Blindgänger gefunden

Wie die Bombennacht um die Museumsinsel verlief

Im Berliner Boden liegen Tausende gefährliche Weltkreigsbomben-Blindgänger. Einen von ihnen entdeckten Bauarbeiter Freitagabend knapp unter der Erdoberfläche vor dem Neuen Museum. Evakuierungen, Straßensperrungen und gespanntes Warten waren die Folge.

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Vor dem Neuen Museum ist eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt. Auch die Wohnung der Bundeskanzlerin ist betroffen. Doch sie durfte noch einmal kurz in ihre Wohnung und ein paar Dinge holen.

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Mehr als sechs Stunden war in der Nacht zu Sonnabend das öffentliche Leben rings um die Museumsinsel in Mitte lahmgelegt. Eine russische 100-Kilo-Fliegerbombe war schuld, dass Lokale geräumt, Straßen gesperrt wurden, Bahnkunden vergeblich auf Züge und die Besucher des Maxim Gorki Theaters auf eine Vorstellung warteten. Zwischen dem Prachtboulevard Unter den Linden und der Friedrichstraße ging nichts mehr seinen gewohnten Gang. Kurz vor Mitternacht war der Spuk vorbei: Die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes der Polizei konnten den Blindgänger unschädlich machen. Die Sperrungen wurden aufgehoben, die Fliegerbombe zum Sprengplatz im Grunewald abtransportiert.

Mitarbeiter einer Tiefbaufirma hatten den Sprengkörper gegen 17.40 Uhr vor dem Neuen Museum an der Bodestraße entdeckt und die Polizei alarmiert. Gerade nur zehn Zentimeter tief lag die mit zwei Zündern versehene Bombe im Sand. Schnell war klar, dass die Fliegerbombe noch sprengfähig war und sicherheitshalber vor Ort entschärft werden musste.

Ein aufwendiges Prozedere, das sich in Berlin jeden Tag wiederholen kann, nahm seinen Lauf. 150 Polizeibeamte sicherten einen Sperrkreis von 300 Metern Durchmessern um den Fundort. Beamte gingen von Haus zu Haus, klingelten und forderten die Anwohner zum Verlassen ihrer Wohnungen auf. Tausende Berliner und Touristen mussten das Sperrgebiet verlassen oder durften es gar nicht erst betreten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel durfte – von Bodyguards begleitet – noch kurz in ihre im Sperrgebiet gelegene Privatwohnung, um ein paar persönliche Dinge herauszuholen. Nach 15 Minuten stieg sie wieder in ihren schwarzen Audi A8 und fuhr davon. Unterdessen wurden Restaurantgäste zur Eile ermahnt, Kneipen leerten sich. Einige Anwohner überbrückten die Wartezeit in einem Doppeldeckerbus der BVG. Sie ließen sich mit Kaffee, Tee und Broten versorgen.

Zweieinhalb Stunden fuhren keine Regional- und Fernbahnen zwischen Friedrichstraße und Alexanderplatz. Die Züge wurden über die Bahnhöfe Lichtenberg und Gesundbrunnen umgeleitet. Immerhin konnte der U-Bahnbetrieb aufrechterhalten werden.

Gegen 23.20 Uhr schließlich konnten die Kampfmittelexperten endlich mit der Entschärfung der Fliegerbombe beginnen. Um 23.58 Uhr hatten sie beide Zünder entfernt – der gefährliche Fund war unschädlich; die Polizei gab Entwarnung. Die Straßensperrungen werden aufgehoben; eine Stunde später läuft der nächtliche Verkehr wieder ohne Beeinträchtigungen.

Im Referat für Altlasten bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schätzen Experten, dass im gesamten Stadtgebiet noch an die 4000 Granaten und Bomben unentdeckt herumliegen – die meisten innerhalb des S-Bahn-Ringes. Gefährliche Funde gibt es aber auch in den Außenbezirken: So musste erst am vergangenen Mittwoch auf dem Gelände des Klinikums Emil von Behring in Zehlendorf eine 250 kg schwere Fliegerbombe entschärft werden. Im Oktober 2008 mussten in Wilmersdorf 12.000 Menschen ihre Häuser verlassen, nachdem eine 500-Kilo-Bombe entdeckt worden war. In Brandenburg kommt es vor allem im Bereich Oranienburg zu Bombenfunden. Auch Potsdam ist immer wieder betroffen, wo im vergangenen Sommer der Fund eines 250-Kilo-Blindgängers an der Langen Brücke zur Sperrung des Hauptbahnhofs führte.

Eine besondere Gefährdung stellen Fliegerbomben mit säurehaltigen Langzeitzündern dar: Zünder und Sprengmasse sind in der Regel noch funktionstüchtig, und die Empfindlichkeit bestimmter Explosivstoffe kann durch den Alterungsprozess zunehmen.