Spreedreieck

Tränenpalast eröffnet 2011 als Gedenkstätte

Auf dem Spreedreieck steht nun ein riesiges Gebäude - und dennoch wirkt das Areal verwaist. Doch der Investor beteuert, im Juli würden die Ladenflächen bezogen. Auch in den Tränenpalast soll dann wieder Leben kommen. Zum 50. Jahrestag des Mauerfalls ist die Eröffnung geplant.

Foto: picture-alliance/ ZB

Rund um das Spreedreieck in Berlins historischer Mitte herrscht derzeit eine Tristesse, die so nicht geplant war. Eigentlich sollte das gläserne Hochhaus bereits zum Jahresende 2009 total bezogen sein, Ladenpassagen den Boulevard beleben. Doch während in den Büroräumen die Mieter zum Großteil bereits in den Räumen sind, beherrschen dunkle Verkaufsflächen das Bild an der Friedrichstraße. Und das wird sich noch bis Sommer hinziehen, bisher ist lediglich das Schuhhaus Görtz eingezogen – an der Rückfront des Gebäudes.

Nach Auskunft des Investors Harm Müller-Spreer werden die lukrativen Läden an der Frontseite erst zur internationalen Fachmesse Bread&Butter (7. bis 9. Juli 2010) bezogen. „Es sind hochwertige Modeläden, die diese große Bekleidungsmesse zum Anlass nehmen, mit einem Eröffnungsevent die Geschäftseröffnung zu feiern.“ Namen der neuen Mieter wolle er nicht nennen, weil „die Unterschriften unter den Verträgen noch fehlen. Aberglaube“, sagt er. Dennoch seien die Vereinbarungen „wasserdicht“ und alles nur noch reine Formsache.

Trotz der Bezugsverzögerung ist Müller-Spreer guter Dinge, denn die Büroräume in den acht Etagen sind weitgehend vermietet. Bereits im November hatte das Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen Ernst&Young als Großmieter Flächen übernommen. Auch der internationale Managementberater CNC sowie fünf weltweit agierende Anwaltssozietäten haben die Top-Adresse in Berlins Mitte bezogen.

Die Original-Kontrollkabinen kehren zurück

Obwohl das Gebäude mit Mietern „gefüllt“ ist, bleibt der Eindruck einer Baustelle, solange die Geschäftsräume im Erdgeschoß leer sind. Dazu passt derzeit noch der trostlose Zustand des Tränenpalastes. Er wirkt neben dem Neubau – am Nordeingang des Bahnhofs Friedrichstraße – klein und mickrig. „Nicht mehr lange“, versichert Harm Müller-Spreer. Jetzt wird an der Verwirklichung des Gedenkstätten-Konzeptes der Bundesregierung gearbeitet. Demnach wird die Stiftung Haus der Geschichte in Bonn hier eine Dokumentations- und Veranstaltungsstätte einrichten.

Nach Auskunft von Jürgen Reiche, Ausstellungsdirektor der Stiftung Haus der Geschichte, wird hier am Spreeufer mit dem Tränenpalast ein Haus stehen, das authentisch deutsche Geschichte präsentiert. So sollen zahlreiche Originale aus DDR-Zeiten gezeigt werden, auch die Original-Kontrollkabinen, die im Tränenpalast installiert waren. Damit der ehemalige Kontrollpunkt nicht als Museum allein für sich steht, ist eine enge Zusammenarbeit mit der Stiftung Berliner Mauer vereinbart. Jürgen Reiche: „Wir werden weitgehend zusammenarbeiten.“ In den nächsten Wochen wird mit dem Innenausbau des Tränenpalastes begonnen. „Zum 13. August 2011 soll die Eröffnung sein. Genau 50 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer, “ sagte der Stiftungschef Morgenpost Online.

Bis dahin dürften auch die Ladenflächen des 40 Meter hohen Glaspalastes Spreedreieck bezogen sein. Inzwischen wurde schon die Taxi-Schleife an der Nordseite des Bahnhofs Friedrichstraße planiert und ist nun wieder für Anlieger und Taxen passierbar. Während Harm Müller-Spreer seine persönlichen Bauakten langsam schließen kann, wird sich der Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses noch länger mit dem Spreedreieck beschäftigen. Erst Ende des Jahres ist mit dem Abschlussbericht zu rechnen. Bisher hat sich der Ausschuss weitgehend vergeblich bemüht, greifbare Fakten zu finden, um den desaströsen Grundstücksdeal des Senats aufzuklären.