Gastronomie

Was Kontrolleure in Pankows Ekel-Küchen vorfanden

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Mausefallen im Waschbecken, Schimmelteppiche unterm Tresen, dicke braune Fettschichten: Morgenpost Online zeigt die Bilder von den Kontrollgängen der Hygiene-Wächter durch Pankows Schmuddelküchen. Und bald könnten auch Küchen aus anderen Bezirken auf Negativlisten stehen. Zumindest wünscht sich dies Gesundheitssenatorin Lompscher.

Pankows Lebensmittelaufseher haben bei ihren Kontrollgängen durch Restaurants und Unappetitliches aufgedeckt und die schlimmsten Hygiene-Sünder mit einer Negativliste öffentlich gemacht. Ähnliche Listen bald auch für andere Bezirke folgen. Die Bezirksstadträte kämen am Freitag zusammen, um die Veröffentlichung von Negativlisten zu diskutieren, sagte die Sprecherin der Berliner Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke), Marie-Luise Dittmar. „Die Senatorin begrüßt das Modell des Bezirks Pankow. Wir gehen davon aus, dass das Pilotprojekt auf andere Bezirke ausgedehnt wird, wenn es sich als positiv erweist“, sagte Dittmar.

Das Bezirksamt Spandau äußerte sich bereits kritisch: Das Smiley-System täusche bei einer Kontrollfrequenz von ein- bis zweimal im Jahr Objektivität nur vor. Die Negativliste wird gar mit „Skepsis“ gesehen. Der Berliner Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schließt sich an. Die seltene Kontrollfrequenz verzerre das Bild, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder. Laut „Berliner Zeitung“ vom Montag bezeichnete das Bundesverbraucherschutzministerium die Liste als „Pranger“.

Das Bezirksamt Pankow hatte am Montag eine Liste mit 36 Lokalen und Lebensmittelgeschäften veröffentlicht, die bei Kontrolle aufgefallen waren. Laut Ordnungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) hatte es bei 2300 von 7000 Lebensmittelbetrieben des Bezirks immer wieder Beanstandungen gegeben. Auch nach regelmäßigen Kontrollen in Imbissständen, Bistros, Restaurants, Fleischereien und Bäckereien erfüllten viele Betriebe die Auflagen nicht. „Wir müssen feststellen, dass trotz Bußgeldern und Betriebsschließungen als Ultima Ratio behördlichen Handelns bei vielen Betreibern die Betriebshygiene nicht erhöht wurde“, sagte Kirchner.

Im Internet findet der Suchende zugleich eine Liste mit positiven Beispielen. Wer positiv aufgefallen ist, erhält zudem einen Smiley. Diesen erhält ein Betrieb, wenn er auf einer Checkliste mindestens 90 Prozent positive Bewertungen erhielt. Auf der Checkliste gibt es sieben Kategorien mit Punkten, die überprüft werden. Entscheidend sind vor allem der Reinigungszustand des Betriebes, die Personal- und die Produkthygiene sowie die Art und Effektivität der Schädlingsbekämpfung. Die Liste ist im Internet verfügbar.

In der Negativliste werden dagegen Betriebe aufgelistet, die laut Bezirksamt „gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch sowie die mit geltenden Rechtsvorschriften und gegen Rechtsakte der Europäischen Union (EU) verstoßen haben“ und somit eine Ordnungswidrigkeit begangen haben. Kleinere Verstöße werden hier nicht veröffentlicht.

Die Idee für die Smileys kommt aus Dänemark, wo 2001 ein ähnliches System eingeführt wurde. Die Kontrollergebnisse der staatlichen Lebensmittelprüfungen der letzten vier Jahre müssen für den Gast oder für den Kunden eines Lebensmittelgeschäfts sichtbar ausgehängt werden. Ein Smiley mit nach unten hängenden Mundwinkeln zeigt schlechte Kontrollerergebnisse an, Sauberkeit wird mit einem breiten Lächeln belohnt.

Jens-Holger Kirchner, Bezirksstadtrat für Öffentliche Ordnung hat sich für das Projekt im Bezirk stark gemacht und hofft jetzt auf Nachahmer in anderen Bezirken.

Rechtlich sei das neue System in Pankow laut Bezirk abgesichert. 2008 wurde das Verbraucherinformationsgesetz novelliert. Demnach hat jeder das Recht, Auskunft über die Ergebnisse der Kontrollen zu erhalten. Bisher müssen in Deutschland die Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelkontrolle nicht automatisch veröffentlicht werden. sh/hed/dpa

( sh/hed/apä/dpa )