Pegelstände

Wo Berlin im Grundwasser ertrinkt

Versinkt Berlin demnächst im Grundwasser, weil der Verbrauch des Trinkwassers immer weiter zurückgeht? Wo weniger gepumpt wird, steigt nämlich das Wasser. Auch in der Berliner Innenstadt könnten dann die Keller volllaufen. In Spandau ist das schon jetzt der Fall.

Hohe Grundwasserpegel wie um 1850, Mitte, Charlottenburg und Spandau unter Wasser – dieses Horrorszenario malt der CDU-Abgeordnete Matthias Brauner, sollte es nicht zu einem Grundwassermanagement in Berlin kommen. Mit der Entwidmung von drei Wasserschutzgebieten schaffe der Senat Fakten statt nach einer Lösung zu suchen. Dem Senat seien die nassen Keller der Betroffenen egal.

Grundwasserstände ab 2,50 Meter bezeichnet die Senatsumweltverwaltung als siedlungsverträglich. Sie räumt aber ein, dass einzelne, besonders tiefe Gebäude oder Häuser in Senken nass werden können. Im gerade vorgelegten Schlussbericht zum Wasserkonzept für Berlin wird die Entwicklung des Trinkwasserbedarfs und der -versorgung bis zum Jahr 2040 in verschiedenen Szenarien prognostiziert. Sollte die Förderung der Grundwassermenge weiter zurückgehen, müsse in bestimmten Gebieten mit deutlichem Grundwasseranstieg gerechnet werden. Weniger gefördert werden soll beispielsweise im Umfeld der Wasserwerke Tegel, Tiefwerder und Friedrichshagen. Deshalb ist „der maximale Anstieg mit mehr als zwei Metern für große Areale um die Galerie C des Wasserwerks Friedrichshagen wahrscheinlich“, heißt ein Ergebnis des nun vorliegenden Schlussberichts. Betroffen von der Stilllegung ist auch das Gebiet um das Wasserwerk Jungfernheide.

Siemens lässt durch die Wasserbetriebe seit Jahren auf eigene Kosten Grundwasser fördern, damit die Keller trocken bleiben. Kosten: bis zu 500.000 Euro jährlich. Wenn das Wasserwerk Ende des Jahres endgültig vom Netz genommen wird, will das Spandauer Unternehmen selbst Wasser fördern, über eigene Brunnen. „Wir haben keine andere Wahl. Wir können die Gebäude, die teilweise 100 Jahr alt sind, im Nachhinein nicht mehr abdichten. Wenn wir die Produktion in Berlin und damit die Arbeitsplätze erhalten wollen, müssen wir auf eigene Kosten abpumpen“, so Siemens-Sprecherin Ilona Thede.

Im Senatsbericht gehen die Fachleute für den Raum Jungfernheide zwar von „weitgehend siedlungsverträglichen Grundwasserständen“ aus. Mit Flurabständen von weniger als 2,5 Metern müsse jedoch großräumig im Bereich der Gewässer gerechnet werden, insbesondere entlang der Havelbucht „Spandauer See“, auch im Bereich des Schlossparks Charlottenburg und des Volksparks Jungfernheide sowie in nördlicher Verlängerung der Mäckeritzwiesen und des Areals auf dem Gelände des Flughafens Tegel. Auch die Siedlungsgebiete von Charlottenburg-Nord, Kleingartenkolonien östlich der Autobahn zwischen Heckerdamm und Saatwinkler Damm, nördlich des Kraftwerks sowie Teile im Gewerbegebiet südlich des Ruhlebener Altarms der Spree seien von höheren Grundwasserständen betroffen.

Birgit Fritz-Taute, Referatsleiterin Wasserwirtschaft, -recht und -geologie in der Senatsumweltverwaltung, schließt nicht aus, dass es auch in anderen Gebieten zu Problemen kommt. Bereits jetzt gebe es in der Innenstadt – wo es keine Wasserwerke gebe, durch die man den Pegel regulieren könne – Gebiete mit hohem Grundwasser, beispielsweise am Boxhagener Platz oder an der Friedrichstraße. In den meisten Fällen von nassen Kellern sei aber eine fehlende Abdichtung Schuld. Berlin sei eine Sumpfstadt, und der höchste gemessene Stand des Grundwassers habe bei 50 Zentimetern gelegen. Ein Rechtsanspruch auf einen abgesenkten Grundwasserstand gebe es nicht. Eine Wasserförderung nur um den Pegel niedriger zu halten, sei mit dem Wasserhaushaltsgesetz nicht vereinbar und auch aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht wünschenswert. „Wasser ist eine schützenswerte Ressource, mit der man vorsichtig umgehen muss“, so Birgit Fritz-Taute.