Verkehrskonzept

Das Humboldt-Forum bekommt keine autofreie Zone

Eine Fußgängerzone wird es am Berliner Humboldt-Forum nicht geben. Aber Flaneure und Radfahrer bekommen zwischen Schloss und Lustgarten eine 80 Meter breite Furt über die Karl-Liebknecht-Straße. So sieht es das Verkehrskonzept der Stadtentwicklungssenatorin vor. Auch eine neue U-Bahnstation ist geplant.

Foto: dpa / DPA

Im Januar hatte Berlins ADAC-Vorsitzender Walter Müller für Schlagzeilen gesorgt. Ausgerechnet der Lobbyist der Kraftfahrer schlug eine autofreie Zone zwischen Lustgarten und dem bis 2014 wieder aufgebauten Berliner Stadtschloss vor. Ungestört von Autos und Abgasen, so seine Vision, könnten die Besucher dann zwischen den Sammlungen auf der Museumsinsel und im Humboldt-Forum hin- und herflanieren.

Am Montag nun stellte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ihr Verkehrskonzept für die Museumsinsel und den Schloßplatz vor. Ihre klare Botschaft: Eine Autofrei-Zone zwischen Museumsinsel und Humboldt-Forum oder gar einen Tunnel in Ost-West-Richtung unter der Museumsinsel, wie vom ADAC vorgeschlagen, wird es nicht geben. "Ein solcher Tunnel wäre nicht nur viel zu teuer, er ist auch verkehrspolitisch und funktionell nicht sinnvoll", so Junge-Reyer.

Ihre Verwaltung rechnet für den Straßenzug Unter den Linden/Karl-Liebknecht-Straße mit einem weiteren Anwachsen des Autoverkehrs. Sind auf dieser wichtigen Ost-West-Achse derzeit täglich 32000 Fahrzeuge unterwegs, sollen es bald bis zu 35.000 Fahrzeuge am Tag sein. Ein Großteil der Fahrer werde Ziele in der östlichen Innenstadt ansteuern. Diesem sogenannten Ziel- und Quellverkehr nütze kein Tunnel, der nach Vorstellungen des ADAC auf der Karl-Liebknecht-Straße in Höhe der Marienkirche beginnen und hinter dem Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni enden soll.

Das Konzept der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bietet aber einen Kompromiss zwischen ungestörtem Verkehrsfluss und autofreier Zone. Es sieht vor, dass die sechsspurige Karl-Liebknecht-Straße, die derzeit wie eine Barriere die Museumsinsel vom Schloßplatz trennt, zwischen Berliner Dom und Schlossbrücke aufgepflastert wird.

Kein gemütliches Flanieren

Zudem soll dieser Bereich von zwei Lichtsignalanlagen – eine am Übergang zum Berliner Dom, eine weitere in Höhe der Schlossfreiheit – begrenzt werden. Über eine abgestimmte Ampelschaltung soll dann erreicht werden, dass Besucher der Museumsinsel und des Humboldt-Forums auf einer Breite von etwa 80 Metern bequem die Straßenseite wechseln können. Auf diese Weise entstünde Berlins größter Fußgänger-Übergang. Optisch wird zudem der Lustgarten bis zum Schloss ausgedehnt, ohne dass der Autoverkehr aus diesem Bereich völlig verbannt werden muss.

Ein gemütliches Flanieren der Besucher von der Museumsinsel hinüber zum Schloßplatz, wie es sich ADAC-Chef Müller und auch der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, vorstellen, wird dann allerdings nicht möglich sein. Um Fahrzeugstaus zu verhindern, sollen die Ampeln für Fußgänger nicht länger als 60 bis 70 Sekunden auf Grün geschaltet werden. Wer nicht schnell genug ist, kann immerhin auf einem Mittelstreifen Atem holen. Während die Autos dort heute noch zügig an den Wartenden vorbeibrausen, soll ihr Tempo künftig auf 30 km/h reduziert werden.

"Museumsinsel und Humboldt-Forum werden das touristische Zentrum von Berlin sein", begründet Verkehrssenatorin Junge-Reyer ihr Konzept. Ihre Verwaltung erwartet nach der Eröffnung des Neuen Museums im Oktober dieses Jahres und der Fertigstellung des Humboldt-Forums im Jahr 2014 eine Verdopplung der Besucherzahl: Pro Tag sollen dann statt derzeit 8400 täglich 17000 Menschen auf die Museumsinsel kommen. Anreisen werden sie vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wie bisher sollen BVG-Busse mehrerer Linien am Schloßplatz halten. Bis 2017 soll zudem eine neue U-Bahn-Station (Verlängerung der Linie U5) gebaut sein.

Zu knapp einem Drittel kommen die Besucher aber auch mit Reisebussen. Täglich mehr als 105 Busse werden nach einer Prognose der Senatsverwaltung künftig die Museumsinsel und das Humboldt-Forum ansteuern. Um ein Verkehrschaos zu verhindern, will der Senat "frühestens ab 2011" deren Anfahrt mit einem Zugangssystem steuern: Nur Reisebusse, die angemeldet wurden, können eine Einlasskontrolle passieren und ihre Insassen direkt vor dem Haupteingang der Museumsinsel absetzen. Anschließend fahren die Busse über die Straße Am Lustgarten zu einem weiter entfernten Parkplatz, um zu einer vereinbarten Zeit die Reisenden am Ausgang wieder abzuholen. Nur sieben Bus-Stellplätze werden so an der Museumsinsel benötigt. Vorbild für dieses sogenannte "Terminal-Konzept" sind bewährte Regelungen etwa in London und Paris.

Die Nutzung bestehender kleinerer Parkmöglichkeiten abseits der Museumsinsel sei kostengünstiger und zudem flexibler, so Verkehrsplaner Horst Wohlfahrth von Alm. Voraussetzung dafür sei aber ein funktionierendes Parkplatz-Leitsystem für die Innenstadt, das in den nächsten Jahren aufgebaut werden soll. Zumindest in dieser Sache könnte der Senat eine wiederholt vorgetragene Forderung des ADAC erfüllen.

So plant der Senat den Verkehr: Die Straße zwischen Lustgarten und Humboldt-Forum wird gepflastert, zwei Fußgängerampeln werden eingerichtet Simulation: TH treibhaus landschaftsarchitektur

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.