Brennende Autos

Polizeipräsident setzt Belohnung auf Brandstifter aus

Bei der Fahndung nach den Brandstiftern, die allein seit Jahresbeginn 32 Anschläge auf Fahrzeuge verübt haben, ändert die Berliner Polizei nun ihre Strategie. Die Ermittler hoffen auf die Mithilfe aus der Bevölkerung. Bis zu 10.000 Euro Belohnung setzt Polizeipräsident Dieter Glietsch jetzt auf Hinweise auf die Täter aus.

Foto: Schroeder Thomas / Schroeder

Polizeipräsident Dieter Glietsch hat jetzt bis zu 10.000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung von Brandanschlägen auf Autos führen. Er reagiert damit auf die bislang erfolglose Fahndung der Polizei nach den mutmaßlich linksradikalen Tätern, die allein seit Jahresbeginn 32 Brandanschläge auf Autos verübt haben, bei denen 66 Firmen- und Privatautos zerstört wurden. Damit zeichnet sich eine deutliche Steigerung der Anschläge ab. Im gesamten vergangenen Jahr wurden 68 politisch motivierte Brandanschläge auf Autos registriert.

Zuletzt brannten am Samstag in Prenzlauer Berg acht Wagen aus. Die Flammen beschädigten zudem ein Wohnhaus. An den Fällen arbeitende Ermittler sind vor allem entsetzt darüber, dass am Samstag gar ein vor einer Kita abgestelltes Auto angezündet worden war.

"Heute muss auch dem Letzten klar sein, dass es sich bei den Tätern um rücksichtslose Kriminelle handelt, die nicht nur das Eigentum von Durchschnittsverdienern vernichten, sondern auch das Leben unschuldiger Menschen gefährden“, sagte Glietsch gestern der Morgenpost. Die Polizei tue alles, um dieses verbrecherische Treiben zu beenden. Dabei sei sie auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. „Ich bitte jeden, der Beobachtungen gemacht hat, die im Zusammenhang mit einer solchen Tat stehen, sich bei der Polizei zu melden“, sagte Glietsch.

Nicht erst seit der Nacht zu Sonnabend machen sich die Verantwortlichen der Sicherheitsbehörden ernsthafte Sorgen. Nicht nur, dass Unbekannte an der Gleimstraße in Pankow einen geparkten Mercedes vor einer Kindertagesstätte in Flammen aufgehen ließen, austretender Kraftstoff eines an der Ueckermünder Straße angesteckten Autos ließ in der gleichen Nacht sechs weitere Wagen in Brand geraten. Für Glietsch sind das unerträgliche Zustände.

Auch die Berliner Feuerwehr beobachtet die zunehmenden Anschläge mit Sorge. „Es wurden ja auch Kleintransporter angezündet. Da diese oft im Heckbereich keine Fenster haben, kann von den Tätern schwer eingesehen werden, was in dem Fahrzeug transportiert wird“, so Berlins Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke. „Wenn da beispielsweise eine Propangasflasche gelagert steht, sind unsere Leute beim Löschen mehr als gefährdet, falls es zur Detonation kommt.“

Ferner gebe es auch Fahrzeughalter, die sich nach einer Feier auf die Rückbank ihres Autos legen und dort schlafen, weil sie zu viel Alkohol getrunken haben und nicht mehr fahren können. „Ob die Autonomen wirklich prüfen, ob sich in ihrem Angriffsziel niemand mehr befindet, wage ich zu bezweifeln.“ Jeder Brand könne durch das Übergreifen auf andere Fahrzeuge zur Gefahr für Unschuldige werden. Ermittelnde Beamte halten die Botschaft der Anschläge für fragwürdig. „Diese Täter wollen mit ihren Aktionen die Gesellschaft dort treffen, wo es ihrer Meinung nach am meisten schmerzen würde“, so ein Ermittler. „Die großen Konzerne wird es allerdings kaum finanziell in die Knie zwingen, wenn ein paar ihrer Fahrzeuge aus politischen Motiven in Flammen aufgehen, weil diese versichert sind.“

Die Solidarität der Menschen mit solchen Taten sei seiner Erfahrung nach ebenfalls gering. „Wir befinden uns in einer weltweiten Finanzkrise. Wenn ein Familienvater ein größeres Auto für seine Familie anschaffen muss und es am morgen verkohlt vor seinem Haus stehen sieht, wird er sich kaum mit den Aktivisten identifizieren können, im Gegenteil“, so der Ermittler. Im Hinblick auf den anstehenden 1. Mai könnten die Aktionen der letzten Wochen schlechte Vorboten sein.

Die Anti-Nato-Krawalle vom Wochenende in Straßburg würden in der linken Szene als Renaissance früherer Zeiten gewertet. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Berliner Szene das als Anstoß für sich sieht, nach einem positiven Trend der vergangenen Jahre den 1.Mai betreffend wieder Randale anzuzetteln.“ Gegen sich hätten diese Leute allerdings nicht mehr nur wie früher die Polizei, sondern auch die im Kiez lebenden Berliner, die ihre Straßen nicht mehr als Austragungsort bürgerkriegsähnlicher Zustände sehen wollen.

"Die in Kreuzberg wohnenden Menschen haben die Nase voll davon, dass ihr Kiez, in dem ihre Kinder spielen, Jahr für Jahr für fragwürdige Motive zertrümmert wird“, so der Beamte.

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