Weltkulturerbe

Museumsinsel wartet auf die Vollendung

Genau am heutigen Mittwoch vor zehn Jahren wurde die Museumsinsel Weltkulturerbe. An die Ernennung will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz am 6. Juni mit einem Festakt im Alten Museum erinnern. Doch Berlins Schmuckstück ist längst noch nicht fertig.

Genau am heutigen Mittwoch vor zehn Jahren überreichte der damalige Unesco-Generalsekretär Kôichirô Matsuura im Alten Museum die Urkunde zur Aufnahme der Berliner Museumsinsel in die Weltkulturerbeliste. Seitdem hat sich auf der „schönsten Insel der Welt“ viel verändert – und die Metamorphose von der kriegsversehrten, leicht verstaubten königlichen Kunstsammlung zur modernen Wissenschafts- und Kultureinrichtung ist noch längst nicht vollendet. Weitere 18 Jahre wird es nach Meinung von Experten noch dauern, bis das Welterbe fit für die Zukunft ist.

„Das Jubiläumsdatum ist Anlass, auf das zurückzublicken, was wir in den letzten Jahren zur Erhaltung und Vervollständigung der Museumsinsel geschaffen haben“, sagt Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). Nach der bereits abgeschlossenen Sanierung der Alten Nationalgalerie (1998–2001), des Bode-Museums (1997–2005) und des Neuen Museums (2005–2009) soll in diesem Jahr der fertiggestellte Kolonnadenhof übergeben und der Grundstein für ein neues Eingangsgebäude gelegt werden.

„Mit der Wiedereröffnung des Neuen Museums im Oktober 2009 sind erstmals seit 70 Jahren wieder alle fünf Häuser der Insel geöffnet“, unterstreicht Parzinger die Bedeutung dieser wichtigen Bauetappe. Alle drei bisher wiedereröffneten Häuser hätten einen sensationellen Erfolg beim Publikum. Allein das Neue Museum (erbaut 1841–1859), das nach den zunächst heftig umstrittenen Plänen des britischen Stararchitekten David Chipperfield rekonstruiert wurde, haben sich seit Oktober knapp 500.000 Menschen angesehen. „Die Museumsinsel Berlin ist heute mit jährlich rund drei Millionen Besuchen einer der größten Publikumsmagneten Deutschlands“, sagt Hausherr Parzinger. „Wir werden entschieden und mit aller Kraft den Weg fortsetzen und die Museumsinsel für das 21. Jahrhundert weiterentwickeln.“

Der Masterplan von 1999 hält gewaltige Aufgaben bereit. Besonders die Arbeiten am Pergamonmuseum, an dessen Fassade Gerüste, Planen und Kräne bereits von der Sanierung der Gesimse zeugen, werden noch Jahre in Anspruch nehmen. „Dass das Pergamonmuseum bereits seit einem Jahr eingerüstet ist, war im Bauablauf eigentlich nicht so geplant“, sagt Andreas Kübler, Sprecher des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), das im Auftrag des Bundes die Arbeiten auf der Insel betreut.

Die eigentliche Bauphase – in mehrere Abschnitte gestückelt – beginnt erst Mitte 2012 im Nordflügel und wird 13 Jahre dauern. „Weil jedoch die Gesimse abzustürzen drohten, mussten wir diese Arbeiten bereits jetzt ausführen“, sagt Kübler. Allein 32 Millionen Euro hat diese fast abgeschlossene Maßnahme gekostet. „Ab diesem Monat beginnen wir mit der Ausrüstung, im Juni ist die seit gut einem Jahr eingerüstete Fassade wieder in Gänze zu sehen“, erläutert der BBR-Sprecher. Doch das Pergamonmuseum (erbaut 1907–1930), das noch mit maroder Vorkriegstechnik ausgestattet ist, soll nicht nur saniert werden. Geplant sind auch zwei Ergänzungsbauten. So soll ein vierter Flügel gebaut werden, der als Verbindung zwischen Nord- und Südflügel das Gebäude zum Kupfergraben hin abschließt. Im dadurch entstehenden Innenhof soll zudem ein neuer Eingangspavillon entstehen. Insgesamt sind für die Arbeiten am Pergamonmuseum 385 Millionen Euro veranschlagt.

Arbeiten für neue Galerie angelaufen

Für die James-Simon-Galerie laufen bereits die Ausschachtungsarbeiten für die Baugrube, die zwischen Kupfergraben und Neuem Museum liegen wird. Als das neue Eingangsgebäude vorgestellt wurde, kam deshalb der Vorwurf auf, damit werde das Welterbe verbaut. Dieser Vorwurf sei mittlerweile entkräftet. SPK-Chef Parzinger erklärt: „Die James-Simon-Galerie fügt sich ganz hervorragend in das historische Museumsensemble ein.“ David Chipperfield habe bei seiner Planung das historische Motiv der Kolonnaden in eine moderne Architektursprache übersetzt und zum bestimmenden Element der Gestaltung gemacht. „Die zum Lustgarten hin geöffnete und weithin sichtbare Freitreppe entspricht der Funktion des Hauses als Empfangsgebäude für den Museumskomplex und greift ebenfalls ein prägendes historisches Element auf“, lobt Parzinger den Entwurf.

Bis Anfang Juni sollen auch die Kolonnaden und der Kolonnadenhof zwischen der Alten Nationalgalerie (eröffnet 1876) und dem Neuen Museum umfassend instand gesetzt und restauriert werden. Dazu gehören die drei im Krieg zerstörten Kuppeln, die innerhalb der östlichen Säulenreihe am Spreeufer bereits ersetzt worden sind. Knapp 20 Millionen Euro hat die Wiederherstellung des Hofes gekostet.

Noch völlig offen ist, wann die Sanierung des Alten Museums (erbaut 1823–1830) beginnt. Auch dieses Haus ist noch mit Vorkriegstechnik ausgestattet und weist, wie das Pergamonmuseum, in vielen Bereichen nur schlecht kaschierte Kriegsschäden auf. Die Sanierung des Hauses soll vier Jahre dauern und 128 Millionen Euro kosten.

Erst wenn – voraussichtlich im Jahr 2025 – sämtliche Häuser saniert beziehungsweise neu gebaut sind, werden die Arbeiten an den unterirdischen Verbindungswegen, der sogenannten Archäologischen Promenade, beginnen. Diese soll sämtliche Häuser – bis auf die Alte Nationalgalerie – miteinander verbinden. Damit wird auch das bislang durch die Stadtbahn-Trasse von der Insel abgehängte Bode-Museum (erbaut 1897–1904) auf der anderen Seite der Viadukte besucherfreundlich angeschlossen. Und auch die Bodestraße wird untertunnelt und ersetzt so die Brücke, die vor ihrer Zerstörung im Krieg das Alte mit dem Neuen Museum verband. Die Arbeiten an dem unterirdischen Wegesystem werden mindestens drei Jahre dauern und rund 15 Millionen Euro kosten.

Die Stiftung wird den zehnten Jahrestag des Unesco-Titels übrigens erst am 6. Juni 2010, dem deutschen Welterbetag, mit einem Festakt in der Rotunde des Alten Museums feiern, verbunden mit der Eröffnung des sanierten Kolonnadenhofs. Wenn auf der Museumsinsel 2028 nach insgesamt 30 Jahren Bauzeit endlich sämtliche Vorhaben abgeschlossen sind, wird es vermutlich nicht lange dauern, bis wieder Bauarbeiter anrücken. „Wie die Baugeschichte der Museen zeigt, werden wir Bauarbeiter immer benötigen“, sagt Parzinger.