Fußball

Irritationen um einen Preis gegen Schwulenhass

Der türkische Fußballverein Türkiyemspor erhält am Montag den Preis "Berliner Tulpe". Er soll damit für sein Engagement gegen Schwulenhass geehrt werden. Doch das scheint dem Vorstand peinlich zu sein. Auf seiner Internetseite verbreitete er etwas völlig anderes. Die Auslober des Preises reagierten verschnupft.

Foto: Sergej Glanze

Der Rahmen wird festlich sein am Montagabend im Großen Saal des Roten Rathaus. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und die frühere Bundesfamilienministerin und Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) verleihen den Preis „Berliner Tulpe“ für deutsch-türkischen Gemeinsinn. Je 5000 Euro gehen in diesem Jahr an die deutsch-türkische Aziz-Nesin-Europaschule und an den Fußballverein Türkiyemspor.

Um den Klub aus Kreuzberg hat es jedoch vor der Verleihung des vom Radiosender Metropol FM, dem Senat und dem BWK Bildungswerk gestifteten Preises einige Irritationen gegeben. Denn der Fußballverein wird für ein in der türkischen Gemeinde umstrittenes Engagement gegen Homophobie ausgezeichnet – das der Klub indes nicht mehr so gerne ins Rampenlicht stellen möchte. Türkiyemspor gab nach der Entscheidung für den Preis eine Pressemiteilung heraus: Die Tulpe prämiere das Konzept und die Entwicklung von Mädchenfußball, wurde dort behauptet.

Das Büro des Berliner Integrationsbeauftragten Günter Piening, der ebenfalls zu den Auslobern gehört und in der Jury saß, reagierte verschnupft. „Sie verbreiten auf Ihrer Internetseite eine Falschmeldung, Türkiyemspor erhält die Berliner Tulpe nicht für die Mädchenfußballmannschaft“, mailte Pienings Büro am 9. März an die Verantwortlichen des Vereins.

Tatsächlich habe die Jury vor allem das Engagement des Vereins gegen Homophobie „besonders toll“ gefunden, sagte Pienings Mitarbeitern Edith Tomaske.

In den vergangenen Jahren hatte sich Türkiyemspor auf das unter Fußballern und unter jungen Muslimen doppelt heikle Thema Schwulenhass herangewagt, Homosexuelle Spieler ausdrücklich in seinen Mannschaften willkommen geheißen und dafür 2009 den Maneo-Award gegen Homophobie verliehen bekommen. Der Verein agierte als Schirmherr der Respect-Games der Schwulen und Lesben.

Der Spieler Erkut Ergiligür warb mit entblößtem Oberkörper auf Plakaten für die Respect Games 2008 und 2009. Im September trat Türkiyem dem Bündnis gegen Homophobie bei, das beim Regierenden Bürgermeister ins Leben gerufen wurde. Treibende Kraft hinter diesen Initiativen war Vorstandsmitglied Susam Dündar-Isik, die für die Pressearbeit zuständig war und im Sommer die Bewerbung für die Berliner Tulpe unter Hinweis auf den Einsatz für Homosexuelle verfasste. Sie wurde unterstützt vom früheren Coach der Regionalliga-Mannschaft, Uwe Erkenbrecher, der inzwischen Rot-Weiß Essen trainiert.

Aber der Einsatz für Schwule und Lesben stieß bei der Basis des Vereins und bei vielen Sponsoren keineswegs nur auf Zustimmung. Ergiligür sei auf der Straße angepöbelt worden, berichten Vereinsmitglieder. Der Vorständlerin Dündar-Isik wurde im November ohne Angabe von Gründen die Pressearbeit entzogen und ihrem Marketing-Kollegen Robert Schaddach (der für die SPD im Abgeordnetenhaus sitzt) übertragen.

Weder Schaddach noch Klub-Präsident Celal Bingöl waren gestern für Stellungnahmen zu erreichen. Beim Integrationsbeauftragten will man die Harmonie bei der Preisverleihung nicht gefährden und spielt die Gründe der Juryentscheidung für Türkiyemspor herunter: Der Verein bekomme den Preis auch „für sein Gesamtwerk“.