Tierschützer

Senat soll Kampfhunde-Liste kippen

Der Tierschutzverein fordert den Berliner Senat auf, die Liste mit den zehn vermeintlich besonders gefährlichen Hunderassen wieder zu kippen. Der Verein, der auch das Tierheim in Hohenschönhausen betreibt, führt an, dass etliche so genannte Kampfhunde jahrelang im Tierheim blieben, weil sie ungerechtfertigt für gefährlich gelten.

Kampfhunde sollen nach Forderung des Tierschutzvereins Berlin in der Hauptstadt wieder eine Chance erhalten und mit anderen Hunderassen gleichgestellt werden. Der Verein hat den Senat am Mittwoch aufgefordert, die Verbotsliste von zehn als besonders gefährlich eingestuften Rassen zu kippen.

Damit lebt eine heftige Debatte wieder auf. 2005 hatte das Abgeordnetenhaus auf Antrag des Senats das Hundegesetz nach mehreren schwerwiegenden Attacken von Hunden auf Kinder geändert. Haltung und Züchtung von Kampfhunden wurden kategorisch begrenzt. 2009 nahm der Senat für 105.177 Tiere Hundesteuer ein, die Einzeldaten für die Rassen wurden nicht veröffentlicht.

Der Tierschutzverein führte nun in seiner Reaktion auf die neueste Hundebeißstatistik Klage darüber, dass er im größten Tierheim Europas die teuren Folgen mit einer Kostenlast von mehreren hunderttausend Euro pro Jahr aus Spendengeldern zu tragen hat. Immer mehr Kampfhunde seien im Tierheim gelandet und müssten dort teils über Jahre ihr Leben fristen, obwohl sie tatsächlich nicht gefährlich seien. 320 Tiere sind aktuell im Tierheim in Hohenschönhausen untergebracht, 160 von ihnen sind Kampfhunde. So habe Bullterrier Eddie erst nach fünf Jahren ein neues Zuhause außerhalb Berlins gefunden, obwohl ihm Tierheim-Sprecherin Evamarie König „völlige Unauffälligkeit“ bescheinigte.

Nach der in der vergangenen Woche veröffentlichten Statistik müssten laut Tierschützern mit den meisten Beiß-Angriffen deutsche Schäferhunde, Mischlinge, Rottweiler, Dobermänner und Golden Retriever wie die Kampfhunde als „gefährliche Hunde“ eingestuft werden. Dies sei aber „genauso absurd wie die bestehende Rasseliste“, stellen die Tierschützer in ihrer Forderungsliste an den Senat fest.

Im vergangenen Jahr wurden in 478 Fällen Menschen bei Angriffen von Hunden verletzt oder „gefahrdrohend angesprungen“, wie es in der Antwort der Senatsverwaltung für Gesundheit auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling hieß. Bei Kämpfen untereinander bissen sich Hunde 418 Mal blutig. In beiden Tabellen ging die Zahl der Vorfälle stark zurück. 2008 waren noch 716 Menschen von Hunde-Attacken betroffen, zwischen Hunden kam es zu 514 folgenschweren Beißereien.

Der Senat zeigt bisher wenig Regung, die auf der Kampfhund-Liste stehenden Rassen Pitbull, Bull Terrier, Tosa Inu, Bullmastiff, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Mastiff sowie sogenannte gefährliche Mischlinge den anderen „normalen“ Hunderassen gleichzustellen. Der Senat antwortete: „Der Senat hält die speziellen Regelungen für das Halten und Führen von Hunden der indizierten Hunderassen aufgrund der besonderen Gefährlichkeit dieser Hunderassen, auf die der Senat mehrfach umfassend eingegangen ist, für gerechtfertigt.“ Dies will der Tierschutzverein nicht hinnehmen und stieß die öffentliche Debatte darüber neu an.

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