Jahresbilanz

Der Wissenschaftsstadt Adlershof bleibt der Erfolg treu

Wissenschaftler sind offenbar auch gute Wirtschafter. Die Wissenschaftsstadt Adlershof kann für das Jahr 2008 immerhin ein Umsatzplus von mehr als fünf Prozent ausweisen, dazu Jobwachstum. Man blickt auch hier vorsichtig in die Zukunft - aber optimistisch.

Für Albrecht Krüger ist die Krise weit weg. 2008 hat der Unternehmer aus Adlershof mit seiner hoch spezialisierten Apparatebaufirma Sentech den Umsatz auf 9,5 Millionen Euro verdoppelt. Und das erste Quartal 2009 war „das beste in der 19-jährigen Firmengeschichte“, sagt Krüger. Der Physiker steht für viele der alteingesessenen Unternehmen in Berlins wichtigstem Technologiepark. Die 60 Betriebe aus dem „Technologiekreis Adlershof“ haben im vergangenen Jahr um zehn Prozent zugelegt.

Das sei der Trend in Adlershof, sagt Hardy Schmitz, Chef der Managementgesellschaft Wista: „Je reifer und je mehr Hightech ein Unternehmen ist, desto optimistischer sind sie für 2009.“

Wachstumsmotor läuft noch

Insgesamt stottert Berlins Wachstumsmotor Adlershof noch nicht, so die Botschaft bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. Im Kern des Gebietes, dem Technologiepark, wuchsen die Umsätze der 410 Firmen um 5,2 Prozent auf 487 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte der Park noch zweistellig zugelegt. Das geringere Wachstum führt die Wista aber nicht auf die schwächelnde Konjunktur zurück, sondern eher auf die Wachstumsphasen, in der sich die Unternehmen befinden.

Härter hat die Krise die Betriebe der Medienstadt erwischt. Hier sind die Umsätze leicht gesunken. Die anderen Gewerbebetriebe und Dienstleister in Adlershof wuchsen um 1,8 Prozent.

In Adlershof hat in den vergangenen Monaten eine neue Ära begonnen. Das Wachstum findet inzwischen nicht mehr nur statt, indem eine Zehn-Mann-Firma auf 20 Mitarbeiter wächst oder wieder ein paar Universitäts-Absolventen mit ihrer Geschäftsidee in ein Gründerzentrum ziehen. Betriebe, die seit Jahren in Adlershof aktiv sind, bauen inzwischen eigene Firmensitze.

So wie Sentech-Chef Krüger. Er baut für seine 40 Leute – und plant Platz für 60 ein. Vor ihm haben bereits acht andere Unternehmen eigene Büro- und Produktionsgebäude errichtet. Sie sind relativ krisenresistent, denn sie stellen ihre Spezialgeräte nur auf Bestellung her. Hohe Belastungen für auf Halde produzierte Apparate oder Material fallen nicht an. Und die Kunden aus Instituten oder Universitäten weltweit haben auch in schlechten Zeiten noch Geld, zumal die Staaten heftig investieren.

Wenn er mal ein bisschen weniger zu tun hat, ist Krüger auch nicht unglücklich. „Dann haben wir Zeit, uns um die Produkte von übermorgen zu kümmern“, sagt der Unternehmer. Neben der gesunden Struktur im Bestand stärken jetzt große Ansiedlungen das nahe am neuen Flughafen gelegene Areal. Der Umzug Berlins größter Solarfirma Solon mit einem Jahreserlös von 815 Mio. Euro von Neukölln nach Adlershof hat den Umsatz des Standortes insgesamt auf 2,2 Milliarden Euro explodieren lassen. Insgesamt arbeiten jetzt 14.123 Menschen in den Universitätsinstituten, Forschungseinrichtungen und Firmen in Adlershof. Außerdem studieren dort 6700 Studenten der Humboldt Universität.

Große Sprünge wie den durch Solon erwarten die Wista-Leute auch trotz Krise. Im Jahr 2010 wird die Produktion der neuen Solarzellen-Fabrik der Firma Sulfurcell in die Statistik einfließen, Wachstum ist so garantiert. „Das Interesse am Standort Adlershof hat nicht nachgelassen“, sagt Gerhard Steindorf, Chef der Infrastrukturtochter der Wista, die die Grundstücke herrichtet und neue Straßen anlegt.

Immobilienentwickler spielen mit

Inzwischen haben große Immobilieninvestoren sich der Entwicklung angenommen. Im Norden des Entwicklungsgebietes baut die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) einen Gewerbepark. Die Bahn wird große Flächen entlang der Gleise entwidmen und für Firmen zur Verfügung stellen. Steindorf wird für 18 Millionen Euro neue Straßen und Leitungen verlegen. Und die Wista selbst wird in den nächsten Jahren für 55 Millionen Euro drei neue Technologiezentren bauen.

Inzwischen ist aber Adlershof wegen der Flughafen-Nähe auch für traditionelle Branchen interessant. Audi will an der Autobahnausfahrt für eine zweistellige Millionensumme einen Flagship-Store errichten, Baubeginn ist 2010. Neben dem Verkauf sollen dort vor allem Gebrauchtwagen aufgearbeitet werden. Insgesamt sind 120 neue Jobs möglich.