Missbrauchsskandal

Berliner Gläubige treten aus der Kirche aus

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Berlin hat seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in Gemeinden und Schulen deutlich zugenommen. Darauf deuten nach Angaben der Justizverwaltung erste Angaben aus zwei Berliner Bezirken hin.

„Es gibt einen signifikanten Anstieg an Kirchenaustritten“, sagte eine Sprecherin der Senatsjustizverwaltung. Dies habe eine stichprobenartige Umfrage bei den Amtsgerichten ergeben. Demnach wurden im Bezirk Schöneberg allein bis Mitte März 135 Austritte aus der katholischen Kirche verzeichnet. Normalerweise treten dort im gesamten Quartal etwa 100 Kirchenmitglieder aus.

Eine ähnliche Tendenz sei in Neukölln zu erkennen. Beim dortigen Amtsgericht hätten sich bis Mitte März insgesamt 94 Kirchenmitglieder abgemeldet. Der Quartalsdurchschnitt liege bei 70 Austritten.

„In den östlichen Bezirken hat sich hingegen nur wenig verändert“, so die Sprecherin. So werde in Köpenick die Zahl von 21 Austritten pro Quartal nicht stark überschritten. Offizielle Zahlen sollen im Lauf des Aprils vorliegen.

Die katholische Kirche hat nach eigenen Angaben in Berlin 316.000 Mitglieder. Diese müssen ihren Austritt bei den ansässigen Amtsgerichten erklären. Einen Grund brauchen sie nicht anzugeben. Das Erzbistum Berlin wollte sich auf Anfrage nicht zu möglichen Tendenzen äußern.