Internet-Konferenz

Die Must-haves der Re:publica sind grüne Aliens

Es gibt T-Shirts - schön und gut. Doch die Must-haves der Re:publica 2009 sind grüne Aliens, flammende Totenschädel und niedliche Bienchen, sämtlich mit USB-Anschluss: Diese E-Accessoires heißen Poken und sind die Visitenkarten von morgen.

Foto: Dirk Nolde

Der Trend auf der Re:publica kommt aus der Schweiz: Auf der Berliner Internet-Konferenz werden Poken ver- und vor allem gekauft. Poken: Das sind kleine elektronische Apparate, die wie Kinderspielzeug aussehen (dafür aber viel zu kleinteilig sind) und Kontakte speichern können. Sie lassen sich mit der Twitter-Adresse füttern, mit der Facebook-Seite und so fort. Und sie können miteinander sprechen, von Poken zu Poken. Auf der Re:publica trägt man die auch als Schlüsselanhänger tauglichen Poken offensiv am Namensschild.

Begegnet man einem anderen Poken-Besitzer, folgt gegebenenfalls ein "High Four": Die elektronischen Visitenkarten haben sämtlich eine vierfingrige Plastik-Hand. Bringt man die Hände zweier Poken zusammen, blinkt es kurz, und binnen einer Minute sind die Kontakte des einen Poken-Besitzers auf das Poken des anderen überspielt und umgekehrt.

Am Computer wird dem Poken die Hand entfernt, ein USB-Stecker kommt zum Vorschein. Über den werden die gesammelten Kontakte (64 fasst ein Poken) zu www.doyoupoken.com überspielt. Dort haben Poken-Besitzer einen Acount und eine Sammelstelle für alle Kontakte.

Beim Internet-Kongress in Berlin verkauft Florian Krakau ( www.pl0g.de ) Poken und kommt sich "ein bisschen wie ein Drogendealer vor". Dass Poken auf der Re:publica zu haben waren, verbreitete sich per Mund- und Twitter-Propaganda – die offizielle Markteinführung in Deutschland ist erst für den Mai geplant. 500 Stück hatte Krakau dabei. Wie sich zeigte, sind die Bienchen nicht so beliebt. Für Interessierte: Es gibt eine Website ( www.missionpoken.de ) und, natürlich, eine Twitter-Seite .

Ansonsten werden Poken bislang in der Schweiz, in Großbritannien und in den Niederlanden über Online-Shops und einzelne Ladengeschäfte verkauft. Zusätzlich aber nutzt Poken ein Vertriebsmodell, das funktioniert wie ein soziales Netzwerk - oder man sagt einfach: Mengenrabatt. Wer zwölf Poken kauft, zahlt 120 Schweizer Franken (etwa 78 Euro). Der Einzelpreis dagegen liegt bei knapp 25 Schweizer Franken (rund 16 Euro). Entsprechend groß ist der Anreiz, selbst Poken-Verkäufer zu werden.

Poken ist ein Schweizer Unternehmen mit Sitz in Lausanne. Mit seiner Idee eines Mode-Accessoires für soziale Netzwerke hatte Poken-Erfinder Stéphane Doutriaux im vergangenen Jahr den Schweizer Gründerwettbewerb Venture Leaders gewonnen. Dabei haben die Poken-Macher auch daran gedacht, dass vernetzte Menschen womöglich nicht jedem die eigenen Kontakte herüberreichen möchten - und dass es vielleicht seltsam bis unangenehm ist, einem kontaktwilligen Gegenüber das Poken zu verweigern." Für solche Situationen haben die Poken eine Spezialfunktion. Zwei Mal auf die Vier-Finger-Hand drücken - und es wird nur eine leere Visitenkarte übertragen.

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