Hochschule

Filmstudenten fordern mehr Mitbestimmungsrechte

Regisseur Jan Schütte soll Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) werden - doch die Studenten drohen deshalb mit Streik. Ihr Protest richtet sich weniger gegen die Person Schüttes als gegen das Auswahlverfahren. Eine andere Favoritin für die Leitung der Akademie hatten sie aber auch.

Foto: picture-alliance / Sven Simon / picture-alliance / Sven Simon/picture-alliance

Wer mit dem Fahrstuhl in den neunten Stock des Sony Centers am Potsdamer Platz hinauffährt, betritt derzeit Protest-Gebiet. Das Foyer der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) ist seit einer Woche mit beschrifteten Klebestreifen versehen. „Wir erkennen die Wahl nicht an“, steht mit schwarzem Filzstift darauf. Was zunächst wie eine Kunstaktion anmutet, sind Vorboten für einen möglichen Streik, über den die insgesamt rund 150 Film-Studierenden in den kommenden Tagen entscheiden wollen. Schon am Montag fanden einige Seminare nicht statt. Am Dienstag trafen sich die Studierenden im Kino der Akademie und besprachen das weitere Vorgehen.

Sie werfen dem Senat und dem DFFB-Kuratorium undurchsichtiges Verfahren bei der Direktorenwahl vor. Der letzte Inhaber des Postens, Hartmut Bitomsky, war im Juli 2009 zurückgetreten. Daraufhin hatte Barbara Kisseler, DFFB-Kuratoriumsvorsitzende und Chefin der Senatskanzlei, eine rasche Neubesetzung angekündigt. Ende Februar dieses Jahren teilte das zwölfköpfige Kuratorium den Studierenden das Ergebnis ihrer Wahl mit: Der Filmregisseur Jan Schütte ("Fette Welt", "Auf Wiedersehen Amerika") soll der neue Direktor werden. Die Bestellung zum Geschäftsführer und Direktor der DFFB wird in einer gesonderten Sitzung durch das Kuratorium erfolgen.

Die Studierenden fühlen sich aus dem Entscheidungsprozess ausgeschlossen, zumal sie in einem offenen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit um mehr Mitsprache gebeten hatten. Legitim ist die Entscheidung des Kuratoriums schon – auch ohne Stimmen der Studenten, da die Hochschule eine gemeinnützige GmbH ist, deren alleiniger Gesellschafter das Land Berlin ist.

Doch der angekündigte Streik hat noch einen weiteren Grund, und der liegt in der Person des neuen Direktors. Aus Kreisen der Studentenschaft ist zu hören, dass sie sich massiv um die Ausrichtung der Schule sorgen. Gerade die Kamerafrau Sophie Maintigneux, die seit vielen Jahren an der DFFB unterrichtet, schärfe das Profil der Hochschule, heißt es. Deshalb hatten die Studenten auch in einem früheren Findungsverfahren für sie als Direktorin gestimmt – was das Kuratorium nicht berücksichtigte.

Barbara Kisseler will jetzt vor allem die Stimmung an der Hochschule verbessern. „Ich kann die Studierenden beruhigen“, sagte sie Morgenpost Online. „Die Ausrichtung wird weiterhin auch durch das Kuratorium bestimmt.“ Außerdem habe auch Maintigneux schon mit Schütte zusammengearbeitet. Der Filmregisseur Jan Schütte ist derzeit nicht in Berlin, sondern hält bis September Vorlesungen an der US-Universität Harvard. Er freue sich auf das Amt und hoffe, „die verschiedenen Fraktionen, die es offensichtlich an der Filmhochschule gibt, vereinen zu können“.

Jan Schütte wurde bereits mit dem Grimmepreis und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Er war 2002 gemeinsam mit Martin Scorsese, Abbas Kiarostami, Tilda Swinton und Sharon Stone Teil der Internationalen Jury des Filmfestivals Cannes, ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin Brandenburg und der Europäischen Filmakademie und lebt mit seiner Frau Christina Szápáry und vier Kindern in Berlin.