass sich gerade Beamte in Zivil bei einer Kontrolle mit einer Kriminaldienstmarke oder einem Dienstausweis legitimieren müssen. „Wenn einem Zweifel an der Echtheit der Polizisten kommen und diese sich nicht von allein ausweisen, kann man verlangen, die entsprechenden Dokumente sehen zu wollen“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Sollte man dennoch keines dieser Papiere zu Gesicht bekommen, sollte man über 110 die Polizei alarmieren. Zudem gibt es keinen Grund, den Fahrzeugschlüssel im Zündschloss stecken zu lassen.“

Bei gewaltbereiten Tätern, die sich körperlich des Autos bemächtigen wollen, sollte man nicht den falschen Helden spielen. „Ein Auto kann man wiederbeschaffen, die Gesundheit im schlimmsten Fall allerdings nicht“, sagt Neuendorf.

In Polizeikreisen werden die Entwicklungen heftig diskutiert. „Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass jetzt künftig Autofahrer gar nicht mehr stoppen, wenn sie nicht uniformierte Personen mit einer Polizeikelle sehen, sondern aus Angst um ihren Wagen auf uns zufahren oder sich eine Verfolgungsjagd liefern“, sagt ein Zivilbeamter. „Wir müssen dadurch noch vorsichtiger als ohnehin schon sein, wenn wir Fahrzeuge anhalten wollen, um sie zu kontrollieren. Hoffentlich werden die Täter bald gestellt, und es kann Entwarnung gegeben werden.“