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Warum die Re:publica keinen Internetanschluss hat

Im Berliner Friedrichstadtpalast tauschen sich derzeit auf der Konferenz Re:publica Hunderte Menschen über das Internet aus. Doch ausgerechnet sie kommen derzeit nicht drahtlos ins Netz. Und das liegt vor allem am Ort des Geschehens.

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Do, 02.04.2009, 10.20 Uhr

Re:publica tagt in Berlin

Video: tvb
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Tag zwei der Re:publica in Berlin - und immer noch kein Internetzugang. Zumindest im größten Veranstaltungsort der Internet-Konferenz kommt bislang niemand per Wlan ins Netz. Dass der drahtlose Web-Zugang nicht vorhanden ist, liegt vor allem am Ort des Geschehens.

Die Re:publica 2009 findet erstmals im Friedrichstadtpalast statt - und das ist das Problem. "Wir haben Hardware im Wert eines Kleinwagens gekauft", sagt Markus Beckedahl, Macher der Internet-Konferenz. Die Software allerdings, die mitgeliefert wurde, hatte einen Fehler. Dass sie einen Fehler hat, stellte sich erst nach einem langwierigen Test heraus - "da muss man jedes Kabel überprüfen", sagt Beckedahl.

Hinzukommt, dass der Friedrichstadtpalast schon von der Architektur her einen flächendeckenden Drahtlos-Netzzugang schwierig macht. Zwar wurde die Technik im Vorfeld getestet, doch ist es noch immer etwas anderes, wenn Hunderte Konferenzteilnehmer angekommen sind und nun erst einmal Texte, Fotos, Videos und anderes mehr ins Netz stellen wollen. Einen Veranstaltungsort dieser Größe und mit einer derartig schwierigen Architektur - jedenfalls wenn man Internet für alle zur Verfügung stellen möchte - hatte die Re:publica bislang noch nicht. Dort, wo sie bisher war, in der Kalkscheune nämlich, funktioniert der Netzzugang, ebenso wie im Media-Center schräg gegenüber.

Für viele nur ein schwacher Trost: Die Reaktionen sind kritisch bis hämisch. "Die Re:publica in Berlin scheint technisch ja ein voller Erfolg zu sein", schreibt Nutzer "diepferderegion" ("Deutschlands größte regionale Pferdezeitung") im Mikroblogging-Dienst Twitter. Und eben dort fragt "Stijlroyal": "Was machen denn all die Menschen hier mit ihren offenen Laptops, wo es kein Wlan gibt?! Etwa arbeiten?"

Auch wenn man es nicht sieht: Hinter den Kulissen arbeiten die Mitglieder der Berliner Freifunk-Community weiter am Netz für alle. Die Initiative, die bundesweit aktiv ist, ermöglicht offene Internet-Zugänge. Die "Freifunker" stellen ihre Internet-Ausrüstung gegenseitig zur Verfügung und ermöglichen so einen kostenlosen Drahtlos-Netzzugang - das ist den Freifunkern ein politisches Anliegen: die Demokratisierung der Kommunikationsmedien. Im Falle der Re:publica hat die Demokratisierung einen technischen Aussetzer.

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