Großbauprojekt

Berlin baut Kanzler-U-Bahn noch im April weiter

Im letzten Sommer ist Berlins kürzeste U-Bahn-Linie in Betrieb gegangen: die U55 zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor. Nun soll die so genannte Kanzlerlinie bis zum Alexanderplatz weitergebaut werden. Am 13. April ist Spatenstich für den teuren U-Bahntunnel - mit einem Rekord-Kilometerpreis von fast 200 Millionen Euro.

Foto: Massimo Rodari

Berlin baut seine „Kanzler-U-Bahn“ weiter. Am 13. April wird der erste Spatenstich für das neue Großbauprojekt gesetzt, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Dann wird sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf einen Bagger setzen, um den symbolischen ersten Spatenstich für das umstrittene Bauprojekt auszuführen. Für Wowereit wird der Weg dahin kurz sein, denn die Baugrube liegt direkt vor seinem Amtssitz. Der eigentliche U-Bahn-Bau beginnt frühestens im Herbst.

Mit der Station „Berliner Rathaus“ soll dort einer von insgesamt drei geplanten neuen U-Bahnhöfen entstehen. Auch unter dem Schloßplatz (geplanter Stationsname „Museumsinsel“) und unter der Kreuzung Unter den Linden und Friedrichstraße (Station „Unter den Linden“) sollen einmal Züge der U5 halten.

Die neue U-Bahn-Linie soll im Jahr 2017 den Alexanderplatz mit dem Bahnhof Brandenburger Tor verbinden. Sie hält dann auch unter der Museumsinsel. Die 2,2 Kilometer lange Tunnelröhre, die in 18 Metern Tiefe unter dem Boulevard Unter den Linden entlangführt, soll mit drei neuen Bahnhöfen rund 433 Millionen Euro kosten. Den Löwenanteil zahlt der Bund.

Bislang endet die wichtige Ost-West-Linie am Alexanderplatz. Mit Neubaustrecke bis zum Pariser Platz soll zugleich die Lücke zu der im Vorjahr eröffneten Linie U55 („Kanzler-U-Bahn“) geschlossen werden. Die nur 1,8 Kilometer lange, aber 320 Millionen Euro teure Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor kann derzeit nur im Inselbetrieb genutzt werden und gilt damit trotz relativ guter Fahrgastzahlen als wirtschaftlich völlig ineffektiv. Das soll sich mit dem bis 2017 geplanten Lückenschluss ändern.

Von Anfang an war geplant, die Linie zum Alexanderplatz zu verlängern. Dort beginnt die U5, die über Friedrichshain und Lichtenberg weit in den Berliner Osten führt. Wird das fehlende Teilstück zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor ergänzt, führt die U5 bis zum Hauptbahnhof.

Marx und Engels müssen umziehen

Umstritten war das gesamte U-Bahn-Projekt, das in der Nachwende- Euphorie entstand, unter Verkehrsexperten von Anfang an. Denn zwischen Alexanderplatz und Hauptbahnhof gibt es bereits die S-Bahn, Unter den Linden fahren zahlreiche Busse. Auch die hohen Kosten für den U-Bahn-Bau wurden kritisiert.

Die Sorge war nicht unbegründet: Zwischendurch stoppte der Senat den Bau des ersten Teilstücks der „Kanzler-U-Bahn“ aus Geldnot. Es war der Bund, der das Land Berlin vor die Alternative stellte: Subventionen zurückzahlen oder weiterbauen. Berlin buddelte weiter, am Ende kostete die Mini-Linie U55 satte 320 Millionen Euro. Die bisher kalkulierten 433 Millionen Euro für die Verlängerung kommen nun noch oben drauf.

Gebaut wird die neue U-Bahn-Strecke zu großen Teilen unterirdisch. Dafür wird am Marx-Engels-Forum, das nahe am Berliner Dom liegt, eine riesige Schildvortriebsmaschine in eine 20 Meter tiefe Baugrube gehievt. Das große Denkmal für Marx und Engels steht im Weg und muss ab Mai für die Bauzeit an den Rand des Spreeufers umziehen. Von 2011 an gräbt die Maschine dann wie ein Maulwurf die Tunnelröhre von Ost nach West. Da ab 2011 auch das Stadtschloss (Humboldt-Forum) wieder aufgebaut werden soll, wird Berlins historische Mitte in den nächsten Jahren zu einer riesigen Baustelle.

Autofahrer müssen sich auf Sperrungen einrichten

Für die U-Bahn entstehen zuerst am Berliner Rathaus, später auch an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße überirdisch Baustellen. Autofahrer müssen sich 2012 auf Sperrungen und Fahrbahnverengungen einstellen. Die U-Bahn-Linie 6 wird 2012 wahrscheinlich acht Monate lang zwischen den Stationen Friedrichstraße und Stadtmitte unterbrochen.

Die BVG-Pressestelle wollte am Dienstag keine Details zum Bau nennen. Möglicherweise könnte der Bahnhof Berliner Rathaus schon Ende 2015 ans U-Bahn-Netz gehen - zwei Jahre früher als der Rest der Strecke.

Bis die Bagger kommen, gehört das Feld aber noch den Archäologen. Vor dem Berliner Rathaus graben sie ab Mitte April, um Relikte aus Berlins mittelalterlicher Geschichte vor den Baggern zu retten.