Postmoderne

Debatte um die Zukunft der IBA-Bauten geht weiter

Als die Internationale Bauausstellung im Jahr 1987 in Berlin stattfand, sollten Perspektiven für neues Bauen in der geteilten Stadt aufgezeigt werden. Doch heute sorgen sich viele Architekten um die Zukunft der Bauwerke. Viele setzen sich dafür ein, die Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.

Foto: Sergej Glanze

Es begann mit internationalen Protesten gegen Veränderungen am sogenannten Kreuzberg-Turm des renommierten Architekten John Hejduk. Jetzt wird auch für andere Projekte der Internationalen Bauausstellung (IBA) im Jahr 1987 der Ruf nach einem Schutz immer lauter.

Ob Daniel Libeskind, Hans Kollhoff, Hilde Léon oder Paul Kahlfeldt – immer mehr Architekten plädieren dafür, zumindest die herausragenden Projekte der damals gefeierten IBA zu sichern. Nicht einmal 30 Jahre alt, sind die Bauten. Das Time Magazin beschrieb sie im Juni 1987 als „im weltarchitektonischen Maßstab ambitionierteste Darstellung dieser Generation“.

Nun scheint auch in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Interesse am Erbe der IBA erwacht – wenn auch eher zwangsläufig. Dabei laufen erste Vorbereitungen zur Planung der für 2020 avisierten und umstrittenen IBA Berlin auf dem Tempelhofer Feld. Der Startschuss für die neue IBA soll laut Planungsvorlage noch in diesem Jahr fallen.

Baukollegium einberufen

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat nach Informationen von Morgenpost Online in Folge des internationalen Protestes gegen Veränderungen am Wohnturm des US-Architekten John Hejduk (wir berichteten) für Mitte April ihr Baukollegium einberufen, um hier zu vermitteln. Das Fachgremium wurde von Lüscher vor zwei Jahren unter anderem „zur Sicherung der Qualität der Baukultur, des Städtebaus und der Architektur“ initiiert.

Ob die Experten neben der Hejduk-Thematik auch grundsätzliche Fragen des IBA-Erbes debattieren, war nicht zu erfahren. Die Senatsbaudirektorin wolle sich im Vorfeld dazu nicht äußern, ließ sie durch ihren Sprecher verlauten. Auch eine grundsätzliche Stellungnahme zur Bedeutung der Bauten der Postmoderne war nicht zu bekommen.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hält sich mit Aussagen zum IBA-Erbe ebenfalls bedeckt und sieht die Verantwortung bei den Eigentümern der Bauten. „An Denkmalschutz ist nicht gedacht, das steht bei uns im Senat nicht auf der Tagesordnung. “ Wer solch wertvolles IBA-Eigentum besitzt, tut gut daran, es zu schützen“, sagte die Senatorin der Berliner Morgenpost. Dass die IBA-Bauten damals im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus jedoch auch mit reichlich öffentlichem Geld realisiert wurden, scheint kein Thema zu sein.

„Die IBA-Bauten müssen generell in den Fokus“, betont hingegen Bernd Blaufelder. Der Geschäftsführer des Bundes Deutscher Architekten (BDA) hat jedoch auf die Frage, wie die in die Jahre gekommene Architektur vor Veränderungen oder Abriss geschützt werden können, auch keine Antwort. „Da stoßen Sie in einen wunden Punkt“, gesteht Blaufelder. Und ist nicht allein. Zwar sind sich viele Experten einig, dass Handeln angesagt ist, aktiv wird bislang keiner. Dabei drängt die Zeit.

Mieter protestieren gegen Abriss

Trotz vehementen Protests der Mieter der Wohnanlage des Architekten Oswald Matthias Ungers wurden die ersten Bauten des damals mit mehr als 20 Millionen Mark geförderten IBA-Projektes am Lützowplatz bereits abgerissen.

Die Frage des Schutzes für IBA-Bauten sei Ländersache, sagt Vera Moosmayer. Die Sprecherin des Bundesbauministeriums kann sich eine „Art Denkmalschutz Light“ vorstellen, in dem man Ensembles unter Denkmalschutz stelle. „Doch auch diese Unterschutzstellung ist grundsätzlich Ländersache.“

Für schnelles Handeln in Berlin plädiert denn auch die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen, Franziska Eichstädt-Bohlig. „Wir müssen die Bauten schützen. Diese IBA hat Gestaltungsfragen mit sozialen Ansprüchen zusammengeführt“, sagt die Stadtplanerin. Als „Patin der Hausbesetzer“ und spätere Geschäftsführerin der Stattbau GmbH war die Politikerin damals besonders in der behutsamen Stadterneuerung aktiv.

Architekten plädieren für mehr Wertschätzung

Auch der Berliner Architekt Hans Kollhoff plädiert für eine verstärkte Wertschätzung der IBA 84/87. „Die IBA war eine ganz einzigartige Veranstaltung, die einen weit größeren Einfluss auf das Architekturgeschehen hatte, als das gemeinhin angenommen wird,“ sagt Kollhoff Morgenpost Online. Man dürfe nicht vergessen, dass damals in Berlin heute bedeutende Architekten wie Peter Eisenman, Daniel Libeskind oder auch Zaha Hadid ihre ersten internationalen Projekte realisierten, betont Kollhoff.

Ein genereller Schutz für alle IBA-Bauten sei seiner Ansicht nach nicht sinnvoll, wohl aber ein Schutz für die „prägenden Projekte“. Da müsse etwas passieren. Das sieht auch Paul Kalhlfeldt so. „Nicht jeder IBA-Bau ist von hoher Qualität, deshalb muss man das im Einzelfall genau betrachten und die Ikonen endlich schützen“, sagt der Architekt und Vorsitzende des Deutschen Werkbunds Berlin.

Verantwortung für die Bauten übernehmen

„Das Problem ist, dass wir letzten Endes keine Rechtsgrundlage haben, Veränderungen oder Eingriffe zu verhindern“, sagt Matthias Peckskamp. Für den Leiter des Stadtplanungsamt im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg steht fest: „Man muss gegenüber den IBA-Bauten endlich eine Haltung entwickeln. Städtebaulich repräsentieren die IBA-Bauten eine wichtige Zeit, das müssen wir auch nachkommenden Generationen vermitteln können.“

Auch Renata Hejduk, US-Architekturhistorikerin und Tochter des verstorbenen Architekten John Hejduk appelliert an den Senat: „Die Stadt muss sich entscheiden, ob sie die Verantwortung für das soziale Programm und herausragende architektonische Projekte der IBA übernehmen will. Wenn der Senat jetzt keine klaren Entscheidungen für die Zukunft trifft, droht ein unwiederbringlicher Verlust.“